SPOT ON: Solange - "A Seat at the Table"

Ich hocke hier und habe mir jetzt schon seit Tagen den Kopf darüber zerbrochen, ob ich zu diesem Album eine Rezension verfassen und veröffentlichen soll oder nicht. Denn das Problem ist, dass ich nichts zu den einzelnen Titel sagen kann. Jop. Gar nichts. Weil ich sie gar nicht als einzelne Tracks, die irgendwann mal vielleicht zu Singles werden, ansehen kann. Nein. Dafür sind sie viel zu stimmig, viel zu passend und viel zu verwurzelt als gemeinsames Paket. Von welchem Album ich spreche? Von "A Seat at the Table". Ein Album, welches von der Sängerin Solange veröffentlicht wurde. Und jetzt alle so: "Wer um alles in der Welt ist Solange?". So hätte ich wahrscheinlich auch reagiert wenn ich von der Sängerin irgendwo gelesen hätte. Dabei ist sie gar nicht so unbekannt, wie es wirkt. Es ist nämlich niemand geringeres als die kleine Schwester von Beyoncé. Jop, der Beyoncé. Queen of so ziemlich alles. Und die Person mit der das berühmte Fahrstuhlvideo rund um Jay-Z und Beyoncé entstanden ist.


Im Moment gibt es in den USA wohl kein anderes Album, über das so viel gesprochen wird wie über dieses hier. Nicht, weil Solange so eine große Fanbase hätte. Sondern aus mehreren Gründen: Zum einen ist sie die kleine Schwester von Beyoncé, weshalb sie es von Grund auf schwerer hat als die Queen. Denn Beyoncé könnte nicht erfolgreicher sein. Ein Nummer 1-Album nach dem anderen, Top10-Singles, ausverkaufte und von Kritikern gelobte Tourneen und eine Promotion wie kein anderer Künstler weltweit. Das alles, was ihre Familie musikalisch dann so rausbringt, natürlich sofort mit ihr verglichen wird ist nur normal. Mehr noch, wenn es eine junge Frau ist, die sich auch im RnB/Pop/Mainstream-Genre versucht. Solange könnte ein Lied davon singen. Die Sängerin veröffentlichte nämlich bereits ein Album, welches kommerziell floppte und Kritiker in der Luft zerrissen. Solange gab nicht auf, veröffentlichte ihr nächstes Album und heimste erste Erfolge ein: Das Album platzierte sich auf Platz 9 der US-Album-Charts und auch die ausgekoppelten Singles konnten charten. Danach wurde es leise um die Sängerin, es gab wohl private Veränderungen und auch beruflich änderte sich einiges: Solange stieg aus ihrem Plattendeal aus, gründete ihr eigenes Label und veröffentlichte ihre erste eigene EP, völlig unter eigener Regie.

Und jetzt veröffentlichte sie ihr 3. Studioalbum unter diesem Label. Darauf aufmerksam geworden bin ich durch etwaige Social Media-Posts von Künstlern wie Drake oder Beyoncé. Diese teilten Stolz die LP und schrieben, es wäre ein künstlerisches Meisterwerk. Sofort war ich neugierig und wollte wissen: Kann Solange sich von ihrer Schwester abheben und etwas kreieren, was sich völlig abhebt? Und die Antwort: Ja, das kann sie. In "A Seat at the Table" begleitet man die Sängerin durch politische und gesellschaftliche Diskussionen rund um die Frage, ob wir am Ende nicht doch alle gleich sind. es geht besonders um die Diskriminierung Farbiger in Amerika und den Erfahrungen verschiedener Protagonisten, die ihre Anekdoten aus dem Alltag erzählen, die Solange dann davor und danach in Musik hüllt und ihre Geschichten somit den emotionalen Touch verleiht. Es geht um verletzte Gefühle, schwierige Zeiten und den Stolz, den die Personen empfinden und fordern. Es sollte das Normalste der Welt sein, man selbst zu sein ohne sich dafür schämen zu müssen. Dieser Inhalt trifft, geht ans Herz und lässt einen nachdenken und reflektieren. Denn mehr denn je, braucht es Toleranz und Verständnis in unserer Welt.

Musikalisch finden wir dabei alles, was man sich nur vorstellen kann. RnB-Sounds, Pop-Vibes, progressive Töne und ganz viel modernes Allerlei, dass sehr frisch, hochaktuell und trotzdem eingängig wirkt. Es scheint fast so, als dass Solange vornehmlich ihre Geschichten erzählen möchte und deshalb auf große Beats oder eingängige Radio-Sounds verzichtet. Schon der Einstiegstrack "Rise" ist einfach so fasziniert, eingängig und selbstbewusst, dass man leicht in die Welt eintaucht und sich immer tiefer hört. Jeder Track überzeugt, ist anders und besticht durch ungewöhnliche Themen, Sounds oder Gesangsparts. Besonders großartig ist dabei der Gastbeitrag von Lil Wayne auf "Mad", als auch alle anderen Gastbeiträge verschiedener Musiker. Subtil und dennoch hochklassig. Ganz großes Kino!

Nach alldem ist klar: Das hier ist keine klassische Album-Empfehlung. Denn ich sage nicht, dass es ein Album ist, welches man sich am Morgen auf dem Weg in die Arbeit anhören soll, wenn man einfach nebenbei Musik hören möchte. Nein, denn dafür ist das Album viel zu schwer, viel zu ernst und viel zu künstlerisch. Es verdient die volle Aufmerksamkeit des Zuhörers und muss als Kunstwerk wahrgenommen und wertgeschätzt werden. Und genau deshalb begeisterte mich diese Platte ab dem ersten Hören. Weil sie anders ist, als alles, was zur Zeit so veröffentlicht wird. Und das ist wirklich sehr erfrischend. Erfrischend mit einem wichtigen Kern, den man nur immer wieder wiederholen kann: Für mehr Toleranz. Für mehr Verständnis. Für mehr Gemeinsamkeit als Unterschied.

Come and have a seat at Solange's table. It'll be worth it!


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