Album-Rezension: "Guten Morgen Freiheit" von Yvonne Catterfeld

© Veritable Records
Yvonne Catterfeld legte in den letzten Jahren eines der Comebacks überhaupt hin! Die Erfurter Sängerin hatte Anfang der 2000er große Erfolge mit Songs wie "Für dich" und "Du hast mein Herz gebrochen" und begeisterte Tausende an Fans im Sturm. Doch dann wuchs die Sängerin aus ihrer Musik und scheinbar auch ihrer öffentlichen Person heraus und nabelte sich zuerst komplett ab. Nach einigen Jahren veröffentlichte sie dann das jazzige "Blau im Blau" und Fans wussten nicht so recht, was sie damit anfangen sollten. Es wurde still um die Sängerin und als die deutsche Musikszene schon fast nicht mehr mit ihr gerechnet hätte, kehrte Yvonne zurück - nämlich mit der Sendung Sing mein Song. Hier überzeugte sie Millionen Zuschauer mit Covern und stellte auch nochmal ihr 2013er Album "Lieber so" vor - welches ich schon bei ursprünglicher Veröffentlichung liebte. Ab diesem Zeitpunkt fand Yvonne den Mut eigene Entscheidungen zu treffen: Sie trennte sich von ihrem Manager, gründete ihr eigenes Label Veritable Records und arbeite an einem Album, welches zu 100 % sie darstellte. Das hören wir nun, unter dem treffenden Namen "Guten Morgen Freiheit".

Und tatsächlich kann man den Unterschied sehr deutlich hören: Yvonne verarbeitet Raggae-Sounds mit HipHop-Beats und Pop-Klängen und spricht dabei nicht nur über die liebe Liebe, sondern äußert durchaus auch gesellschaftskritische Inhalte, die sie als reife und reflektierte Frau darstellen. Besonders deutlich wird das natürlich mit der Vorab-Single "Irgendwas", die davon spricht, immer mehr haben zu wollen, obwohl man gar nicht weiß, wozu. Doch auch Songs wie "Besser werden" und besonders "5 vor 12" im Duett mit Teesy zeigen, wie man in Pop-Musik auch, was Politik und Wirtschaft angeht, Stellung beziehen kann. Dabei ist es gar nicht so frontal "auf die 12" wie im ersten Moment angenommen: Mal äußert Yvonne mit leisen Tönen Kritik, mal macht sie sich lustig über allwissende Politiker und mal merkt man diese Kritik durch die emotionale Darbietung des Gesangs. Eins haben alle Songs aber gemeinsam: Sie sind wunderbar geschrieben, haben Niveau und weißen eine wirklich qualitativ hochwertige Produktion auf.


Doch auch gute Laune kann Yvonne: Der Titeltrack "Guten Morgen Freiheit" zaubert mir jedes Mal aufs Neue ein Lächeln ins Gesicht und steigert damit meine Laune ungemein. Wenn ich einen Lieblingstrack benennen müsste, dann wäre dieser Song definitiv eine Option. Thematisch ähnlich, aber etwas leichtsinniger und musikalisch total anders ist "Freisprengen", der davon handelt, wie sich Yvonne von all den Dingen trennt, die ihr nicht gut tun, um sich selbst wieder zu finden. Diese Songs machen einfach Spaß, gehen ins Ohr und zeigen eine nicht ganz so nachdenkliche und dennoch tiefsinnige Sängerin mit viel Charisma.
Aber wie schon versprochen: Auch Liebe hat Yvonne nicht verlernt, singt aber über diese sehr viel selbstbewusster und gereifter als früher. Ein persönliches Highlight für mich ist "Tür und Angel", bei dem ich immer an einen ganz besonderen Menschen denken muss und mir deshalb Gänsehaut bereitet. Selbes Gilt auch für "Was bleibt", den die Sängerin für ihren Sohn komponiert hat, doch auch "Pass gut auf dich auf" hat Gänsehaut-Potenzial vom feinsten und sollte als Abschlusssong noch einmal genauer angehört werden. Insgesamt sind das die Songs, die für mich die Platte rund machen und mich dazu verleiten, sie immer und immer wieder anzuhören.


Aufmerksamen Lesern der Titelliste mag aufgefallen sein, dass es einen Song doppelt gibt: "Mehr als ihr seht" wird nämlich in zwei verschiedenen Versionen vorgetragen. Einmal in der Solo-Version, in der Yvonne, so scheint es zumindest, von allem los reißt und völlig ungeniert einfach das anspricht, was sie wirklich denkt. Diese Selbstsicherheit tut dem Song gut und verleiht ihm eine ganz besondere Rolle auf der LP. Noch viel besser finde ich dabei Part 2 des Tracks, der einen Rap-Part von MoTrip liefert, der noch einmal einen oben drauf setzt und unbedingt SO als Single veröffentlicht werden muss. Überhaupt sind die Gastsänger und - rapper auf "Guten Morgen Freiheit" eine wahre Wucht: Bengio, Chima, MoTrip und Teesy verleihen den Songs ihre ganz eigene Note und harmonieren wunderbar mit Yvonne. Es ist interessant zu sehen, wie Yvonne jeden dieser Stile zu ihrem eigenen macht und man ihr als Zuhörer wirklich abkauft, dass sie diesen lebt. Wahrscheinlich weil sie genau das tut: Die Stile lebt. Als Fan kennt man sie ja noch von früher (auch als Nicht-Fan tut man das bestimmt) und da ist es einfach so ungewohnt, all diese Musikrichtungen von ihr zu hören. Sie selbst sagte ja, sie seien schon immer in ihr gewesen, aber nie durchgekommen. Gut, dass sich diese nun entschieden haben herauszukommen und uns Zuhörer zu begeistern.



Wie man merkt: Ich bin verliebt und fühle mich in der neuen Welt von Yvonne total wohl. Ich war schon vom Vorgänger "Lieber so" begeistert und konnte mir nur schwer vorstellen, wie Yvonne diese Platte toppen will. Allerdings musste ich beim anhören von "Guten Morgen Freiheit" gar nicht an den Vorgänger denken, denn sie ist so anders, so experimentell und so frisch, dass es eine ganz eigene Liga darstellt. Ich möchte gar nicht sagen, welches Album mir besser gefällt - denn sie sind beides Meisterwerke! Und auch live sieht man, dass Yvonne angekommen ist: Sie performt die Songs mit einer Selbstverständlichkeit und Freude, dass man es als Zuhörer einfach genießen MUSS. Bei dem Konzert in München gefielen mir natürlich die Songs, die mir schon auf der Platte besonders positiv aufgefallen sind, aber auch Tracks, die ich jetzt beim ersten Hören als nicht so stark empfand, haben es mir angetan: Besonders "Straßen aus Salz" möchte ich hier nennen: Auf dem Album empfand ich ihn als emotional, habe aber gar nicht so richtig auf den Text gehört. Anders beim Konzert: Yvonne erzählte die Geschichte dahinter und fing dann an zu singen - der Saal schwieg für diese drei Minuten und hatte einstimmig Gänsehaut. SO muss eine Künstlerin live wirken, genau SO muss ein Konzert sein. Wer also die Sängerin noch nicht live gesehen hat, sollte dies unbedingt tun. Stimmlich top und wie auf dem Album, wenn nicht sogar besser, und eine Stimmung, wie man sie sich nur erträumen kann. Yvonne, wir sehen uns wieder <3
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