#LIVE-Leseeindruck: "Wie der Wind und das Meer" von Lilli Beck

Herzlich Willkommen zu einem neuen Leseeindruck!
Diese Beiträge machen mir immer unheimlich viel Spaß, weil sie nicht ganz so förmlich sind, wie reguläre Rezensionen und weil ich immer wieder Feedback von Lesern zu den unterschiedlichsten Büchern bekomme, die meine Leseeindrücke gelesen habe und sich dann das Buch besorgt haben oder die während des Lesens dann meine Beiträge nachgelesen haben - und das finde ich immer ganz spannend, denn so entsteht ja dann quasi eine Leserunde und zwar immer dann, wenn ihr es wollt (: Wenn ihr also irgendwie mal über eine dieser Beiträge stolpern solltet und daraufhin das Buch lest, dann kontaktiert mich doch gerne hier, über Facebook oder Instagram - ich finde eure Geschichten dazu immer ganz spannend (: Jetzt allerdings zum Buch: Ich lese seit zwei Tagen meinen nunmehr 3. historischen Roman mit dem Namen "Wie der Wind und das Meer" von Lilli Beck und war schon nach dem ersten Kapitel so verliebt, dass ich sofort an einen #LIVE-Leseeindruck denken musste - und den erhaltet ihr jetzt!

© Blanvalet Verlag

Es geht um "Wie der Wind und das Meer" von Lilli Beck aus dem Blanvalet Verlag. Das Buch erschien am 18. September 2017 und ist der 2. Historische Roman der Autorin. Vorher hatte sie, ebenfalls im Blanvalet Verlag, "Glück und Glas" veröffentlicht, dass eine ähnliche Aufmachung hatte - allerdings kannte ich das Buch bis dato nicht. Sollte mir "Wie der Wind und das Meer" gut gefallen, gäbe es also noch Material für danach :D Für alle, denen das Buch noch gar nichts sagt, habe ich jetzt den Klappentext laut Amazon kopiert, allerdings gebe ich euch einen Tipp: LEST IHN BITTE NICHT! Ich finde er verrät zu viel und nimmt einen so die Überraschung bzw. die emotionale Involviertheit. Aber im Endeffekt müsst ihr das entscheiden.

»Halt dein Gesicht in den Regen, jeder Tropfen ist ein Kuss von mir ...«

München, April 1945. Nach einem verheerenden Fliegerangriff irrt der elfjährige Paul mit einem Koffer durch die Trümmerlandschaft. Auf der Suche nach einem Versteck trifft er auf ein kleines Mädchen. Sie heißt Sarah, hat wie er ihre Familie verloren – und sieht Pauls Schwester verblüffend ähnlich. Um in der verwüsteten Stadt nicht allein zu sein und von den Behörden nicht getrennt zu werden, schließen Paul und Sarah einen Pakt: Von nun an werden sie sich als Geschwister ausgeben. Ihr Plan geht auf. Doch wie hätten sie ahnen können, dass Jahre später ihre Notlüge ihr Verhängnis werden würde – und dass sie sich würden verstecken müssen, um sich lieben zu dürfen …

Kurz zusammengefasst OHNE Spoiler: Wir befinden uns im Jahr 1945 und erleben die gerade beginnende Nachkriegszeit. Dabei begleiten wir Paul und Sarah und lernen ihre gemeinsame Geschichte kennen (später verrate ich im 1. Leseabschnitt etwas mehr). Außerdem findet wohl auch ein zeitlicher Sprung in die 80er Jahre statt (zumindest glaube ich mich an dieses Detail zu erinnern) und genau das hat auch mein Interesse geweckt: Ich liebe es, die Entwicklung von Figuren über Jahre hinweg zu entdecken und so einen Einblick in ihr Leben zu erhalten. Genau das erhoffe ich mir von der Geschichte und bin gespannt, ob sie mir das auch liefern wird.

© Blanvalet Verlag
Dieser Beitrag ist SPOILERFREI!
Ich werde die Handlung der ersten Seiten nur kurz wiedergeben, ihr braucht also keine Angst haben, dass ich euch zu viel verrate (:

Etappe 1: S. 9 bis 49
Der erste Abschnitt ist geschafft, vier Kapitel sind gelesen und OH MEIN GOTT! Bereits das erste Kapitel hat mich zu Tränen gerührt und mich unfassbar in den Bann gezogen. Wir lernen Paul kennen, der gemeinsam mit seiner Familie in einem Gemeinschaftsbunker verharrt, da es einen Bombenangriff über München gibt. Wir erfahren von seiner Flucht aus Pommern in die bayerische Hauptstadt und lernen dabei auch die Familienverhältnisse kennen. Dabei hat man sofort eine emotionale Bindung zu der Figur und seiner Familie und ist sofort in der Geschichte. Auf den nächsten Seiten erfahren wir, dass Paul, zumindest scheint es so, als einziger den Bombenangriff im Bunker überlebt hat. Es folgen beeindruckende und sehr authentische Beschreibungen der Trümmerlandschaften, woraufhin wir Sarah kennenlernen und sich die Geschichte zwischen den beiden entfaltet. Mehr verrate ich jetzt nicht, da ich sonst spoilere und das möchte ich nicht. Bis jetzt kann ich sagen, dass ich total beeindruckt bin, denn ich habe wirklich das Gefühl im Jahr 1945 zu sein und die Geschichte hautnah mitzuerleben. 

Dazu trägt wohl auch der Schreibstil bei, der mir persönlich sehr sachlich erscheint, allerdings in den richtigen Momenten auch emotionale Ausführungen zulässt. Dabei schafft es die Autorin auch die bayerische Ausdrucksweise und Kultur authentisch rüberzubringen und so den Figuren auch diese liebenswürdige Art zu geben - ich kann es schwer in Worte fassen, finde das aber unglaublich gut. Dabei ergänzen sich sich Handlung, Schreibstil und Figuren bisher perfekt. Die Story ist handlungsreich, wird unglaublich gut beschrieben und weist Figuren auf, die eigen und dennoch liebenswert sind. Was will man mehr, oder? Bis jetzt also ein voller Erfolg (: Sollte mir die Geschichte bis Ende so überzeugen wie jetzt, dann wäre das mein dritter Erfolg im historischen Genre hintereinander - scheint meins zu sein, oder? :D

Etappe 2: S. 50 bis 103
Etappe 2 folgte gleich hinterher und ich bin so überrascht von der Geschichte, weil sie doch sehr überraschende Wendungen aufweist. Gleichzeitig habe ich auch hier wieder meinen Eindruck bestätigt bekommen: LEST DEN KLAPPENTEXT BITTE NICHT! Er spoilert so sehr und reicht bis circa Seite 80 - viel zu viel, meiner Meinung nach. Wie dem auch sei, ich dachte ich wüsste, wo die Geschichte hinausläuft, allerdings hatte ich ja keine Ahnung. Nach ungefähr 40 Seiten kam es ganz anders und jetzt sitze ich hier und denke mir die ganze Zeit: "Wie löst die Autorin das nur?". Ich weiß es immer noch nicht, bin allerdings sehr gespannt, es folgen ja noch knapp über 400 Seiten. Ich bin es ja gewohnt, Jugendbücher zu lesen und ab und an sind die Themen ja sehr simpel oder zumindest oft ähnlich. Was ich an historischen Romanen so sehr liebe, ist die Tatsache, dass man in eine ganz komplexe Welt hineingezogen wird, die meist tatsächlich so stattgefunden hat und deshalb umso beeindruckender ist. Man braucht so viel Wissen, so viel Recherche und so viel Liebe für die Zeit, die Themen und die Ereignisse, dass es als Leser einfach unglaublich schön ist, wenn man in so ein Buch reinliest und sofort gefangen ist (:

Ich melde mich nach meinem 3. Leseabschnitt und gehe dann auf weitere Aspekte genauer ein. Der Schreibstil lässt sich immer noch flüssig lesen, gerade sind wir aus einer Comfort Zone raus und stehen wieder vor neuen Herausforderungen - sehr, sehr spannend und für mich ein toller Einblick in damalige Verhältnisse. Man kennt diese Zeit ja scheinbar ausreichend vom Schulunterricht, der sich gefühlt nur diesem Thema widmet (was natürlich Quatsch ist, nur ist das wahrscheinlich am präsentesten bei uns), dennoch geht es hier sehr viel tiefer und wird - dank der hervorragend ausgearbeiteten Figuren - sehr viel persönlicher. Ihr kennt das: Man redet über ein Thema und scheint, alles verstanden zu haben, wenn man dann aber individuelle Schicksale kennenlernt (auch wenn sie fiktiv zu sein scheinen), dann stellt man schnell fest, dass man gar nichts weiß. Wenn diese Erkenntnis schon nach 100 Seiten kommt, dann bin ich sehr gespannt auf mein Schlussfazit.

Etappe 3: S. 104 bis 201
Unglaublich, wohin einen das Buch alles mitnimmt, ich hatte mit einem völlig anderen Verlauf gerechnet und bin deshalb immer noch überrascht, wie sich alles entwickelt. Gleichzeitig auch teilweise überwältigt, weil eben so viel passiert - allerdings möchte ich mich gar nicht beschweren, schließlich führt ein rasanter Plot dazu, dass man nicht aufhören kann zu lesen. Das trifft auch hier wieder zu, denn Lilli Beck erzählt wirklich eine sehr dramatische und gleichzeitig realistische Geschichte, die mich immer noch zu Tränen rührt und mir ab und an auch das Herz schneller schlagen lässt. In der Mitte dieser Etappe hatte ich zwar Angst, es könnte jetzt etwas langweilig werden, weil die Autorin sich so auf ein Thema versteifte, allerdings hat sich das schnell geändert und ich war ziemlich erleichtert darüber, dachte ich doch ein paar Seiten lang, dass es jetzt zu einer unnötigen Länge in der Geschichte kommen würde. Falsch gelegen und ich bin mit der Geschichte bis dato sehr zufrieden, auch wenn sie, wie bereits erwähnt, in eine völlig andere Richtung geht, als erwartet.

Dabei imponieren mir immer noch besonders zwei Dinge: Zum einen ist es der Schreibstil, der sich total flüssig lesen lässt und etwas sehr Poetisches hat, zumindest an den passenden Stellen. So kommt der Buchtitel "Wie der Wind und das Meer" an mehreren Stellen vor und wird großartig eingesetzt, aber auch andere sprachliche Besonderheiten führen dazu, dass ich emotional total involviert bin und teilweise Gänsehaut bekomme. Das rechne ich der Autorin hoch an und bin deshalb auch sehr an ihrem anderen Roman "Glück und Glas" interessiert, denn der Schreibstil sollte sich ja von dem hier nicht allzu sehr unterscheiden, oder? Zum anderen ist es die Ausarbeitung der Charaktere. Mit wie viel Liebe Lilli Beck diese beschreibt und sie zum Leben erweckt, ist einfach was ganz Besonderes und führt dazu, dass ich mich total wohl mit ihnen fühle. Besonders Paul und Sarah sind mir ans Herz gewachsen. Ich zittere mit ihnen mit, weine wenn sie weinen und lache wenn sie lachen. Total schön, sag ich euch! Bis jetzt also ein wirklich großartiger Lesespaß, bei dem die Seiten nur so verfliegen. So kann es gerne weiter gehen (:

Etappe 4: S. 202 bis 301
Was für eine Achterbahnfahrt! Die Reise geht weiter und ist jetzt an einer Stelle angekommen, die so wirklich gar nicht in meinem Kopf war. Was für eine Recherchearbeit die Autorin dabei leisten musste ist wirklich bemerkenswert, denn sie beschreibt die Zeiten tatsächlich so, als wäre sie selbst anwesend gewesen. Wer also nach einem Einblick in die unterschiedlichen Jahrzehnte seit dem 2. Weltkrieg erhalten möchte, macht mit diesem Buch definitiv nichts falsch. Dabei werden nicht nur harte Fakten heruntergeratert, sondern eine emotionale Beziehung zu den Umständen und der Umwelt geschaffen. In der Schule hört man ja im Geschichtsunterricht immer wieder von den Zuständen, sie aber persönlich und intensiv mitzuerleben ist dann noch mal eine ganz andere Nummer! Dabei beschreibt die Autorin einerseits so detailliert, dass ich mir bestens vorstellen kann, was die Figuren tragen, wie ihr Umfeld aussieht und was sie sehen, andererseits hält sie sich aber nicht damit auf, zu sehr auszuschmücken. Das gefällt mir recht gut, denn Details ja, aber bitte auf interessante Art und Weise.

Immer noch sticht mir der Schreibstil und die Charaktere ins Auge, nur eine Sache stört mich etwas: Wie bereits erwähnt, begleiten wir die Figuren in den unterschiedlichsten Jahrzehnten: Angefangen im Jahr 1945, als der Krieg gerade zu Ende geht, geht es dann weiter in die 50er Jahre und mittlerweile befinden wir uns in den 60ern. Das ist toll, da man, wie schon gesagt, einen tollen Einblick in die verschiedenen Zeiten und deren Zustände erhält, andererseits distanziert es einen aber auch ein wenig von den Figuren. Die Autorin arbeitet die Beziehung zwischen Paul und Sarah super heraus, lenkt den Plot dann in Richtung eines Problems und wenn dieses dann den Höhepunkt erreicht - tja, dann ist ein Cut und wir springen teilweise fünf Jahre. Dabei möchte ich eigentlich nicht springen, sondern vielmehr den Schmerz und die Umstände gemeinsam mit den Figuren erleben. Dramaturgisch ist das natürlich gut gemacht, weil man wissen will, wie es den Figuren mit gewissen Dingen ergeht, allerdings wird dann bloß in wenigen Sätzen zusammengefasst, wie das Problem gelöst wurde. Aus Autorensicht bestimmt wunderbar gemacht, aber für mich als Leser sind die Sprünge manchmal falsch gesetzt und tragen nicht zur Beziehung zwischen mir und den Figuren bei. Sie distanzieren mich eher. Bis jetzt ist es ganz okay und ich komme damit klar, allerdings hoffe ich, dass es dennoch ein emotionales Finale geben wird, durch das ich gemeinsam mit den Figuren gehe und miterlebe - fingers crossed!

Etappe 5: S. 302 bis 468
Nach einer langen Lesenacht habe ich "Wie der Wind und das Meer" beendet und war dann nach Abschluss tatsächlich emotional total gerührt, musste sogar eine Träne verdrücken. Die Geschichte besticht durch ihren sehr flüssigen Schreibstil, den wunderbar authentischen Figuren und einem grandiosen Setting! All das zieht sich bis auf die letzte Seite und liefert so einen wirklich guten historischen Roman. Leider hat er mich nicht völlig mitgenommen und das liegt nur an einer einzigen Sache: Dem Aufbau. Wie bereits in der vorherigen Etappe gesagt, mochte ich die vielen Zeitsprünge anfangs recht gern, gegen Ende wurden sie mir aber zu viel. Denn immer dann, wenn es spannend oder kompliziert wurde, gab es einen solchen Sprung und man war auf einmal völlig losgerissen von den Figuren und musste sich dann erst wieder an die neue Situation gewöhnen. Zwar hatte ich das Gefühl, dass die Autorin jede Zeitepoche sehr gut dargestellt hat, hier wirklich ein großes Kompliment für die Darstellung der gesellschaftlichen Sichtweise und deren Probleme, allerdings führte das dazu, dass man keine so intensive Bindung zu den Hauptcharakteren Paul und Sarah mehr hatte. Am Ende fühlte ich mich sogar etwas distanziert, obwohl ich dennoch emotional mitgenommen war, was nur daran gelegen hat, dass ich am Anfang so stark mit ihnen sympathisiert habe. Nicht mit ihren erwachsenen Ichs, sondern tatsächlich mit den Kindern, die sich in einem solch verzweifelten Moment am Ende des 2. Weltkriegs kennengelernt habe. Ich finde, dem Buch hätten 100 Seiten mehr nicht geschadet, damit man die angesprochenen Probleme auch ausreichend darstellen und durchleben kann und nicht ständig aus deren Leben rausgerissen wird. Das ist wirklich mein einziger Kritikpunkt, denn alles andere hat mir wirklich sehr, sehr gut gefallen. Lilli Beck schreibt unheimlich gut, liefert Fakten, baut aber auch eine emotionale Beziehung auf und stellt die Zeiten, in denen das Buch spielt, großartig dar - ich werde gleich in die Leseprobe zu "Glas und Glück" reinlesen und hoffe, die Geschichte nimmt mich auch gleich so mit.

Eine ausführliche Rezension folgt natürlich noch, bis dahin danke ich euch für's Mitlesen und kann jetzt schon verkünden, dass es wahrscheinlich ab Freitag einen neuen #LIVE-Leseeindruck geben wird, diesmal zum Jugendbuch "Vom Suchen und Finden" von Kennth Oppel. Warum das Buch etwas ganz besonderes sein soll, wie ich darauf aufmerksam wurde und wie es mir letztendlich gefällt, erfahrt ihr dann im nächstne #LIVE-Beitrag - stay tuned (:

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Auf listen by Lenny. präsentiere ich euch alles, was mich bewegt, mich interessiert und beschäftigt. Ich teile mit euch all meine Vorlieben - sei es Musik, Eurovision, Bücher oder andere Bereiche des Lifestyles - ich berichte darüber! Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr mir ein "Gefällt mir" auf Facebook da lasstmir auf Instagram ein Abo schenktmich auf Google+ hinzufügt und meinem Blog folgt (:

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