LIVE-Leseeindruck: "Die Schwester des Tänzers" von Eva Stachniak

Hallo (:
Eine neue Woche, ein neuer Monat und deshalb folgt nun auch: Ein neuer Leseeindruck. Zur Zeit lese ich nämlich "Die Schwester des Tänzers", meinen ersten historischen Roman und ich dachte es wäre die perfekte Gelegenheit euch meinen Leseeindruck zu präsentieren. Das Buch ist mir zunächst bei lovelybooks.de aufgefallen, da fand ich das Cover extrem schön und hatte mich für ein Exemplar innerhalb der Leserunde beworben. Leider klappte das nicht, aber der Verlag war dann so nett und hat mir ein Rezensionsexemplar zugeschickt - an dieser Stelle ein recht herzliches Dankeschön dafür (:

© Insel Verlag


Kommen wir aber erstmal zu den Fakten des Buches: Geschrieben wurde es von Eva Stachniak, eine in Kanada lebende Autorin, die Englisch und Gesellschaftswissenschaften an der Uni unterrichtete. Ihr Debüt-Roman "Der Winterpalast" und der Folgeband "Die Zarin der Nacht" drehten sich um Katharina die Große, nun versucht sich die Kanadierin an einer neuen Geschichte rund um eine Tänzerfamilie und die Geschichte eines Mädchens, die sich in dieser zunächst etablieren muss. Wer genaueres wissen möchte, dem kopiere ich hier den Klappentext laut Verlagsseite, den ich nicht kenne, ich will mir die Geschichte nämlich nicht spoilern:

In der Familie Nijinsky dreht sich alles nur um eines: ums Ballett. Als Bronislawa und Waslaw um 1900 in St. Petersburg aufwachsen, bewundern sie allabendlich ihre Eltern in der Garderobe, nervös vor den Auftritten, erhitzt und gelöst danach. Auch für die beiden Kinder ist der Weg vorgezeichnet: Sie werden an der kaiserlichen Ballettakademie aufgenommen – und schon bald zeigt sich, dass besonders Waslaw alle anderen überflügelt. Den Geschwistern steht eine ganze Welt offen – Paris, London, später gar New York –, eine Welt harten Trainings und geschundener Füße, aber auch des Glamours und des Ruhms …

Hunderttausende Leser schwelgten in Eva Stachniaks Romanen über Katharina die Große – nun bereitet sie abermals einer großen russischen Heldin die Bühne: Bronislawa Nijinska, Schwester des legendären Waslaw Nijinsky und selbst gefeierter Star des Ballets Russes. Ein Roman über zwei ungleiche Geschwister, über den unbedingten Willen zum Erfolg – und über die Liebe zum Tanz, die alles andere überstrahlt.



Dieser Beitrag ist SPOILERFREI!
Ich werde die Handlung der ersten Seiten nur grob wiedergeben, ihr braucht also keine Angst haben, dass ich euch zu viel verrate (:

Etappe 1: Teil 1 und die Jahre 1894 bis 1900
Ich befinde mich auf Seite 75 und damit sind die jungen Jahre von Bronislawa und Waslaw Nijinsky abgeschlossen. Wir erhalten Einblick in das Leben der Tänzerfamilie, die von einem Ort zum anderen reisen. Die Eltern geben dabei fast täglich Vorstellungen, davor unterrichten sie ihre Kinder in Russisch, Polnisch und im Tanzen. Waslaw wird dabei streng beäugt, soll er doch in weniger als zwei Jahren die Kaiserliche Ballettschule in Sankt Petersburg besuchen. Dafür muss er aber eine Aufnahmeprüfung bestehen. Sein Vater nimmt ihn deshalb hart ran, doch auch etwas Anderes lässt den Familiensegen schief hängen. Was das ist, verrate ich nicht, nur so viel: Man erfährt es. Übrigens wird die Geschichte aus den Augen von Bronislawa erzählt, Waslaw's sechsjähriger Schwester, die ebenfalls auf die Ballettschule möchte und deshalb fleißig trainiert.

Man erlebt die Familie und ist zwiegespalten. Einerseits sind die ersten Jahre sehr liebevoll beschrieben, die Familie ist glücklich, lebt für's Tanzen und ergänzt sich ganz wunderbar. Allerdings kommt Waslaw teilweise sehr arrogant rüber und auch der älteste Sohn Stassik entwickelt sich in eine sehr merkwürdige Richtung - allerdings glaube ich, dass das an etwas anderes liegt als an seiner reinen Persönlichkeit. Denn die ist sehr sensibel und emotional. Bronislawa dagegen ist SEHR sympathisch und man schließt sie richtig ins Herz.

Auch interessant: Das Buch gliedert sich eigentlich in zwei Erzählstränge. Zum einen verfolgen wir eine ältere Bronislawa, die sich gerade auf dem Weg nach Amerika bzw. Australien befindet und von ihren Eindrücken erzählt. Diese Kapitel sind sehr kurz und geben keinerlei Hinweise auf das vorherige Leben der Frau. Der zweite Erzählstrang dreht sich dann eben um die Vergangenheit und ist in verschiedene Jahresabschnitte geteilt (also beispielsweise 1894 bis 1900). Dabei erzählt Bronislawa quasi aus ihren Erinnerungen, was bei mir irgendwie die Erinnerung weckt, als meine Mama mir vor dem Zubettgehen, Geschichten aus ihrer Vergangenheit erzählt hat. Ein sehr schönes Gefühl!

Übrigens ist mir die Geschichte nicht zu altbacken oder langweilig. Wie schon gesagt, es ist mein erster historischer Roman und ich habe mich eigentlich nie daran getraut. Ich dachte immer, mir wäre das zu geschichtlich. Doch mir gefällt das Thema Tanzen sehr und auch das Leben der Familie interessiert mich so sehr, dass ich gar nicht mitbekomme, dass es ein geschichtlicher Roman ist - gut, oder? Ich freue mich jetzt sehr auf den weiteren Verlauf und bin auf die Entwicklung der Figuren gespannt (:
Cover: © Insel Verlag
Etappe 2: Teil Zwei und die Jahre 1900 bis 1908
Es geht weiter mit der frühen Jugend bis zum achtzehnten Lebensjahr von Bronia. Wir kriegen Einblick in das Leben und den Unterricht an der Kaiserlichen Balletschule von Waslaw und seiner Schwester und erfahren auch, wie es mit der Mutter, ihrem Bruder Stassik und dem Vater weitergeht. Ich muss sagen, dass die unausgesprochenen Gefühle zwischen einzelnen Familienmitgliedern immer deutlicher werden und man eine richtige Anspannung bemerkt, wenn gewisse Charaktere aufeinandertreffen. Am liebsten möchte man da in ihre Köpfe hineinschauen und das Problem irgendwie lösen. Denn man merkt richtig, wie krank es jeden macht, nicht über seine/ihre Gefühle reden zu können. Als Leser wartet man quasi ständig darauf, dass etwas ganz Schlimmes passiert... Ob und wann es so weit ist, verrate ich nicht, ihr sollt es ja schließlich selber lesen ;-)

Derzeit befinde ich mich auf Seite 150. Ich schaffe momentan also circa 75 pro Tag. Ein ganz guter Schnitt, obwohl ich im Oktober und auch streckenweise im November 100 Seiten pro Tag geschafft habe. Während mich das bei meinen letzten Büchern immer etwas störte, habe ich gar keine Eile bei "Die Schwester des Tänzers". Ich fühle mich nämlich wirklich total wohl und genieße es einfach, die Geschichten von Bronia zu hören. Mir gefällt es, in ihre Gedankenwelt einzutauchen und ihr dabei zuzuhören. Ich fühle mich wie ein kleines Kind, welches der Oma zuhört, wie sie von ihrer wilden Jugend erzählt. Dabei fasziniert mich nicht nur die Person Bronia, sondern auch die Thematik des Tanzes und Balletts im Russland des 19./20. Jahrhunderts. Großes Thema bildet dabei natürlich auch ihr berühmter Bruder Waslaw, der von allen Kritikern und Ballettbegeisterten als Wunderkind bezeichnet wird. Dabei wächst Bronia in seinem Schatten auf und ist fasziniert von dem turubelenten Leben, welches Waslaw zu führen scheint.

Ich für meinen Teil mag Bronia wirklich sehr, aber Waslaw ist mir eher suspekt. Er wirkt auf mich doch sehr eingebildet und in manchen Hinsichten auch wirklich komisch. Da kommt noch was, da bin ich mir ganz sicher. Denn je berühmter und beliebter er wird, desto komischer wird er auch. Aus dem anfänglich kleinen, talentierten und manchmal frechen Jungen wird ein Mann, der von allem zu viel und alles zu schnell bekommt. Ein so rasanter Aufstieg, muss früher oder später einfach Folgen haben. Und vor diesen hat man als Leser irgendwie auch Angst, denn obwohl Waslaw einem nicht so sympathisch ist wie seine Schwester, will man nur das Beste für ihn, denn man merkt das Bronia ihn liebt. Allein deshalb, darf ihm nichts passieren!

Wer Interesse an dem Buch hat, sollte sich UNBEDINGT den Buchtrailer anschauen - eine Augenweide, sag ich euch!


Etappe 3: Teil Drei und die Jahre 1908 bis 1913
Sooo, nach einem Wochenende, welches so ereignisreich war, dass ich gar nicht zum Lesen gekommen bin, dachte ich mir, ich fasse euch die Seiten zusammen, die ich bis jetzt geschafft habe. Für alle, die es interessiert, ich befinde mich gerade auf Seite 323 und bin somit schon bei Teil Vier angelangt. In Teil Drei bauten sich Waslaw und Bronia ein regelrechtes Imperium auf und durchliefen die verschiedensten Höhen und Tiefen - mit großen, emotionalen und sehr spannendem Finale. Die Erzählerin schafft es wirklich, ihre Geschichte humorvoll, ernst, grazil und eindrucksvoll zu beschreiben und lässt gar keine Langeweile zu. Ich habe mich mit vielen Freunden unterhalten und wenn sie hören, dass ich nunmehr eine Woche an dem Buch sitze und erst 323 Seiten gelesen habe, fragen sie mich immer, ob mir das Buch denn nicht zu langweilig ist und ich deshalb so langsam bin. Aber das kann ich klar verneinen, ich habe einfach das Gefühl, dass das Buch meine komplette Aufmerksamkeit fordert und deshalb lasse ich mir auch bewusst Zeit.

Doch kommen wir noch zu den Themen, die "Die Schwester des Tänzers" behandelt. Im Vordergrund scheint das Rollenbild von Männer und Frauen zu stehen. Bronia kämpft für ihre Träume und möchte auch all die Möglichkeiten haben, die ihr Bruder Waslaw einfach so zu ergattern scheint. Oft stört es die Protagonistin, dass sie etwas nicht ganz so leicht bekommt, wie ihr Bruder. In diesem Zusammenhang gibt es auch ein weiteres Thema rund um Waslaw, welches ich jetzt nicht benennen möchte, sonst verrate ich womöglich ein großes Geheimnis des Buches. Doch sagen wir mal so: Es wird auf etwas hingewiesen, zwar ganz subtil, aber dennoch spürbar und das macht den Leser sehr neugierig. Passend zu der Zeit wird darüber aber nicht wirklich gesprochen und die Erzählerin geht auch nicht weiter darauf ein. Natürlich geht es auch um das Ballett, vornehmlich um die traditionelle Sicht im Kontrast zur modernen Variätet, die Bronia und Waslaw verfolgen. In Folge dessen widmet sich die Autorin auch den Themen Ruhm und den daraus entstehenden Realitätsverlust für die betroffene Person. Dabei schafft sie es wirklich gut, Folgen dessen zu zeigen und immer wieder den Eindruck zu erwecken, als wäre das Leben der Familie am seidenen Faden.

Bis jetzt bin ich immer noch sehr begeistert und freue mich wirklich SEHR auf die weitere Entwicklung der Geschichte und Personen. Ich schätze, ich bin bis Mittwoch/Donnerstag noch mit der Geschichte beschäftigt. Auf meine Monatsstatistik Dezember wird sich das zwar negativ auswirken, aber das ist mir momentan nicht so wichtig. Denn lieber ein gutes Leseerlebnis, als mehrere schlechte, oder?

Etappe 4: Teil Vier und die Jahre 1913 bis 1921
Schon über eine Woche verbringe ich nun mit dem Buch und befinde mich momentan im letzten Teil der Geschichte. Und, believe it or not, tatsächlich habe ich total Angst, das Buch zu beenden. Denn ich will nicht aus dem Leben von Bronia aussteigen. Noch nicht. Deshalb habe ich auch total Angst, dass mir das Buch total hängen bleibt und mir alle anderen Bücher etwas ruiniert. Doch bleiben wir mal positiv, schließlich war ich schon lange nicht mehr so begeistert von einem Buch. Ich liebe es einfach Bronia zuzuhören, wie sie iden Lauf ihres Lebens beschreibt und wie sie zwar emotional, aber auch sehr reflektiert darüber berichtet. Ihr Leben hat die höchsten Höhen und die tiefsten Tiefen, doch sie scheint wirklich stark zu sein, all das zu überstehen und dennoch sich selber nicht zu verlieren. Das ist schön zu beobachten.

Im vierten Teil geht es besonders um ihr Leben als Mutter, aber auch um ihre Tanzkarriere und die daraus resultierenden Chancen und Möglichkeiten. Ich verrate natürlich nichts, aber so viel sei gesagt: Es ist interessant zu erfahren, wie Bronia nach dem größten Ruhm ihre Karriere weter vorantreibt und auf ihre Instikte und Bedürfnisse hört. Teil Vier ist mit einer der ereignisreichsten Teile, was wahrscheinlich daran liegt, dass ihr Privatleben völlig auf den Kopf gestellt wird. Ich habe wirklich tiefsten Respekt vor ihrem Glauben, ihrem Mut und die Eigeständigkeit, die sie in diesen schweren zeiten an den Tag legt. Dabei rückt Waslaw komplett in den Hintergrund, was ich als Leser nicht so schlimm finde, schließlich bin ich viel mehr in Bronia's Welt, aber man merkt, dass er der Familie und Bronia fehlt, weshalb es interessant wird zu sehen, was in Teil Fünf über ihn erzählt wird.

Damit lese ich jetzt die letzten knapp 70 Seiten und berichte dann nochmal über den letzten Teil. Ich bin gespannt, wie die Autorin das Ende gestaltet und bin gleichzeitig etwas traurig darüber, dass es doch schon vorbei ist. Aber gut, es warten wirklich spannende Geschichten auf mich und das muss ich mir einfach immer wieder in Erinnerung rufen. Kennt ihr das Gefühl, was ich gerade beschreibe? Bei welchem Buch war das bei euch so?

Etappe 5: Teil Fünf, Sechs & Sieben und die Jahre 1921 bis 1939
So, gestern habe ich das Buch dann beendet und was soll ich sagen: Ein sehr emotionaler Ausgang, einer sehr emotionalen Reise, die mich die letzten 10 Tage begleitet hat. Das Ende des Buches wirkte auf mich nicht sonderbar hastig geschrieben, natürlich laufen die Jahre etwas schneller ab und es werden auch einige Jahre (aus dramaturgischen Gründen) umgangen, al das kommt aber am Ende wieder zusammen und bietet einen sehr toll gestalteten Ausgang des Werks. Ich muss sagen, dass mich die Autorin, die Geschichte, die Charaktere als auch die Figuren komplett überzeugt haben und ich wirklich sehr, sehr traurig bin, dass die Geschichte jetzt zu Ende ist... ich habe mir sogar schon überlegt, Bronia's Tagebücher zu lesen (bis 1914 sind diese nämlich in einem Band veröffentlicht).

HIER geht's zur abschließenden Rezension des Buches - Danke, dass ihr mitgelesen habt. Bis zum nächsten #LIVE-Leseeindruck (:
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