Buch-Rezension: "Cavaliersreise" von Mackenzi Lee

© Carlsen Verlag
Titel: Cavaliersreise
Autorin: Mackenzi Lee
Verlag: Carlsen
Seiten: 496
Ausgabe: Gebunden
Auflage: 1
Erscheinungstermin: 24. März 2017
Preis: 19,99 €
ISBN-10: 3551560382
ISBN-13: 978-3551560384
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Klappentext laut Amazon:
Gab es je ein abschreckenderes Beispiel für junge Bildungsreisende als Sir Henry Montague? Nach Montys Cavaliersreise wird der englische Adel seine Sprösslinge bestimmt nie wieder auf den Kontinent schicken! Irgendwie ist Monty immer in eine Tändelei verwickelt oder betrunken oder zur falschen Zeit am falschen Ort nackt (in Versailles! Am Hof des Königs!). Zwischen Paris und Marseille verlieren Monty, Percy und Felicity auch noch ihren Hofmeister, kämpfen gegen Wegelagerer und Piraten, gegeneinander (Monty und Felicity) oder gegen ihre Gefühle füreinander (Monty und Percy). Aber am Ende dieser abenteuerlichen Reise finden sie alle drei nicht nur zueinander, sondern auch zu sich selbst.

Meine Meinung:
Das Buch wurde mir vom Verlag zugeschickt - ein herzliches Dankeschön dafür (:


Auf der Leipziger Buchmesse hatte ich u. a. aufgrund meiner Blogger-Freundin Mella von Book-Angel einen Termin beim Carlsen Verlag und da kamen wir auch auf den Königskinder Verlag zu sprechen, Der Verlag im Verlag sozusagen, möchte Jugendbücher mit einer ganz speziellen und besonderen Note präsentieren, die ernsthafte, sehr persönliche, historische und aktuelle Geschichten erzählen und dem Leser sofort unter die Haut gehen sollen. Ich war von dem Programm und dem Aufbau des Verlags total fasziniert und ließ mir mehr erzählen. Bei den Königskindern gibt es immer ein Überthema, welches durch verschiedene Bücher thematisiert wird. Und dieses Mal ist das Thema Zweisamkeit - dazu präsentiert der Verlag fünf Bücher, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Eines davon habe ich nun vom Verlag zugeschickt bekommen und stürzte mich quasi sofort in die Geschichte von "Cavaliersreise", denn bereits der Klappentext ließ erahnen: Das ist ein Buch für mich!

Monty ist ein Gentleman. Also eigentlich. Auf dem Papier. Denn in der Realität tut er eigentlich nur eins: Feiern. Spaß haben. Und ab und an Frauen umgarnen. Oder vorzugsweise: Männer. Als seine Familie das jedoch herausfindet, schickt sie ihn auf Cavaliersreise, um Monty an seine Pflichten als Lord und Gentleman zu erinnern. Er soll gesellschaftliche Kontakte knüpfen, kulturelle Sehenswürdigkeiten sehen und langsam an eben jene Pflichten herangeführt werden. Auf der Reise begleitet ihn seine Schwester Felicity und Monty's bester Freund Percy. Doch eigentlich ist dieser so viel mehr als nur ein Freund. Monty gesteht sich seine Gefühle zu Percy rasch ein, doch ist eine gleichgeschlechtliche Liebe im 18. Jahrhundert überhaupt möglich oder endet die Geschichte so tragisch wie einst Romeo & Julia?

Das Buch lieferte mir eigentlich alles, was mir gefällt: Ein historisches Setting, verrückte, aber dennoch sympathische Figuren und eine Liebe, die unter keinem guten Stern steht. Besonders die Beschreibung der Beziehung zwischen Monty und Percy hat mir hier sehr gut gefallen, denn es ist immer schwierig über gleichgeschlechtliche Liebe zu schreiben, ohne in Klischees zu denken. Die Autorin schafft es allerdings, dass man gar nicht über den Aspekt der Gleichgeschlechtlichkeit nachdenkt, sondern als Leser immer nur zwei Personen wahrnimmt, die einander wichtig sind - ob daraus dann mehr entsteht, verrate ich natürlich nicht, denn dazu muss man das Buch selbst lesen. Es lohnt sich allerdings dran zu bleiben, denn über die Geschichte hinweg erfährt man sehr viel über die Gesellschaft, den Adel und die Gedanken der beiden Figuren - nicht nur zum Thema Homosexualität.

Überhaupt war die Skizzierung der Charaktere einfach nur großartig: Monty, der leichtsinnig und sehr oft unüberlegt handelt, ist einem sofort ganz nah, was dazu führt, dass man ihn eigentlich vor der großen, gefährlichen Welt beschützen und für ihn eintreten möchte, wenn mal etwas nicht so läuft wie geplant und er deshalb Ärger bekommt. Ganz anders dagegen Percy: Dieser überzeugt durch seine ruhige, sehr überlegte und höffliche Art und hat dadurch bei mir große Pluspunkte gesammelt, auch wenn er ab und an doch zu emotional reagierte. Und auch Felicity, die mir am Anfang so gar nicht gefallen wollte, mausert sich während des Buches zur starken, eindrucksvollen und emanzipierten Frau, was unter den Umständen betrachtet, bei mir wirklich für Gänsehaut gesorgt hat. Ihre Entwicklung ist wahrscheinlich mit einer der stärksten, die man als Leser wahrnimmt und die man so am Anfang gar nicht erwarten konnte.

Zu der Stimmung des Buches trägt auch die verwendete Sprache bei: Die Autorin schafft nämlich einen guten Mix aus der Sprache des 18. Jahrhunderts und aktuellen Ausdrücken, was dazu führt, dass man einerseits durchaus merkt, in welcher Epoche man sich befindet, andererseits aber auch nicht das Gefühl hat, alles wäre total altbacken und unmodern. Durch diesen Stil bringt sie damit dem Leser die Epoche näher, ohne sich dabei in einer Sprache zu verlieren, die als anstrengend wahrgenommen werden könnte. Diese Leistung gebührt wirklich viel Respekt, denn das so hinzubekommen, stelle ich mir sehr schwer vor - deshalb großen Applaus für die Autorin und die Übersetzerin Gesine Schröder!

Cover: © Carlsen Verlag

Mein Fazit:
Ich sag's wie's ist: Ich bin verliebt. In einen Verlag. In die Geschichte. Und in die Figuren. Die "Cavaliersreise" überzeugt mit ihrer Handlung, dem Setting und den Figuren - doch besonders durch einen Punkt: Den Gefühlen. Denn ich habe jede einzelne Szene, jedes Abenteuer, jede Bootsfahrt und jede Party so wahrgenommen, als wäre ich dabei gewesen und als würde ich mit den Figuren mitfühlen. Ich habe geweint, war wütend und habe gelacht - Letzteres sogar des öfteren. Das Buch ist ein Abenteuerroman gepaart mit einer packenden Liebesgeschichte, die so gänzlich anders ist als alle bisher gelesenen Geschichten und die deshalb noch lange in mir nachhallen wird. Wer also nach einem ganz besonderen Buch sucht, der macht wohl mit der "Cavaliersreise" von Mackenzi Lee nichts falsch.

Während des Lesens habe ich mich ständig gefragt, ob ich das Buch einem Jugendlichen empfehlen würde. Und bin zu einer deutlichen Antwort gekommen: Ja. Denn die Geschichte bietet viele unterschiedliche Aspekte, die greifen können: Abenteuer, Humor, Liebe und Gefahr. Hinzu kommen dann noch gesellschaftliche Themen, die reflektiert und diskutiert werden können und müssen. Daher würde ich nicht nur einfach das Buch weiterschenken, sondern den Eltern bzw. Erziehungsberechtigten empfehlen, es gleich mitzulesen - denn so wird das Buch zur Lektüre für die ganze Familie, über das dann gemeinsam reflektiert werden kann. Deshalb gibt es von mir auch 5 von 5 Sterne und damit für mich ein klares Lesehighlight in den vergangenen Wochen.

P. S.: Was soll nur mein nächstes Königskind werden? Ich kann mich einfach nicht entscheiden :D

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Kommentare:

  1. Hey Benni,

    sehr cool das dir das Buch genauso gut gefallen hat wie mir. Cavaliersreise war auch mein erstes Köki :-) Und als nächstes werde ich aus dem Verlag Barney Kettles bewegte Bilder lesen. Ich weiß auch gar nicht so recht welches Buch ich dir empfehlen soll, da mich vom Klappentext her (fast) alle Bücher aus dem aktuellen Programm ansprechen. :-D

    Liebe Grüße
    Sandra

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    1. Liebe Sandra,

      Cool, dass das Buch auch dien erstes Königskind war :D Ich schwanke. Mich interessiert gerade der Koffer oder Freitag... beide Geschichten haben es mir angetan. Aber du hast recht, alle Bücher aus dem aktuellen Programm klingen ganz wunderbar <3

      Liebe Grüße zurück,
      Benni

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  2. Dann solltest du dir älteren Programme auch anschauen.
    Mir hatte es letztes Jahr 'Der Geruch von Häusern anderer Leute' überraschend angetan und mir das Gefühl gegeben live bei allem dabei zu sein.
    Gerade lese ich 'Annähernd Alex' und wieder schafft es das Buch mich direkt rein zu ziehen.
    Die Königskinder können einfach nur geniale Bücher :)

    Habe deinen Blog übrigens gerade
    Entdeckt und es gefällt mir hier gut.
    Du wirkst sehr sympathisch:)

    Liebe Grüße deine Shou

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    1. Ich muss mich da wirklich mal reinfuchsen und mir auch die älteren Programme anschauen (: Deine angesprochenen Bücher merke ich mir au falle Fälle (:

      Danke dir, schön, dass du da bist (:

      Liebe Grüße,
      Benni

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