#LIVE-Album-Rezension: "Zwischen den Sekunden" von Alexa Feser

Seit 2014 begleitet mich diese Sängerin mit ihrem Werk "Gold von Morgen", welches durch den ESC-Vorentscheid 2015 erst so richtig durch die Decke ging. Mit der Platte hielt sich Alexa Feser 16 Wochen in den deutschen Album-Charts und erreichte dabei eine Spitzenposition von 19. Auch die Vorentscheidssingle "Glück" konnte sich in den Charts platzieren und Alexa tourte mit der CD durch ganz Deutschland - und das nicht nur einmal! Läuft, würde ich sagen, denn für einen neuen Act ist es ganz schön schwierig eine solche Aufmerksamkeit zu erreichen. Seitdem arbeitet die Sängerin, die in Berlin wohnt, an ihrem 2. Studioalbum und nun, nach ein paar Verschiebungen des Erscheinungstermins, folgt genau das mit dem Namen "Zwischen den Sekunden". Alexa hat hart gearbeitet und präsentiert uns nun 13 neue Songs, fünf davon gibt es dann als Akustik Piano Version noch oben drauf. Bereits bekannt sie die Singles "Medizin" und "Wunderfinder" als auch die Akustik Version des Songs "Mensch unter Menschen", die mir allesamt total gefallen und die bei mir für Gänsehaut und/oder mitsingen und mitwippen sorgen. Ein sehr schönes Paket also, was uns hier präsentiert wird, weshalb ich total gespannt bin, wie dieses wohl klingt. Denn das bereits angesprochene Album "Gold von Morgen" ist für mich ein kleines Meisterwerk und zählt zu den besten deutschsprachigen Alben EVER - zumindest für mich. Hohe Erwartungen deshalb, dennoch bin ich mir sicher, dass Alexa mich begeistern wird.

© Warner Music Group Germany



Deshalb starte ich am Freitag, dem 21.04.2017, um 11 Uhr auch eine #LIVE-Album-Rezension und freue mich auf rege Teilnahme! Freut euch auf aufregende Stunden mit guter deutschsprachiger Popmusik, die authentischer nicht sein könnte.

Natürlich gibt es das Album aber auch auf jeden anderen Streamingdienst sowie als Download und CD.

1. Intro - "Zwischen den Sekunden"
Es fängt mit dramatischen Streichern an, ich fühle mich in einen Film versetzt. Als würde gleich eine dramatische Lebensgeschichte mit allen Höhen und Tiefen erzählt werden. Sehr, sehr beeindruckend, auch wenn es mit 48 Sekunden relativ kurz ist. Ich bin gespannt, was folgt.

2. "Leben"
Es fängt Alexa-typisch mit "oh oh oh"-Parts an, bevor ein hoffnungsvoller Text einsetzt, der mich sofort wieder in den Sound des ersten Albums wird. Alexa besingt das Leben mit all seinen Facetten: Trauer, Hochgefühl, Mut, Hoffnung und besonders eins: Lebensfreude. Sie singt vom Glauben daran, dass man am Ende doch dort ankommt, wo man ankommen soll. Für mich eine mitreißende Nummer, die sehr gut ins Radio passen würde und definitiv auch ein Single-Kandidat wäre. Stilistisch bewegen wir uns hier sehr nach am ersten Album, weshalb es Sinn macht, dass man den Track an den Anfang der Platte gesetzt hat.

3. "Medizin"
Es folgt die erste Single, die ich damals gefeiert habe und es eigentlich immer noch tue. Für mich ein ganz wundervoll verfasster Pop-Song, der viel mehr Aufmerksamkeit verdient gehabt hätte. Wie dem auch sei: Es ist ein grandioser Radio-Pop-Song, der besonders durch die Instrumentalisierung frisch wirkt und sich von dem bisherigen Sound, den wir von der Sängerin kennen, durchaus unterscheidet - und dennoch am Erfolgsrezept der Sängerin festhält: Eingehende, tiefgründige Texte, die wunderbar vorgetragen werden und durch die Instrumente erst so richtig in Fahrt kommen. Bei Alexa ist ja wirklich die herausragendste Eigenschaft, dass die Songs in jedem Gewand funktionieren: In der Studio-Version, in der reduzierten Piano-Version oder mit Band-Begleitung - immer wieder bekommt man Gänsehaut. Top!



4. "Straßenkind"
Wow. Damit hatte ich jetzt gar nicht gerechnet. Alexa erzählt eine emotionale Geschichte eines Straßenkinds, wobei es am Anfang scheinbar um ein solches Kind geht, allerdings wird später deutlich, dass die Geschichte komplexer wird: Da war mal ein goldener Käfig, aus dem das Kind ausgebrochen ist, bevor es Alexa kennengelernt hat. Das ist ein Song, den ich mir öfter anhören muss, um die Geschichte zu durchdringen, zu leben und vollends zu verstehen - oder für mich zu interpretieren, denn Alexa's Texte sind immer mehrdimensional und können unterschiedlich wahrgenommen werden. Bis jetzt ist für mich übrigens jeder Track Single-Material - großartig!

5. "Wunderfinder" (feat. Curse)
Nun zum erfolgreichsten Song des Albums, dieser konnte sich nämlich in den deutschen Single-Charts positionieren, eine Sache, die nur "Glück" im Jahr 2015 bisher schaffte. Ich finde ja deutschen Pop gepaart mit HipHop-Künstlern total gut, das habe ich ja bereits bei der Album-Rezension zu "Guten Morgen Freiheit" von Yvonne Catterfeld festgestellt :D Dabei besticht "Wunderfinder" allerdings nicht aufgrund der Tatsache, dass es HipHop-Elemente gibt, nein, nein, hier geht besonders der Refrain ins Ohr, weshalb man den Song eigentlich immer und immer wieder hören möchte. Und der Text: Er ist einfach nur so wahr! "Diese Welt wird für Wunder immer blinder, wenn du sie sehen kannst, bist du ein Wunderfinder" - Gänsehaut, ich sag es euch!



6. "Inventur"
Hier musste ich anfangs total an "Ich bleibe" aus dem Debütalbum "Gold von morgen" denken, weil es wie eine Geschichte aus einem Buch wirkt. Der Song ist in den Strophen sehr zurückgenommen, beschränkt sich fast nur auf den Gesang und Klavierbegleitung, im Refrain kommen dann Streicher hinzu, ab und an sind zwischendrin elektronische Elemente wahrzunehmen und Streicher betonen die Texte - das ist hier authentische Musik, die nicht nur durch die Stimmung begeistert, sondern auch durch das Handwerk. Alexa bezählt ihren Alltag, addiert alles zusammen, denkt in Zahlen, nur um festzustellen, dass das was zählt, nicht summiert und berechnet werden kann. Großartiger Text und ein sehr neuartiger Sound, trotz der Erinnerung an oben genannten Song aus dem letzten Album.

7. "Paradies im Kopf"
Der Sound scheint sich nun mehr und mehr weiterzuentwickeln. Wir hören einen marschierenden Beat, dazu wieder die "oh oh oh"-Elemente, die zwar für Alexa typisch, für mich aber hin und wieder etwas redundant und teilweise sogar nervig sind. Naja, man gewöhnt sich daran, dennoch würde ich mir hier vielleicht andere Dinge wünschen. Dennoch finde ich besonders die Idee hier schön: In einer grauen Welt, in der Menschen wie Zombies an einem vorbeigehen, bleibt der einzige Ausweg die Fantasie... eben das Paradies im Kopf. Sehr, sehr geniale Idee, das so zu beschreiben. Da verzeihe ich dann auch die Überstrapazierung der "ohs" ;-)

8. "Herz aus zweiter Hand"
Es folgt die erste Ballade, zumindest in meinen Ohren. Ich sitze hier und höre einfach nur zu. Man kann das gar nicht so richtig beschreiben, aber Alexa findet einfach wunderschöne Worte, zieht wundervolle Vergleiche und reiht diese so aneinander, dass man einfach Gänsehaut haben muss. Bis jetzt hätte man das Album auch "Wunderfinder" nennen können, denn ich habe den Eindruck, Alexa besingt die kleinen und großen Wunder des Lebens. Und hier empfehle ich nur eins: Zurücklehnen. Augen schließen. Und zuhören.

9. "Linie 7"
Eine Geschichte aus dem Alltag - so kennen wir Alexa! Allerdings ist die Produktion sehr viel moderner als noch bei Alltagsgeschichten auf "Gold von Morgen". Ich hatte gerade Tränen in den Augen. Alexa erzählt Geschichten, die sie gehört hat, als sie auf die Bahn gewartet hat. Sehr, sehr emotional und für mich bisher der absolut stärkste Song - obwohl er nicht ganz so radiotauglich ist wie viele andere. Aber das hier berührt auf einer emotionaleren, persönlicheren Eben. WOW! Einfach nur WOW! "Linie 7" ist ein Meisterwerk, was ich mir gleich nochmal anhören werde. Das mache ich normalerweise nie, aber ich muss es tun. WOW!

10. "Mensch unter Menschen"
Diesen Song kenne ich nur als Akustik-Version und bin sehr auf die Studioversion gespannt! Und auch hier ergeht es mir ähnlich wie bei "Linie 7": Ich habe Tränen in den Augen, denn ich habe, Gott sei Dank, Menschen in meinem Leben, die genau das sind: Menschen unter Menschen. Musikalisch ist hier natürlich alles viel produzierter und etwas poppiger als auf der Akustik-Version, aber das tut dem Song keinen Abbruch. Dennoch werde ich mir wohl öfter die Akustik Version anhören, denn hier kriege ich wirklich dauerhaft Gänsehaut von Anfang bis Ende. Ganz, ganz großes Kino und dadurch auch einer der stärksten Songs der Platte.

11. "Rückwärtstag"
Die Messlatte ist hoch nach zwei so außergewöhnlichen Songs. Ob "Rückwärtstag" da mithalten kann? Sagen wir so: Er ist sehr anders, da er besonders auf Rhythmus und weniger auf Melodie baut. Ich finde die Geschichte, dass ein mieser Tag rückwärts abläuft und damit zum Guten gewendet wird, sehr beeindruckend, aber auch hier stören mich, ähnlich wie bei "Paradies im Kopf" die "uh uh uh"-Elemente. Immerhin ist es "uh" und nicht mehr "oh", dennoch stört es mich hier fast mehr noch als auf dem genannten Song. Der Song ist dennoch gut und live funktionieren die Elemente wahrscheinlich super :D Dennoch nicht der stärkste Song der Platte, was nicht heißt, dass er schlecht ist.

12. "Interlude - Zwischen den Sekunden"
Es folgt: Das Orchester vom Intro. Auch das wirkt wieder sehr filmisch und rundet das Werk irgendwie ab, verleiht im gleichzeitig aber auch den besonderen Touch. Klar, es sind keine Songs, die von Alexa gesungen werden, dennoch passen sie einfach zu der Platte, weil sie eben dadurch wie ein Film wirkt. Schönes Element!

13. "Nach Norden"
Zum Schluss nun ein Song, der sich deutlich abhebt von allem bisher Gehörten. "Nach Norden" wirkt fast wie deutscher Soul und ist auch etwas dunkler im Sound, obwohl der Text immer noch genauso positiv ist wie auf allen anderen Nummern. Das hier ist ein Experiment, welches glückt: Man hört Alexa gebannt zu und auch wenn der Song nicht sofort so reingeht, wie andere Nummern, ist man beeindruckt. Schöner Abschluss, der Freiraum bietet, wie es auf dem nächsten Album weitergehen könnte. Ich bin gespannt wie man da anschließt, aber das ist ja nun wirklich Zukunftsmusik.

Cover der Alben: © Warner Music Group Germany

14. "Wunderfinder" (feat. Curse) (Akustik Piano Version)
Genau DAS meinte ich: "Wunderfinder", ein im Studio total nach Radio klingender Popsong, funktioniert reduziert auf Piano und die Stimmen der Künstler total und wirkt hier fast noch authentischer, obwohl der Beat und all die Elemente, die ihn zum Radiosong machen, fehlen. Das ist was ganz Besonderes, was nicht jeder Künstler schafft. Großartig! Schön, dass Alexa immer diese Akustik-Versionen hinzufügt, sie komplementieren ihre Werke und präsentieren oft Stücke in neuem Gewand.

15. "Paradies im Kopf" (Akustik Piano Version)
Auch "Paradies im Kopf" hat eine neue Seite, die man erst in der Akustik-Version heraushört. Lustig, dass mich hier die ganzen "oh"-Elemente gar nicht so sehr stören, das fand ich in der Studioversion "schlimmer", wenn man es so nennen kann. Ich sehe schon: Ich muss Alexa wohl doch nochmal live sehen - gut, dass sie im Mai auf Tour ist ;-)

16. "Herz aus zweiter Hand" (Akustik Piano Version)
Dieser Song wirkt jetzt wie eine emotionale Ballade, was ihm durchaus auch steht. Man merkt: Besonders der Text macht etwas mit dem Zuhörer, da ist es fast egal, wie er instrumentalisiert ist. Bei den ganzen Versionen kommt es einem fast so vor, als ob man tatsächlich 18 verschiedene Songs hören würde, zumindest kommt keine Langeweile auf.

17. "Linie 7" (Akustik Piano Version)
Und zum Schluss, als hätte es Alexa nur für mich so geplant, folgen nun meine beiden Highlights auf diesem wirklich grandiosen Album: "Linie 7" ist immer noch genauso emotional, aber in vielen Hinsichten noch authentischer und einfach wunderschön. Mir fehlen die Worte, besonders die Geschichte von Maria berührt mich hier sehr. Wenn ihr reinhören wollt, dann hört euch bitte dieses Stück an.

18. "Mensch unter Menschen" (Akustik Piano Version)
Diese Version kenne ich ja und ich finde sie wirklich stärker als die Studioversion - was nicht heißt, dass diese schlecht ist. Nein, ich finde nur, dass es akustisch sehr viel emotionaler wird. Genießen. Hier kann man genießen. Und die Tränen in den Augen wegblinzeln. Ein perfekter Abschluss für ein perfektes Album.


Fazit:
Was soll ich sagen? Alexa hat mich wieder vollkommen bei sich. Bereits ihr Debüt "Gold von Morgen" war grandios und nun legt sie noch einmal mindestens genauso stark nach: "Zwischen den Sekunden" ist eine emotionale Platte geworden, die vom Radiosong bis hin zu den Gänsehaut-Momenten alles in sich vereint und besonders eins noch einmal deutlich heraushören lässt: Alexa ist eine wahnsinnig talentierte Songschreiberin, die eine ganz wunderbare Sprache in ihren Liedern präsentiert, die sehr bildhaft daherkommt und einzigartige, aber auch ganz alltägliche Geschichten erzählt. Dabei ist die Produktion auf dieser Platte noch einmal ein Level über "Gold von Morgen", denn durch den Einsatz des Orchesters im Intro und dem Interlude als auch in den einzelnen Songs, wirkt die LP sehr reif, sehr authentisch und handwerklich auf den Punkt. Dabei variiert der Sound von den bereits bekannten Aspekten in "Leben", "Straßenkind" und "Inventur" bis hin zu neuen Experimenten, besonders in "Nach Norden", aber auch in Songs wie "Medizin", "Wunderfinder" und "Rückwärtstag". Dies führt zu einem abwechslungsreichen Album mit tollen Texten, einem sehr guten Sound und einer großartigen Produktion.

Meine Highlights habe ich schon benannnt ("Linie 7" und "Mensch unter Menschen"), allerdings finde ich besonders toll, dass man die Singles "Medizin" und "Wunderfinder" gar nicht deutlich raushört. Hätte ich das vorher nicht gewusst, hätte ich nicht unbedingt auf sie getippt. Und das liegt nicht daran, dass alles gleich mittelmäßig ist, im Gegenteil: Alle Songs haben Potenzial, im Radio zu laufen oder emotional zu berühren, weshalb ich mir fast alle Songs als Single vorstellen könnte. Das zeugt von einer wahnsinnig hohen Qualität, die überzeugt und Lust auf mehr macht. Wer auf deutschsprachige Popmusik steht, die authentische Geschichten aus dem Alltag erzählt ist hier genau richtig - und wird auch nichts Schlechteres als fünf Punkte vergeben. Genau wie ich (:

© Warner Music Group Germany
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