Die Entscheidungsshow 2017: Der #Kandidatencheck zum Schweizer Vorentscheid

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Herzlich Willkommen <3
Wie ihr bereits lesen könnt, geht es heute um den Vorentscheid in der Schweiz, denn natürlich suchen auch unsere Nachbarn nach einem würdigen Vertreter für ihr Land. Dabei wird schon seit Jahren der gleiche Modus verwendet: Da die Schweiz, wie wir wissen, viele Sprachen und Kulturen in sich vereint und es deshalb auch verschiedensprachige TV-Sender gibt (Französisch, Italienisch, Schwiizerdütsch), arbeiten diese zusammen und versuchen mit gemeinsamer Power den bestmöglichen Vertreter zu finden. Dabei gab es in diesem Jahr allerdings eine kleine Änderung: Normalerweise hatte der federführende Sender SRF die meisten Plätze für Kandidaten frei, durfte also am meisten Kandidaten nominieren. Danach folgte der französischsprachige Sender RTS, der die zweitmeisten Kandidaten nominieren durfte und der italienischsprachige Sender, der die wenigsten Kandidaten nominieren durfte. Leider kam die Schweiz mit diesem Modus nicht wirklich weit, denn das Land schafft es seit 2014 nicht mehr ins Finale des Contests. Zuletzt gingen unsere Nachbarn leider mit Rykka unter, die in Stockholm tatsächlich den letzten Platz im Halbfinale belegte. Von vielen wird gemunkelt, es lag an den sportlichen Aktivitäten der Dame - aber seht selbst:


Um den Fokus wirklich auf die Talente zu legen, entschied man sich, dass es keine "Plätze" für die einzelnen Sender gibt: Jede Künstlerin und jeder Künstler durfte sich auf einer Internetplattform bewerben, die besten wurden dann zu einem Live-Check eingeladen, bei dem sich Experten die Beiträge anhörten und die besten sechs für die Live-Show am 05.02.2017 in Zurich-Oerlikon nominierten. Diese sechs Kandidaten stellen ihren Song vor, im Anschluss entscheidet eine Jury und das Publikum zu jeweils 50 %, wer für die Schweiz zum Contest nach Kiew fährt. Moderiert wird das Spektakel von Sven Epiney.

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Die Kandidaten und ihre Songs sind (aufgezählt nach Startplatz):

1. Nadya - "The Fire in the Sky"
2. Ginta Biku - "Cet Air La"
3. Michéle - "Two Faces"
4. Freschta - "Gold"
5. Shana Pearson - "Exodus"
6. Timebelle - "Apollo"

In der Vergangenheit haben die sechs Finalisten eigentlich noch ein Cover präsentiert, bevor sie sich an die eigenen Songs gewagt haben. Ob dies wieder so abläuft, weiß ich ehrlich gesagt bis jetzt noch nicht, es steht aber zumindest nirgends etwas darüber geschrieben - also gehe ich davon aus, dass dieser Teil der Show abgesägt wurde (Kann das mal jemand unserer NDR sagen, vielleicht können die die Cover-Runde bei "Unser Song 2017" noch kippen? Naja, die Hoffnung stirbt zuletzt :D).

Los geht's also mit der Vorstellung der einzelnen Kandidaten und meinen Gedanken dazu:

1. Nadya - "The Fire in the Sky"
Interessante Stimmfarbe hat eure Nadya da. Man hört einen schönen satten Ton da raus, was man sich gerne anhört. Allerdings tut der Song für sie überhaupt nichts. Im Kopf hatte man bei der Komposition bestimmt eine sexy, verruchte und sich aufbauende Midtempo-Ballade mit viel Wind in den Haaren der Sängerin, heraus gekommen ist allerdings eine eher langweilige Nummer, die an manchen Stellen sogar eher zu tief ist, weshalb die Sängerin auch im Video sichtlich kämpft, die Töne da zu packen und jedes Mal erleichtert lächelt, wenn sie in die Höhe darf. Insgesamt ist es eine Nummer, die keinem weh tut, die allerdings auch überhaupt nicht zum Anrufen animiert - was blöd ist, schließlich sollen das die Leute beim ESC-Abend am Ende der Show tun. Schade, denn stimmliches Potenzial hätte die Dame.



2. Ginta Biku - "Cet Air La"
Gut, da hat sich jemand zumindest Mühe gegeben, sich gut zu präsentieren und hat gleich mal Background-Sängerinnen und Backup-Dancer mitgebracht. Ich bin ja immer der Fan von Trash, schließlich muss man auch was zum Lachen haben (dieser Aspekt kommt leider bei den letzten Eurovision Song Contests etwas kurz, findet ihr nicht?). Für mich bedient Ginta wirklich jedes Klischee, aber man muss zugeben, dass sie sich das leisten kann, denn die junge Dame sieht unverschämt gut aus :D Trotzdem kann ich dem Song wirklich überhaupt nichts abgewinnen. Ja, der Dance-Part ist ziemlich okay, aber so richtig in Fahrt kommt das dann auch nicht. Oh Mann, ich ahne schlimmes für die Schweiz.



3. Michéle - "Two Faces"
Mensch, etwas besser wird's jetzt mit der süßen Michéle (eigentlich müsste der Apostroph anders rum sein, leider finde ich die Tastenkombination dafür nicht :D): Diese präsentiert mit "Two Faces" einen modernen Track, der etwas an Sia oder Lorde erinnert und damit den derzeit üblichen Radio-Sound in sich vereint. Dennoch ist er Meilen von den genannten Künstlern entfernt. Außerdem erinnert mich der Track irgendwie an einen Song aus dem österreichischen Vorentscheid 2016 mit dem Namen "Bounce" von Elly V. Aber auch hier: Im Vergleich dazu ist "Two Faces" einfach viel schwächer. Bisher gefällt er mir allerdings von den drei bis jetzt vorgespielten Songs am besten. Jetzt wo ich an Elly V und ihren Song aus dem letzten Jahr denke, fällt mir fast auf, dass Ginta Biku und ihr "Cet Air La" irgendwie auch an Zoe und "Loin d'ici" (Österreich 2016) aus dem letzten Jahr erinnert, oder? Natürlich kann aber auch diese mit meiner Assoziation nicht mithalten, Zoe ist schließlich die Queen of French Pop bei mir :D



4. Freschta - "Gold"
Und jetzt die obligatorische Ballade. Die Nummer ist im Vergleich zu den anderen Songs bis jetzt sehr reduziert und müsste deshalb eigentlich (positiv) herausstechen, aber mir ist das insgesamt einfach viel zu wenig. Auch hier kommen mir wieder die verschiedensten Assoziationen aus dem aktuellen Pop-Geschehen in den Kopf, mit denen aber "Gold" überhaupt nicht mithalten kann. Darum geht es ja aber auch nicht, das Ding ist nur: Wenn der Song wirklich gut wäre, dann würde ich gar nicht an ähnliche Lieder denken, denn dann wäre ich einfach total eingenommen von der Performance - was ich leider nicht bin. Außerdem empfinde ich auch, dass Freschta gar nicht eine so faszinierende Stimme hat, als dass man da gefesselt sitzt und gar nicht mehr loskommt. Wenn ich da an andere Balladen denke, da wollte ich gar nicht, dass der Song aufhört (siehe beispielsweise Israel letztes Jahr). Auch hier wieder: Danke, aber nein, danke!



5. Shana Pearson - "Exodus"
Oh Gott, bitte sagt mir, dass es beim Vorentscheid einen anderen Background-Gesang geben wird? Das ist ja grauslig. Und auch die Stimme der eigentlichen Sängerin ist nicht gerade herausragend. Besonders die "oh" und "yeahhhs" tun mir etwas weh. 0815-Pop von der Stange, die man hier serviert bekommt - wenn das das Beste ist, was man durch die öffentlich zugängliche Internetplattform erhalten hat, dann gute Nacht! Mit Abstand der schlechteste Song und die schlechteste Aufmachung von allen Kandidaten bisher - dabei standen Nadya und Freschta einfach nur da, selbst das war angenehmer als diese Performance. Furchtbar und bestimmt auf meinem letzten Platz!



6. Timebelle - "Apollo"
Wenn das mal nicht das stimmigste Gesamtpaket ist, was wir in diesem Vorentscheid geboten bekommen. Eine Band, die ganz bei sich selbst ist und weiß, was sie kann und wer sie ist. Dabei ist der Song jetzt nicht der totale Bringer, aber zumindest geht der Refrain rein und die Sängerin hat ein wirklich gutes Standing. Auch der Aufbau des Stücks gefällt mir: Ruhig, in den Strophen ausgelassener, schöne Intimität in der Bridge, bevor es zum ausbrechenden Refrain kommt. Kein Gewinnersong, falls er in Kiew aufgeführt wird, aber zumindest ein Paket, für welches man sich nicht schämen muss. Wie ich im Anschluss erfahren habe, nahm Timebelle bereits 2015 beim Schweizer Vorentscheid teil, verloren in dem Jahr allerdings gegen Mélanie René, die später in Wien Letzte im Semifinale wurde. Ich habe mir daraufhin ihr damaliges Lied "Singing About Love" angehört und war ganz erstaunt, denn die Band hat sich definitiv weiterentwickelt - und das in die richtige Richtung!


Mein Fazit:
Puh, ganz schön schwerer Stoff hier. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich letztes Jahr beeindruckter war - und das war schon schwach. Unfassbar, dass es die Schweiz irgendwie nicht auf die Reihe zu bringen scheint, jemanden zu finden, der sie würdig beim ESC vertreten kann. Das tut mir wirklich leid, denn ich weiß, dass die Schweiz auch gute Leute hat (ich denke da besonders an die Jahre 2011 und 2014, aber eben auch die letzten beiden Jahre, in denen die Schweiz wirklich unberechtigter Weise im Semifinale ausgeschieden ist). Natürlich können da die Zuschauer nichts dafür, sondern eher die Verantwortlichen. Diese hatten große Änderungen nach dem letzten Jahr angekündigt, diese blieben aber größtenteils eigentlich aus und das merkt man dann eben auch an der Qualität. Was will man machen, man muss es trotzdem irgendwie hinter sich bringen und wenn ich mich (notgedrungen) entscheiden müsste, dann würde ich Timebelle nach Kiew schicken - auch wenn ich mir ziemlich sicher bin, dass das Finale für alle sechs Teilnehmer eher unwahrscheinlich ist (tut mir wirklich mega leid, liebe Nachbarn!). Aber mit Timebelle blamiert man sich zumindest nicht und hey, vielleicht kommt euch zu Gute, dass die Sängerin aus Rumänien ist und ihr schafft es doch unverhofft ins Finale. Positiv denken also! Hier meine Platzierungen 1 bis 6:

1. Timebelle - "Apollo"
2. Michéle - "Two Faces"
3. Nadya - "The Fire in the Sky"
4. Ginta Biku - "Cet Air La"
5. Freschta - "Gold"
6. Shana Pearson - "Exodus"

Schlussendlich möchte ich sagen: Liebe Verantwortlichen in der Schweiz, was ihr braucht sind wirklich keine kleinen Veränderungen, sondern ein neues Konzept. Sei es eine Castingshow, eine Direktnominierung eines großen Stars oder irgendeine andere Zusammenarbeit mit Songwritern, Plattenfirmen oder  Sängerinnen und Sängern. Das jetzige Format ist wirklich passé und ihr solltet euch ernsthaft überlegen, wie ihr 2018 vorgehen wollt - denn ich fürchte auch 2017 wird das nichts. Leider.

Resümee:
Ganz spontan habe ich mir dann am 05. Februar den Schweizer Vorentscheid angesehen und ich muss sagen: Der Look der Show war gar nicht so verkehrt und die Songs klangen alle VIEL besser als noch in den Live-Checks. Auch bei der Bühnenshow hat man sich Gedanken gemacht, auch wenn diese oft besser waren als die vorgetragenen Werke. Letztendlich und das freut mich immer, kam es dann so, wie ich vermutet hatte: Timebelle gewannen den Vorentscheid mit ihrem Song "Apollo" der für den Vorentscheid ein elegantes Gewand in Form von roten Rosen erhalten hat. Dabei sah die Sängerin wirklich großartig aus und die Präsentation gefiel mir wirklich sehr gut. Aber überzeugt euch selbst:


Man kann sagen: Die lieben Nachbarn haben zwar qualitativ nicht die stärksten Songs an Land gezogen, dafür haben sie aber ihr Bestes gegeben, um diese noch einmal besser klingen zu lassen. Und auch über das Staging hat man sich (zum ersten Mal, wie ich finde) ernsthaft Gedanken gemacht. Gute Ansätze, die aber noch radikaler durchgezogen werden müssen. Ich wage es gar nicht zu sagen, wie das in Kiew ankommen wird. Ich fürchte aber, es könnte Timebelle das selbe Schicksal ereilen wie letztes Jahr Rykka. Jeder war sich auch hier einig, dass "The Last of Our Kind" der beste Song war, in Stockholm ging der Auftritt aber total unter. Selbes fürchte ich für "Apollo", denn der Song ist zwar ganz nett, aber eben nicht mehr. Dennoch wünsche ich der Schweiz wirklich das Allerbeste und hoffe, dass sie es ins Finale schafft!

© EBU

& hier zu den #Kandidatenchecks der deutschen Teilnehmer:


© NDR (v.l.n.r:)





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