Track by Track-Album-Rezension: "HERE" von Alicia Keys

Ich kann nicht behaupten, dass ich Jahre auf dieses Album gewartet habe. Und auch nicht, dass ich jetzt mega der Fan bin. Aber Alicia Keys-Alben hört man sich einfach an. Weil sie gut sind. Mehr als das. Weil sie mutig sind. Und weil sie qualitativ eben zu den hochwertigsten Werken gehören, die man sich vorstellen kann. Es gibt kein Album, welches ich nicht als gut empfand. Vielleicht habe ich sie mir nicht so häufig angehört wie andere Longplayer, aber sie haben immer einen speziellen Platz bei mir eingenommen - meistens, weil sie zu einer bestimmten Zeit in meinem Leben gepasst haben. Und zwar immer zu einer Zeit, die mich geprägt hat. Bereits der Track "In Common" befand ich als Meisterwerk, unterschied er sich doch von so ziemlich allen anderen Songs, wie kein anderer. Denn mal ehrlich: Habt ihr solch einen Sound schon mal gehört? Also ich nicht. Als dann der zweite Song "Blended Family" auf den Markt kam und ich diesen ebenso für toll abstempelte, war mir klar: "HERE" muss ich mir sofort anhören. Und das tue ich jetzt - Lied für Lied, gemeinsam mit euch, wenn ihr denn wollt. Also besorgt euch das Album (auf iTunes, Spotify oder als physische Version) und los geht's! Hören wir zusammen Alicia Keys!


01. "The Beginning (Interlude)"
Ruhige Klavier-Klänge, ein schweres Atmen im Hintergrund. Alicia spricht davon, dass sie voller Energie ist, auf der Schwelle der Veränderungen in ihrem und unseren Leben und wenn man sie nicht reinlässt, verwandelt sie sich in eine knallende Rakete, die man am Ende der Party zündet. All das klingt hoffnungsvoll, fröhlich und macht richtig Lust auf die kommenden Songs. Seien wir gespannt.

02. "The Gospel"
Alicia rappt in den Strophen fast und erzählt von den schweren Bedingungen, denen man als Farbiger im Ghetto ausgesetzt ist. Man geht arbeiten, gibt alles, nur um seine Kinder über Wasser halten zu können. Für was, fragt die Sängerin dabei und legt all ihren Schmerz in ihre Worte, dabei ist die musikalische Untermalung allerdings trotzdem fröhlich und passt fast gar nicht zu der Geschichte, doch das soll wahrscheinlich darstellen, dass es eben doch einen Weg gibt, aus dem Ghetto zu entkommen und seine Träume zu verfolgen. Der Refrain ist dann wirklich wie ein Gospel aufgebaut, Alicia singt vor und fordert vom Chor ein "Yeah Yeah" - authentisch und glaubwürdig.



03. "Pawn It All"
Es bleibt bei diesen Gospel-artigen Sounds, allerdings wird es aber etwas schneller. Es geht um die Emanzipation, um das Kämpfen für seine Träume und das An-sich-selbst-Glauben. Dabei hört man den Soul heraus, die RnB-Wurzeln und den ursprünglichen Gospel, den man mit den 50s und 60s verbindet. Ich habe wirklich fast Gänsehaut bekommen, wenn ich nicht so mitjammen würde, wie ich es tue. Live muss dieser Track einfach ganz wundervoll sein.

04. "Elaine Brown (Interlude)"
Diesmal hören wir eine Rede einer Frau, die sich um die Diskriminierung Schwarzer in Amerika dreht. Es geht darum, für seine Kultur Stolz zu empfinden und sich für diese nicht zu schämen. Thematisch erinnert mich das an "A Seat at the Table" von Solange, welches ich ja total gefeiert habe. Dabei berichtet Mr. Brown, dass RnB, Sould und HipHop die Lyrik der Straße wären. Das alles ist wirklich sehr tiefsinnig. Und lässt auf einen großartigen Song im Anschluss hoffen.

05. "Kill Your Mama"
Der Track baut auf einer simplen Gitarrenbegleitung und dem Gesang von Alicia Keys auf und wirkt deshalb sehr bodenständig. Wieder rappt Alicia in den Versen und bricht dann im Refrain erst so richtig aus. Hier spürt man den Ärger, die Wut und auch die Verzweiflung. Es geht darum, den Schmerz der Mutter zu respektieren und sie zu ehren, wie es sich gebührt. Denn wenn man seine Mutter umbringt, bringt man den einzigen Menschen  um, der einen liebt. Insgesamt tiefsinniger Song, der aber nicht ganz so leicht zu verdauen ist.

06. "She Don't Really Care_1 Luv"
Thematisch bleibt es bei der Vergangenheit von Schwarzen in der Bronx in New York, diesmal kommt man allerdings im RnB-Gewand daher. Dieser Sound erinnert mich etwas an "The Element of Freedom", was ich als sehr interessantes Album bezeichnen würde, war doch das Thema von Freiheit musikalisch wirklich großartig umgesetzt. Auch hier wirkt es interessant, allerdings muss man wirklich verstehen, um was es geht. Gegen Ende merkt man einen 2000er-Einfluss, denn manche mögen, andere dagegen als zu verstaubt betrachten. Ich finds ganz gut, aber nicht mega toll. Oh, als ich gerade dachte, der Track endet, kommt nun wohl ein zweiter Teil des Songs. In diesem singt Alicia für mich das erste Mal so, wie man sie kennt. Ahhhhh, jetzt verstehe ich es. "She Don't Really Care" ist ein Song und "1 Luv" ist quasi ein anderer, aber dazugehöriger Track. Ich verstehe es. Diese Aneinanderreihung wirkt fast wie Kunst. Sehr einzigartig und ungewohnt.

07. "Elevate (Interlude)"
In diesem Interlude geht es um das Weiterkommen, das Wachsen und die Weiterentwicklung seiner Handlungen, Einstellungen und Glaubensansätze. Ich muss sagen, dass ich bis jetzt noch warte, dass es so richtig los geht. Ob das (nach 7 Tracks) bald geschieht?

08. "Illusion of Bliss"
Uhhh, jetzt wirds soulig - ENDLICH! Mhm. Mehr als "Aiaiaiai" und "Illusion of Bliss" kommt leider nicht. Ich weiß gerade nicht, aber meine Stimmung scheint umzuschwanken. Am Anfang war ich noch total aufgeregt und wollte wissen, wie Alicia klingt und jetzt stelle ich irgendwie fest, dass mich kein Song so richtig umhaut. Mir fehlt die Dynamik, die ich beispielsweise bei "Girl on Fire" so bewundert habe. Ob das noch kommt? Zumindest zeigt sie in diesem Track ihre geniale Stimme, was mich noch interessiert zuhören lässt. Der Song steigert sich zum Ende hin und könnte mich zu einem zweiten Anhören bewegen.

09. "Blended Family (What You Do For Love)"
Jetzt kommt die offiziell zweite Single des Albums und diese trifft wieder genau meinen Geschmack. Emotional, wunderschön gesungen mit ernsthaftem Text. "Blended Family" erzählt davon, dass man für seine Familie alles tun würde, auch wenn es nicht immer einfach ist und es ab und zu wirklich Stress gibt. Das ist einfach so authentisch und musikalisch gut umgesetzt, dass der Track wirklich zu meinen Favoriten gehört und der erste Song ist, der mich gänzlich überzeugt. Gut, "The Gospel" und "Pawn It All" als auch "Kill Your Mama" und "Illusion of Bliss" waren ganz gut, aber "Blended Family" haut einfach total rein.


10. "Work on It"
Uhhh, soulig und genauso schön geht es weiter. Man konzentriert sich auf den Gesang und macht die Produktion darum herum. Das ist Alicia wie wir sie kennen und lieben. Dabei ist der Hall, die Männerstimme, die den Titel ständig wiederholt und der Chor im Hintergrund wirklich passend und verleihen dem ganzen etwas sehr einzigartiges. Wegen solcher Songs höre ich Alicia Keys!

11. "Cocoa Butter (Cross & Pic Interlude)"
In diesem Interlude geht es um die Tatsache, das niemand perfekt ist. Denn Dehnungsstreifen meine lieben Damen, sind die schönsten Streifen, die man nach einer Schwangerschaft haben kann ;-)

12. "Girl Can't be Herself"
Hier besingt Alicia Keys, warum sie sich entschieden hat, kein Make Up in der Öffentlichkeit mehr zu tragen. Denn dies würde vermitteln, man müsse irgendwie aussehen. Es würde sie traurig machen, wenn Mädchen nicht mehr sie selbst sein können. Das alles kommt in einem sehr fröhlichen Gewand daher und ist für mich ein weiterer Highlight-Songs des Albums. Alicia hat also (zumindest so der Eindruck jetzt) die Kurve gekriegt. Puh.

13. "You Glow (Interlude)"
Zu diesem Interlude kann ich eigentlich nichts schreiben, so schnell es begonnen hat, so schnell war es wieder vorbei :D

14. "More Than We Know"
Auch dieser Song ist so eingängig wie die vorherigen Tracks. Ich entspanne mich, höre einfach nur zu und genieße es. Alicia Keys erzählt ihre ganz eigene Geschichte mit dieser LP und dazu gehören eben Interludes (von denen ich eigentlich kein Fan bin) als auch hier und da einzigartige Produktion und außergewöhnliche Klänge. Aber haltet durch - "HERE" wird zum Überraschungspaket, glaubt es mir!

15. "Where Do We Begin Now"
Es geht etwas mehr in die HipHop-Richtung. Die Beats werden harter, trotzdem bleibt (natürlich) das Klavier bestehen, aber insgesamt ist es ein sehr elektronischer Sound. Im Refrain singt Alicia Keys und zeigt, was sie kann. In den Strophen dagegen scheint sie fast zu flüstern und ihre rauchige Stimme in das Zentrum zu stellen. Der Track gefällt mir ganz gut, obwohl er nicht so eingängig ist wie die vorherigen Songs. Aber gut.

16. "Holy War"
Simpel und akustisch geht es weiter: "Holy Water" schraubt alles zurück und setzt wieder auf akustische Klänge gepaart mit Alicia's Stimme. Dabei besingt die Sängerin, dass man mehr lieben, sich weniger zurückziehen und dafür mehr auf sein Herz hören sollte. Kein Hass, keine Intoleranz und keine Diskriminierung mehr. Wenn man das erreichen könnte, wäre die Welt ein besserer Ort. Recht hat sie. Und musikalisch gehört das zu den Höhepunkten von "HERE".

17. "Hallelujah"
Ohhh, Klavier und Gesang. Diese Kombination liegt Miss Kiss fast am besten, wie ich finde. Oh wow. Der Refrain packt einen und lässt einen nicht mehr los. Dieses Stampfen im Hintergrund. Was für ein Aufbau. Was für eine Stimme. Und was für grandiose Lyrics. Hier stimmt wirklich alles, ein Rätsel warum dieser Track nur auf der Deluxe-Variante zu finden ist. Das hätte gern auf der normalen Edition drauf sein können. Wobei, ich glaube in Deutschland gibt es nur eine Version und die schließt "Hallelujah" (GOTT SEI DANK) mit ein.



18. "In Common"
Und nun zu "In Common". Diesen Track kenne und liebe ich. Die Produktion ist einfach so einzigartig, so modern und trotzdem so klassisch, aufgrund der Stimme der Sängerin - als Fan muss man die Kombination einfach lieben. Und das tue ich. Und die Geschichte von einem Paar, die so viel gemeinsam haben, dass Alicia denkt, dass der andere einfach genauso einen an der Klatsche haben muss wie sie, ist einfach großartig! Großes Kompliment für's Songwriting an dieser Stelle zu diesem Song.



Fazit:
Puhhh, was denke ich nun nach knapp einer Stunde mit Alicia Keys. Es ist ein sehr eigensinniges und nicht ganz so eingängiges Werk wie dessen Vorgänger es waren. Alicia erzählt einfach Geschichten aus ihrer Kultur, aus ihrer Vergangenheit und Gegenwart und experimentiert dabei mit den verschiedensten Sounds und Produktionen. Das führt dazu, dass vieles überraschend neu ist, aber eben auch, dass man sich bei vielen Songs nicht sicher ist, wie man sie denn nun finden sollte. Ich habe das Gefühl, man muss sich die LP mehrmals anhören, um alles zu verstehen, um sich an den Aufbau zu gewöhnen und die Songs so wertschätzen zu können, wie sie es tatsächlich verdienen.

Die erste Hälfte konzentriert sich wirklich darauf, eine wirklich ehrliche, harte und emotionale Geschichte zu erzählen. Wer darauf eben keine Lust hat, der wird sich schnell am Sound stoßen und unzufrieden ausschalten. Wer allerdings bereits ist, sich auf diese Reise einzulassen, der wird am Ende belohnt und zwar mehrfach. Zum einen werden die Songs viel eingängiger, zum anderen erwartet einen auf der zweiten Hälfte Songs, die so viel Spaß machen, dass man das anfänglich gespalteten Gefühl schnell vergisst und die Intention dahinter versteht.

Definitive Anspieltipps sind daher, um sich erstmal an das Album anzunähern:

  • "The Gospel"
  • "Pawn It All"
  • "Blended Family"
  • "Girl Can't Be Herself"
  • "Holy War"
  • "Hallelujah"
  • "In Common"

Von mir gibt es aber erstmal 4/5 Punkte, welches sich hoffentlich in den nächsten Tagen noch ändern wird und ich auf 5 Punkte erhöhen werde (:
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Kommentare:

  1. Hey Benni!

    Das finde ich ja richtig cool, dass du auch Alben vorstellst und die Songs beschreibst! Super Idee! Und deine Umsetzung gefällt mir auch richtig gut. Ich denke auch, dass man mit einem Alicia Keys Album nichts verkehrt machen kann, denn mit dem Namen verbindet man Qualität ;) Auch wenn ich persönlich mehr auf die Ohrwurm-Songs stehe und somit nicht jeder Song auf meiner Playlist landet :)
    Ich bin durch die Zeilenspringer Aktion auf deinem Blog gelandet und gleich mal als Leser geblieben :-)
    Würde mich freuen, wenn du auch bei mir vorbeischauen würdest.
    http://skyline-of-books.blogspot.de/

    Liebe Grüße,
    Laura

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  2. Hey Laura (:
    Danke dir! Ich liebe Musik und Bücher einfach, deshalb stelle ich auch beides vor (: Ja, wenn du auf die Ohrwürmer stehst, dann machst du mit den Anspieltipps alles richtig (:
    Ohhhh, das freut mich! Ich schau gerne bei dir vorbei und folge dir (:

    Liebe Grüße,
    Benni

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