Album-Rezension: "So Good" von Zara Larsson

© EPIC/Record Company TEN
Wer sich in der Popmusikszene bewegt, regelmäßig Chart-Updates wahrnimmt und hin und wieder Radio hört, der wird im letzten Jahr an dieser Sängerin nicht vorbeigekommen sein: Die Schwedin Zara Larsson begeistert mit ihren Songs jung und alt und ist dabei so individuell und selbstständig wie kaum ein anderer Popstar unserer Zeit. Schaltet man das Radio an kann es deshalb durchaus dazu kommen, dass man innerhalb weniger Minuten zwei ihrer Mega-Hits kurz hintereinander hört. Mir persönlich ist sie besonders mit den Tracks "Lush Life" und "Ain't My Fault" im Gedächtnis geblieben, denn diese empfand ich als extrem gut und total eingängig. Sie zeigen, wie Pop im Jahr 2017 zu klingen hat, gleichzeitig haben sie aber auch etwas sehr Frisches, was mir persönlich einfach gefällt - obwohl "Ain't My Fault" natürlich sehr stark an Rihanna erinnert. Aber hey, wer wie meine Lieblingssängerin klingt und dann noch Eigenständigkeit da rein bringt, der hat es auch verdient, dass ich die Ähnlichkeit einfach überhöre. Deshalb war ich umso gespannter auf das Album, welches am 17. März 2017 folgte.

Anfangs war ich ja skeptisch: Wer ein Album erst nach vier Singles veröffentlicht und zusätzlich zum Album-Release zwei weitere Songs in die Single-Charts wirft, der hat doch dann auf der LP nichts mehr zu bieten, oder? So fing ich also mit der LP zunächst auf Spotify an und nach dem ersten Hören war ich dann so semi-begeistert. Ja, die Titel waren größtenteils ganz gut, sogar einige Highlights konnte ich heraushören und insgesamt hatte ich das Gefühl, eine Bandbreite innerhalb einer Poprichtung gehört zu haben. Denn so ist es: Zara Larsson liefert guten Dance-Pop, mal gepaart mit HipHop-Elementen, mal mit klassischen Club-Sounds, größtenteils mit schnellen Rhythmen, teilweise aber auch als Ballade oder Midtempo-Track. Ich dachte, es wäre das klassische Album, was man hört nach einem solchen weltweiten Erfolg. Die Hits stechen heraus, es gibt ein bis zwei Perlen und der Rest ist einfach ganz okay. Doch ich ertappte mich über den Tag verteilt immer wieder dabei, wie ich mir Melodien der Songs vorsang und zwar teilweise auch der Songs, die ich als gar nicht so herausragend getitelt hatte.


Deshalb hörte ich mir das Album kurze Zeit später noch einmal an und siehe da: Aus einem "ganz guten" Album wurde ein "Oh mein Gott, wie konnte ich nur die genialen Texte, großartigen Betas und die geniale Instrumentalisierung überhören"-Album. Kurz gesagt: Ich war total begeistert, drehte die Lautstärke auf und genoss die LP in vollen Zügen. So sehr, dass ich am Montag darauf sofort in den Plattenladen gerannt bin und mir das Album sofort zugelegt habe. Daran sieht man mal: Manchmal überzeugt ein Album erst nach mehrmaligen Hören, denn dann hört man erst die Geschichten heraus oder stellt fest, wie detailreich die Instrumentalisierung ist. Natürlich verstehe ich meist auch beim ersten Mal, um was es in den einzelnen Songs geht, aber oft wird einem die komplette Geschichte des Albums erst später bewusst. Und so auch bei "So Good".

Jetzt stellt sich natürlich die Frage: Was ist das Besondere an dem Album? Denn ich muss euch nicht sagen, dass die Singles "Lush Life", "Never Forget You", "Ain't My Fault" und "I Would Like" einfach grandios, eingängig und tanzbar sind - das wisst ihr selbst, sonst würdet ihr diese Rezension hier nicht lesen. Allerdings kann ich euch sagen, dass das Album durchaus Songs zu bieten hat, die auf genau diesem Level sind: "TG4M", "Only You", "Sundown" oder "Symphony"gehen alle samt ins Ohr und versprechen gute Laune. Diese Songs können genauso im Radio laufen und man wäre begeistert, wenn man während der Autofahrt die neue Single von Zara Larsson hören würde. Doch das sind nicht die Argumente, die mich für das Album begeistern. Denn dann könnte man sich auch weiterhin Zara Larsson's Singles kaufen. Nein, es muss andere Gründe geben, die für die LP sprechen.

Und das sind die Songs, die so gänzlich anders klingen als die bisher bekannten: In "What They Say" oder "Make That Money Girl" besingt Zara feministische Texte gepaart mit HipHop/Trap-Beats und Dance-Sounds. Hier hört man weniger auf den Sound, der eigentlich schon bekannt ist, sondern vielmehr auf die Lyrics, die eine selbstbewusste Geschichte erzählen und ein tolles Statement in unserer aktuellen politischen und weltlichen Situation sind. Ganz anders hingegen die Balladen der Platte, die bei mir persönlich teilweise für Gänsehaut sorgen und teilweise sehr bildlich daherkommen. Besonders gefühlvoll empfinde ich die Tracks "Don't Let Me Be Yours", "Funeral" und "I Can't Fall in Love Without You". Diese haben einen akustischen Sound, der mir sehr gefällt, da es reduziert und dennoch gut produziert wirkt. Solche Nummern würde ich mir öfter im Radio wünschen, denn nur weil etwas gefühlvoll ist, heißt es ja nicht, dass es nicht eingängig sein kann. Beide Aspekte erfüllen diese Lieder.


Mein absoluter Lieblingssong ist jedoch "One Mississippi": Der Song ist einerseits so geschrieben, dass er sofort im Ohr stecken bleibt, andererseits löst er bei mir so viele verschiedene Bilder aus, dass ich quasi ein Musikvideo drehen könnte, jedes Mal wenn ich ihn mir anhöre. Ein glückliches Päärchen, verliebt, läuft dem Sonnenuntergang entgegen, es folgt der ersten Streit in der gemeinsamen Wohnung, bevor der Traummann Schluss macht und im nächsten Moment in seiner eigenen Wohnung ist und einem die Tür vor der Nase zuschlägt - hach, wo ist die Kamera und Zara, ich wäre dann so weit. Für mich ein potenzieller Single-Kandidat, aber ich befürchte, dass man hier auf kommerziellere Nummern, wie oben beschrieben, zurückgreifen wird. Dennoch: Wer nur mal reinhören möchte, sollte sich diesen Titel nicht entgehen lassen.

Insgesamt habe ich somit ein Album erhalten, welches mehrere sehr gute Komponenten enthält: Zum einen hätten wir da die kommerziellen Singles, die man aus dem Radio, der Werbung oder den Charts kennt und die einfach schon so drin sind, dass man sie mitsingen und abfeiern muss. Zum anderen wären dann aber die gefühlvollen Balladen, die sehr emotional, ehrlich und oft sehr bildlich vorgetragen werden und bei mir wirklich Begeisterung auslösen. Die LP stellt Zara Larsson als selbstbewusste, eigenständige, mutige und für sich selbst eintretende Person dar, die eine klare Meinung hat und sich nicht dafür schämt, diese auch mitzuteilen. Ich höre mir das Album deshalb wirklich gerne an und kann mir gut vorstellen, dass es mich über den Frühling und Sommer 2017 begleiten wird. Dafür gibt es gute 4 von 5 Sternen - vielleicht schafft es "So Good" ja sogar auf die volle Punktzahl nach diesem Sommer und wird seinem Namen dann gerecht.

Cover: © EPIC/Record Company TEN
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