Album-Rezension: "Doppelleben" von Elif

Elif ist für mich eine Ausnahmekünstlerin. Bereits seit ihrer Teilnahme bei Popstars im Jahr 2009 begeistert sie mich mit ihrer Stimme, ihrer Erscheinung und ihrer ganz eigenen Art. Als sie dann im Jahr 2013 ihr Debüt "Unter meiner Haut" präsentierte, war ich einfach hin und wenig. Gefühlvoll, intim, speziell und mit einer unverwechselbaren Persönlichkeit zeigte Elif, wie sie sich als Künstlerin sieht und welche Musik sie machen möchte. Songs wie "Unter meiner Haut", "Baba", "Ich bin da" und "Feuer" zählen heute noch zu meinen Lieblingssongs und das dazugehörige Album wird immer noch sehr gerne gehört und mitgefühlt. Zusätzlich lieferte mir Elif mein Konzert-Highlight 2017: Auf ihrer "Auf halber Strecke - Akustik Tour" überzeugte sie mich mit ihrer zuckersüßen Art und Songs, die live noch viel mehr berühren als auf CD - dass das überhaupt möglich ist, hätte ich NIEMALS gedacht. Schon auf der Tour präsentierte Elif neue Songs und nun war es am 26. Mai 2017 so weit: Ihre zweite Platte "Doppelleben" feierte Prämiere und wurde deutschlandweit veröffentlicht. Ob sie mich mit dieser ebenso überzeugen kann wie mit ihrem Debüt?

© Vertigo Berlin/Universal Music Group


Bereits bekannt sind die Songs "Auf halber Strecke", "Doppelleben", "Fort Knox" und "Anlauf nehmen". Diese veröffentlichte Elif vorab als Singles und was soll ich sagen? Sie könnten wirklich unterschiedlicher nicht sein. "Auf halber Strecke" ist für mich ein Track, der live besonders mitreißt und der diesen Singer-Songwriter-Charme hat, bei dem man Elif sofort ins Herz schließt, wenn man es nicht eh schon getan hat. Müsste ich ihn mit einem Wort beschreiben, würde ich wohl authentisch verwenden. "Doppelleben" ist das auch, zeigt aber irgendwie nochmal eine persönlichere Seite der Sängerin. Der Track richtet sich direkt an ihre Eltern und spricht von Problemen und all jenen Facetten. die man eigentlich vor seinen Eltern geheim hält, aber eben auch die Person, die diese vorzuweisen hat, ausmachen. Elif steht in einem Konflikt mit sich und entscheidet dann, all ihre Seiten offen zu zeigen - damit die Beziehung zu ihren Eltern so ehrlich und persönlich sein kann, wie nichts anderes auf der Welt. Ergreifend, einfach nur ergreifend. Wer dagegen einen sommerlichen Pop-Rock-Song haben will, der macht mit "Fort Knox" nichts verkehrt: Ein SUPERSÜßER Text gepaart mit einem Radiosound, den man so vom Debüt noch nicht kannte und der auch live gezündet hat. Und wer es doch nochmal emotional mit Herzschmerz möchte, der sollte mal ins Video zu "Anlauf nehmen" reinschauen. Hier zeigt sich Elif ungewohnt elegant und überzeugt nicht mit großer Produktion, sondern mit einem ergreifenden Text. Gänsehaut ist so vorprogrammiert.


Doch natürlich besteht das Album aus mehr als nur den zuvor veröffentlichten Songs. Wirklich jeder Track hat seine eigene Magie, überzeugt durch andere Facetten und trägt so zum Album insgesamt bei. Der Track "Umwege gehen" hatte mich ab der ersten Sekunde und wurde sogar gleich beim Refrain mitgesungen - keine Ahnung, warum ich den Text kannte, aber ich hatte sofort das Gefühl, ich würde diesen Song kennen, obwohl ich ihn vorher nicht gehört habe. Und auch nach mehrmaligen Hören war klar: Irgendetwas verbindet mich mit dem Stück und macht es zu einer Herzenssache für mich. Ebenso beeindruckt war ich auch von "Schwarz, weiß, grau", obwohl ich hier gar nicht so emotional berührt war, sondern eher fasziniert von der Tatsache, wie gut das Lied komponiert ist. Die Strophen bauen sich stimmungsvoll auf, der Refrain zieht noch einmal an und dann kommt es zu der perfektesten musikalischen Stelle des Albums: Elif singt den Titel und ich kriege Gänsehaut, weil alles so perfekt miteinander harmoniert. So etwas habe ich schon lange nicht mehr erlebt. Und nicht nur diese beiden Songs haben es mir angetan: Jeder Track hat etwas ganz Besonderes. "So leicht" hat einen sehr eingängen Refrain, "Schön, dass es dich gibt" treibt mir, ähnlich wie "Danke" auf dem Debüt, Tränen in die Augen, "Wo bist du?" klingt anders als alles vorherige, "Panoramablick" möchte ich am Strand hören, "High 5" kann praktisch ab sofort rauf und runter im Radio laufen, "In deinen Augen" klingt nach einem Neubeginn und "Du hast einen Platz" bildet einen perfekten, hoffnungsvollen Abschluss der LP.


Elif hat es wieder geschafft: Sie hat ein absolut stimmungsvolles Popalbum kreiert, welches aber gänzlich auf aktuelle Mainstream-Sounds verzichtet. Stattdessen präsentiert sie eigene Sounds, wunderschöne und sehr tiefgängige Geschichten und Songs mit Gänsehautfaktor. Besonders gut gefallen mir die orientalischen Einflüsse, die man besonders im Titeltrack hört, aber auch am Intro "Daduk", welches nur aus einer Klavierbegleitung besteht, dennoch aber einen großen Sinn erfüllt: Er stimmt auf die Platte ein und zeigt, dass wir uns gerade etwas sehr besonderes anhören. Keine Chartmusik, keine Massenware, sondern eine Künstlerin, die sich selbst sucht, sich in einigen Dingen definitiv findet und in anderen immer noch auf der Suche ist. Elif präsentiert sich reifer, erwachsener, aber immer noch mindestens genauso gefühlvoll wie auf ihrem Debüt, wenn nicht sogar noch viel mehr als das. Und dafür kann es von mir nichts anderes als die volle Punktzahl geben. Nichts anderes hat dieses ganz besondere Album, gesungen und geschrieben von einer ganz besonderen Künstlerin verdient. Weiter so, liebe Elif, wir sehen uns auf dem nächsten Konzert <3



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