Album-Rezension: "Witness" von Katy Perry

Wenn Katy Perry ein neues Album veröffentlicht, wird das ohne nachzudenken gekauft. Ohne dabei mit den Augen zu blinzeln. Denn wenn Katy Perry für etwas steht, dann sind das HITS. Denn wer kennt sie nicht? "I Kissed a Girl", "Hot'n'Cold", "Waking Up in Vegas", "California Girls", "Teenage Dream", "Fireworks", "Roar" oder "Dark Horse" sind allesamt internationale Hits und die dazugehörigen Alben sind abwechslungsreich, tiefgründig, voller Spaß und zeigen eine schillernde Sängerin, die gerade erst so richtig anfängt - zumindest denkt man das immer, wenn man sie hört. Sie ist so herrlich frisch und einzigartig, dass man gar nicht anders kann als mitzusummen. Und zwar nicht nur bei den Singles, denn hört man sich die vergangenen drei Studiowerke an, dann könnte wirklich jeder Song eine Single gewesen sein. Diesen Standard muss man erstmal schaffen und dann halten können - beides Dinge, die die Sängerin mit den ersten drei Alben geschafft hat. Ob das mit Nummer 4 nun auch gelingt?

© Capitol Records


Doch von vorne: Katy Perry meldete sich im Februar 2017 mit ihrer Single "Chained to the Rhythm" zurück, doch irgendwie war etwas anders. Reifer, politischer und sehr viel ernster präsentierte sich die Sängerin zwar mit einem tanzbaren Sound, dennoch aber mit ernstem Hintergrund. Ich war - wie immer - begeistert und feierte den Track quasi ab Veröffentlichung. Denn tatsächlich mochte ich den politischen Hintergrund des Songs, der davon handelt, dass wir alle uns viel zu sehr von außen steuern lassen und nur noch unsere Triebe abdecken wollen - gleichzeitig aber gar nicht mehr darüber nachdenken, was die Konsequenzen unseres Handelns sind. Ja, ich vermisste die etwas spaßigere Version der Sängerin, doch ich hatte gute Hoffnung, dass wir sie definitiv noch zu hören bekommen werden. Und ich sollte recht behalten: Ihre nächste Single im April 2017 hieß "Bon Appétit" und bot genau den Fun, den man von Katy kennt, gleichzeitig zeigte sie einen ungewohnten HipHop-Sound im Track, den viele scharf kritisierten, aber bei mir wieder genau einschlugen. Ich liebe HipHop, ich liebe harte Beats und ich LIEBE Ohrwürmer - und genau das stellt der Song für mich da. Zwar wurde der Track von Fans sowie Kritikern stark diskutiert und auch in den Charts funktioniert er leider nicht so, wie man es von Katy gewohnt ist, allerdings ist mir das egal: Ich habe Spaß und sehe den Song als Favoriten auf dem Album an!


Kurz vor Albumveröffentlichung überraschte Katy dann mit einer Kollaboration mit Nicki Minaj - ja, der Nicki Minaj, die quasi ständig in den Charts ist. "Swish Swish" heißt das ganze und sohl wohl angeblich eine Antwort auf "Bad Blood" von Taylor Swift sein, mit der Katy seit einigen Jahren auf Kriegsfuß steht. Im Song stellt die Sängerin klar, dass sie eine Königin ist, die noch lange präsent sein wird und sich nicht von einem Kleinkind (*hust Ms. Swift hust*) irritieren lässt. Offiziell sagt Katy NATÜRLICH, dass es allgemein um Leute geht, die einen runterziehen wollen, aber ich meine... "Swish Swish"... wenn das mal nicht ähnlich klingt wie Swift.. naja, ein Schalk wer Böses dabei denkt ;-)). Völlig egal, denn der Track geht ins Ohr, der Rappart von Nicki Minaj ist großes Kino und der Gesangspart von Katy ist durch den Sprechgesang ebenfalls eine neue Richtung, die Katy mit "Witness" einschlägt - überhaupt scheint es so, dass Katy einfach nur Lust auf neue Sounds hatte. Ob die überzeugen können?


Ich muss sagen, dass ich nach dem ersten Hören etwas ratlos war. Leider. Denn wie bereits gesagt, war ich Hit nach Hit nach Hit auf Katys Album gewohnt. Genau dieses Ritual durchbricht "Witness" nun für mich. Auf der Platte gibt es Songs, die total einschlagen und offensichtliche Singlekandidaten darstellen, einfach weil sie solche Ohrwürmer sind oder emotional berühren. Allen voran "Hey Hey Hey", "Roulette", "Bigger Than Me" und "Pendulum" könnten quasi mit sofortiger Wirkung im Radio gespielt werden und wären kommerziell bestimmt wahnsinnig erfolgreich (vielleicht keine so großen Hits wie frühere Tracks, aber zumindest tendenziell in diese Richtung gehend). Doch auch "Save as Draft" und "Into Me You See" könnten als emotionale Balladen funktionieren und Anerkennung - sowohl von Fans, Pophörern und Kritikern - bekommen. "Save as Draft" wirkt dabei total authentisch und sehr pur, wahrscheinlich aufgrund der wenigen Bearbeitung von Katys Stimme, "Into Me You See" könnte dagegen auch in einem Disneyfilm laufen - und wer bitteschön mag keine Disneyfilme? :D


Doch bei all den positiven Worten zu diesen Tracks, gibt es auch einige, in die finde ich irgendwie nicht rein. Diese liegen komischerweise alle hinterinander und befinden sich in der Mitte des Albums: "Déjá Vu", "Power" und "Mind Maze" sind für mich irgendwie Klangteppiche ohne jegliche Struktur, ohne Eingängigkeit und ohne den so von mir gefeierten Wiedererkennungswert einer Katy Perry. Anfangs dachte ich mir: "Na gut, das muss man vielleicht mehrmals hören, um es gut zu finden", aber auch nach mehrmaligem Durchhören sind die Songs einfach nicht my cup of tea. Und diese Tatsache hat mich als Katy Perry-Fan geschockt, mochte ich doch sonst wirklich das gesamte Album direkt nach dem ersten Hören. An die Tatsache, dass es in diesem Fall jedoch nicht so ist, musste ich mich erst gewöhnen. Etwas Wiedergutmachung fand ich dann in den Songs "Witness" und "Miss You More", die sich irgendwo zwischen den Flops und Tops des Albums einordnen und die zumindset inhaltlich und/oder emotional begeistern.

Was halte ich also von "Witness" von Katy Perry? Ich habe einen sehr gemischten Eindruck und habe tatsächlich das Verfassen dieser Rezension vor mir her geschoben. Ich wollte mir einfach gar nicht eingestehen, dass ich es hier mit dem bisher schwächsten Album einer meiner Lieblingssängerinnen zu tun habe. Doch genau das ist harte Realität. Der Sound des neuen Albums geht nicht mehr ganz so rein, Katy verliert sich an manchen Stellen in den Sound und möchte vielleicht auch etwas zu ernst, zu erwachsen und zu sehr auf eine bedeutende Message hinaus. Manchmal ist weniger eben mehr. Sowohl was die Produktion angeht als auch den Inhalt.
Andererseits erkenne ich in so vielen Songs dann doch wieder die Sängerin, die nichts andere produzieren kann als Hits: Gerade eben habe ich beispielsweise "Roulette" im Kopf und erstaunlicherweise könnte ich fast alle der oben genannten Hits ansingen, weil sie sich in meinen Hörgängen festgesaugt haben. Darüber hinaus konnte mich Katy auch mal wieder emotional so richtig erreichen wie schon mit "Thinking of You", "The One That Got Away" und "By the Grace of God", denn "Save as Draft" und "Into Me You See" sind einfach wirklich, wirklich herzzereißend schön. Insgesamt kann ich da dann einfach keine 3 Sterne vergeben, dafür sind genannte Songs viel zu gut. Und 5 eben nicht, weil es das deutlich schlechteste Album bisher ist. Tja und vier Sterne wäre natürlich schön, sind es für mich aber auch nicht ganz. Wohl dann eher 3, 5 Sterne. Obwohl mich auch diese Bepunktung nicht zufriedenstellt, denn eigentlich wären es etwas mehr. The struggle is real. Dennoch: Für Fans bestimmt an vielen Stellen toll, weil neues Material, für den Nicht-Fan, aber Pophörer, dürfte es an manchen Stellen merkwürdig werden - dann einfach überspringen wie ich bei meinen mittleren Tracks. Solltet ihr euch also für die LP interessieren, habt diesen Satz im Hinterkopf - ich habe euch gewarnt :D


+++ Update nach ein paar Wochen des Anhörens +++
Was soll ich sagen? Mein zwiegespaltenes Gefühl bleibt wohl weiterhin bestehen, jedoch muss ich sagen, dass ich mir das Album so oft anhöre, dass die 3,5 Punkte gar nicht mehr gerechtfertigt sind. Wahrscheinlich würde ich jetzt glatte 4 Sterne vergeben - denn außer die Songs "Power" und "Mind Maze" höre ich mir tatsächlich jeden Song sehr, sehr gerne an und habe meinen Spaß mit der Platte. Wahrscheinlich liegt diese Entwicklung daran, dass man einfach was anderes erhalten hat, als zuvor: Vorher waren die Alben einfach so großartig, verschieden und fürs Radio gemacht, dass man sich einfach verlieben musste. "Witness" dagegen hat einen einzigen Sound, mit dem er experimentiert und welches die Sängerin auch in den unterschiedlichsten Varianten präsentiert - daran muss man sich, nach den Stilmixen der drei vorherigen Alben, etwas gewöhnen, weshalb einem das Ohr eventuell einen Streich spielt und es zunächst als "unausgeglichen" abtut. Gewöhnt man sich allerdings an genau diese Tatsache, nämlich dass es nun mal nur einen Stil gibt, der hier präsentiert wird, dann hat man auch seinen Spaß damit. Wer das nicht schafft, wird enttäuscht sein - leider! Was sagt das jetzt über Katy Perry? Vielleicht, dass sich die Sängerin einfach mal ausprobieren wollte. Das führt nun mal dazu, dass es von manchen gefeiert und von anderen ebenso gehasst wird. Damit muss man leben. Und hey: Dass Katy Hits kann, das weiß ja wohl jeder ;-)

© Capitol Records
P. S.: Übrigens geht Katy Perry ab September auf große Welttournee und macht dabei im nächsten Jahr auch in Deutschland Halt: So wird die Sängerin am 23. Mai 2018 in Köln zu bestaunen sein als auch am 6. Juni 2018 in Berlin - wer Lust hat darf gerne vorbeischauen, ich war bereits bei ihrer letzten Tour in München und war einfach nur begeistert von den Livequalitäten und der unglaublichen Show! Deshalb bin ich auch in Berlin am Start. Wer noch? (: 

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