LIVE-Album-Rezension: "In Winter" von Katie Melua

Aus diesem Album kenne ich wirklich noch gar nichts. Überhaupt kenne ich - zumindest glaube ich das - von der Sängerin nicht wirklich viele (wenn überhaupt einen) Songs. Trotzdem habe ich mich dazu entschlossen, ihr Weihnachtsalbum anzuhören, denn es hat ein so schönes Cover, da muss es doch einfach gut sein, oder? Ja, mein Cover-Fetisch hat wieder zugeschlagen und ich bin total verfallen, aber hey, jeder hat ja ein Laster :D Die Rede ist von Katie Melua, die ja besonders beim deutschen Publikum eine treue Fanbase hat und die nun, gemeinsam mit dem Gori Women's Choir, ein Weihnachtsalbum mit dem Titel "In Winter" aufgenommen hat. Ein Mix aus winterlichen Klängen und klassischen Weihnachtssongs - wenn man den unzählichen Stimmen Glauben schenken darf. Ich habe richtig Lust auf die CD und starte deshalb sofort mit dem Anhören!


1. "The Little Swollow"
Oh Wow, das ist das Stück aus Kevin Allein Zuhaus - was der Chor in der Kirche singt, aber diesmal auf einer anderen Sprache, wohl auf Georgisch, weil der Chor aus Georgien stammt, oder? Ein wunderschöner Einstieg, der engelsgleich daherkommt und sofort in seinen Bann zieht - leider ist das alles recht kurz, nach circa 1, 5 Minuten ist der Spaß nämlich schon wieder vorbei. Da hätte man noch einmal mehr den Refrain singen können, aber seisdrum, ich finde den Anfang schonmal wunderschön verträumt. Katie hört man hier an sich gar nicht so sehr raus, nur an einer Stelle meine ich sie durchzuhören - das könnte aber auch jede andere Sängerin sein.

2. "River"
Jetzt kommt Katie mit einer wunderschönen akustischen Nummer, die davon handelt, dass jeder in Weihnachtsstimmung kommt, man überall Weihnachtssongs hört und die ganze Welt seelich wird, doch Katie kann das alles gar nicht nachvollziehen. Sie hätte lieber einen Fluss, auf dem sie davontreiben kann und dem ganzen Treiben entkommen könnte. Ich habe sofort Katie im Kopf wie sie auf einem Fluss Schlittschuh läuft. Sehr stimmungsvoll und ja, auch etwas traurig, aber das passt zum Winter ja auch irgendwie. Ganz, ganz toll!

3. "Perfect World"
Genauso stimmungsvoll und emotionale geht es weiter: "Perfect World" handelt von einer Person, die sehr behutsam, emotional und grazil ist und die deshalb eine perfekte Welt verdient hätte. Katie ist jetzt bereits das zweite Mal etwas kritisch, wie ich finde. In "River" hat sie noch davon gesungen, dass die Welt Bäume abholzt und Tiere schlachtet und dann meint, über Frieden singen zu müssen - und hier singt sie über eine Person, die so gutmütig ist, dass sie gar nicht weiß, ob sie die Welt verdient hätte. Diese leichte, unterschwellige Kritik, die man wahrnimmt, gefällt mir recht gut und zerstört überhaupt nicht die Stimmung der Platte bis jetzt. Ich habe vielmehr Respekt vor so viel Mut zur Wahrheit. Musikalisch ist das ganze wirklich super arrangiert und der Chor unterstützt Katie wirklich sehr, in dem er eine sehr atmosphärische Stimmung schafft.



4. "Cradle Song"
Es folgt ein weiterer Song, der nur vom Chor gesungen wird. Das alles wirkt natürlich wie in einer wunderschönen Kirche an Heilig Abend, in dem ein Chor Weihnachtssong zum Besten gibt. Ich mag diese Einschübe sehr, mache mir jetzt aber schon Sorgen, da die LP ja bloß aus 10 Liedern besteht und wenn dann jedes dritte eine kurze Chorsequenz ist, dann habe ich es ja sofort zu Ende gehört :D Trotzdem muss man sagen: Wunderschön gesungen und die Stimmung, die man hier kreiert, ist einfach einzigartig!

5. "A Time to Buy"
Und wieder wird Katie kritisch: Sie erzählt von einer Frau, die in einem Shopping Center steht und gar nicht mehr weiß, was sie hier wollte. Sie weiß aber, dass sie sich all das, was sie wollte, gar nicht leisten kann. Gleichzeitig soll sie natürlich genug Geld haben, um unzählige Charities unterstützen zu können und auch sonst, muss natürlich alles so gekauft werden, dass das Weihnachtsfest perfekt wird. Ich muss sagen, ich finde es ja toll, wie ernst man hier mit dem Thema Weihnachten umgeht und wie gesellschaftskritisch Katie sich hier äußert - aber die Weihnachtsstimmung geht dadurch etwas verloren. Damit ist "In Winter" vielleicht kein Album, welches man sich an den Feiertagen anhören könnte, aber vielmehr eins, dass einem schöne Stunden in der Winterzeit bescherrt, wenn man mal etwas reflektieren möchte.

6. "Plane Song"
Na, um was geht es wohl in diesem Song? Natürlich, um eine Flugzeugreise. Musikalisch präsentiert Katie wirklich 100 % und liefert ganz authentische Kompositionen, die wirklich unter die Haut gehen. Durch den Chor wirkt einfach alles sehr emotional und die Liebe zum Detail hört und spürt man wirklich sehr. Ich sitze hier teilweise mit geschlossenen Augen und genieße einfach den Klang der Stimmen und die musikalischen Details.

7. "If You Are so Beautiful"
Schon wieder eine andere Sprache, ich vermute wieder Georgisch und es ist einfach nur WUNDERSCHÖN. Katie wirkt sehr bei sich angekommen und sehr authentisch. Das tut sie natürlich bei den anderen Tracks auch, aber man ist einfach überrascht, erwartet man doch bei dem Titel eine Englische Nummer. Schön, dass uns die Sängerin hier so überrascht und mal mit etwas vollkommen anderem überrascht. Die Sprache verleiht dem Song einen etwas anderen Touch als die bisherigen Songs und gehört deshalb wohl auch mit zu meinen Favoriten. Hier sollte man unbedingt mal reinhören.

8. "Dreams on Fire"
Diesen Song kannte ich vorher bzw. habe ich ihn einmal bei YouTube angehört und war sofort in den Bann des Chores und der Sängerin gezogen. Denn "Dreams on Fire" vereint die Einlagen des Chors und die Stimme von Katie perfekt, weshalb es absolut Sinn macht, dass man sich dazu entscheiden hat, diesen Track noch vor Album-Release zu veröffentlichen. Das dazugehörige Video passt im Übrigen perfekt zu der Stimmung des Tracks bzw. des Albums - schaut auf alle Fälle da mal rein (:


9. "All-Night Vigil - Nunc Dimittis"
Wieder hören wir die Magie einer anderen Sprache, die fremd und gleichzeitig heimisch wirkt. Katie sollte wirklich öfter mal anderssprachige Titel aufnehmen, denn es steht ihr wirklich gut. Man versteht kein Wort, doch man nimmt die Stimmung und die Emotionen wahr. Gänsehaut ist dadurch vorprogrammiert und der Chor scheint besonders auf diesem Track besonders gut hervorzukommen. Wer hier keine Gänsehaut bekommt, ist selber Schuld.

10. "O Holy Night"
Nun zu einem Klassiker, den wohl alle kennen werden: "O Holy Night" (zu Deutsch "Stille Nacht") gehört wirklich zu jedem Weihnachtsfest dazu. Katie verleiht dem ganzen allerdings eine völlig individuelle Note, weshalb man den Track besonders in der Strophe fast gar nicht wiedererkennt. Schön, dass man sich die Mühe gemacht hat, eine wirklich eigene Version des Stückes abzuliefern. Hier erhält man die Weihnachtsstimmung, die man eventuell am Anfang der Platte vermisst hat. Damit schließt sich für mich der Bogen und ich bin zufrieden. Sehr sogar. Und jetzt höre ich auf zu schreiben und genieße.


Mein Fazit:
Ich hatte wirklich gar keine Erwartungen, denn Katie Melua sagt mir zwar was vom Namen, aber ich habe mir noch nie ein Album von ihr angehört. Trotzdem wollte ich "In Winter" unbedingt anhören, denn ich bin wirklich ein großer Fan von guter Weihnachtsmusik. Das Album bietet genau das und noch viel mehr: Es entführt in seine ganz eigene Welt und hat durch die Mitwirkung des Chores wirklich einen ganz besonderen Charakter. Dabei handelt es sich aber nicht um ein 0815-Weihnachtsalbum, welches einfach traditionelle Songs covert. Nein, nein. Katie äußert sich im ersten Teil durchaus kritisch, zeigt aber dann auch, dass das Weihnachtsfest eben auch schöne Seiten hat. Musikalisch ist dabei aber alles ruhig, besinnlich und reflektiert und kommt deshalb auch ganz einzigartig rüber. Im ersten Teil habe ich gesagt, dass ich das Album nicht unbedingt an Weihnachten hören würde, doch ich muss jetzt sagen: Oh doch, das werde ich. Auch wenn manche Songs kritisch sind, vom Stil her passen sie doch gut zu den Feiertagen und ich bin froh, dass ich dem Album eine Chance gegeben habe. Wer also wirklich gut produzierte Tracks haben möchte, mit einer etwas anderen Note und ganz viel Individualität, der macht mit "In Winter" wirklich nichts verkehrt.


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