Album-Rezension: FRIDA GOLD - "Alina"

Herzlich Willkommen zur #LIVE-Album-Rezension von "Alina", dem dritten Studioalbum der Band FRIDA GOLD! Nachdem eigentlich ihr erstes Englischsprachiges Album "FRIDA GOLD" im Jahr 2015 anstehen sollte, zog sich die Band kurzerhand zurück und ging nochmal auf Entdeckungstour. Ergebnis: Deutschsprachige Songs, umgeschriebene Titel und ein komplett neues Tracklisting für das - wie sie selber sagen - persönlichste Album der Band. Sängerin Alina und Produzent Andi wollten auf die Fans hören, die von "Run Run Run" so gar nicht begeistert waren und wagen jetzt einen neuen Versuch. Bekannt sind schon die Tracks "Wir sind zuhaus" und "Langsam", die ich beide bereits in verschiedenen Single-#Updates vorgestellt habe. Für alle Hardcore-Fans gab es auch Anfang dieser Woche einen Live-Stream auf Facebook, bei dem der Song "Zurück zu mir" vorgestellt wurde. Ich habe mir den Stream angeschaut und war vom Sound wirklich beeindruckt. Mal gucken, ob diese Reaktion auch das dazugehörige Album entlockt!

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Es ist 11 Uhr, wir können starten! Begeben wir uns also auf die Reise mit und von "Alina".


01. "Andi's Song"
Es geht emotional los. Wir FRIDA GOLD-Fans wissen, waren die Sängerin Alina und der Produzent Andi eine Zeit lang ein Paar, hatten sich dann aber getrennt und sind nun beste Freunde, die für ihren Traum zusammen kämpfen. Und genau darum geht es in dem Song. Dieser ist akustisch gehalten: Klavier, Gitarre, leichtes Schlagzeug in der Bridge. Ein paar Streicher und sonst konzentriert man sich auf die Geschichte des Songs. Eine sehr authentische Sache, die mich persönlich an die akustischen Umsetzungen des zweiten Albums "Unsere Liebe ist meine Religion" erinnert, welches ja als Live-Album wiederveröffentlicht wurde. Tolle Sache und ein sehr schöner, unaufgeregter Anfang!

02. "Burn the Boats"
Es wird etwas elektronischer, aber trotzdem nicht unbedingt schnell. "Burn the Boats" würde ich eher als Midtempo-Nummer beschreiben. Schönster Satz "Hab auf Gold gesetzt, auf Perfektion geschworen". Das zeigt auch das Ziel des Albums: Authentisch wirken, alles niederreißen, was zu plastisch, zu kommerziell und zu unpersönlich wirkt. Dabei gefällt mir der Inhalt wirklich sehr, allerdings kann mich der Sound jetzt nicht wirklich begeistern. Alles wirkt etwas durcheinander, zunächst elektronisch und dann in der Bridge kommt eine E-Gitarren-Solo. Das passt irgendwie nicht. Textlich also sehr stark, der Sound ist eher nicht so gut.

03. "Wir sind zuhaus"
Jetzt ein bekannter Track! "Wir sind zuhaus" wurde zurecht die 2. Single. Es zeigt bis zu einem gewissen Maße den FRIDA GOLD-Sound, den man kennt und wegen dem man sich in die Band verliebt hatte. Trotzdem habe ich ja schon einmal erwähnt, dass der Track mit vorherigen Singles "Zeig mir wie du tanzt", "Wovon sollen wir träumen" oder "Liebe ist meine Rebellion" nicht mithalten kann. Dafür hat er nicht dieses gewisse Etwas, was ein Top10-Hit braucht. Trotzdem höre ich ihn mir sehr gerne an, weil er einfach sehr poppig und leicht daherkommt. Fazit: Für Fans bestimmt wunderbar, für den "normalen" Musik-Hörer vielleicht zu glatt und zu nichtssagend.




04. "Ich hab Angst"
Okay. Bei dem Titel hatte ich mir eher eine emotionale Ballade vorgestellt und keine Midtempo-Nummer, die von Alina teilweise gesprochen wird. Ich schätze den Song, weil er dieses typische FRIDA GOLD-Songwriting hat und eben so gar nicht Mainstream ist. Andererseits begeistert es mich jetzt auch nicht so, dass ich hier sitze und ihn mir immer und immer wieder anhören möchte. Ein sehr gespaltetes Gefühl im Moment. Das Album hat bis jetzt zwei ganz, ganz starke Nummern und zwei eher mittelmäßige, die vielleicht erst beim zweiten, dritten Mal hängen bleiben oder vielleicht auch gar nicht. Mal gucken, wie es sich weiterentwickelt.

05. "Langsam"
GÄNSEHAUT! Dieser Track hat es mir einfach angetan und ist bis jetzt definitiv der Höhepunkt. Verletzlich, persönlich, authentisch und emotional ist das hier einfach ein PERFEKTER Song. Das ist die Qualität, die man von der Band gewohnt ist, denn ja, "Langsam" kann locker mit allen vorher erschienenen Tracks der ersten beiden Alben mithalten. Eigentlich hätte der Song in den Charts durch die Decke gehen müssen, denn er ist wirklich sehr, sehr gut. Jeder, der ihm keine Chance gibt, hat einfach wirklich selber Schuld!




06. "Rebel in Chanel"
Auf diesen Song war ich einfach vom Titel her schon TOTAL gespannt. Mal sehen, ob er diesen Erwartungen gerecht wird. Oh mein Gott, jetzt geht's ab! FRIDA macht Party und erzählt von einem Abend mit ihren "Schwestern". Selbstbewusst und mit ganz viel Spaß kommt nach "Langsam" gleich der nächste Höhepunkt. Sehr elektronisch, in den Strophen eher leiser (aber trotzdem noch so, dass man dazu tanzen kann) und im Refrain dann richtig viel Produktion. Wenn das keine Single wird, dann weiß ich auch nicht. Ich meine hier den Sound des Albums rauszuhören, welches wir eigentlich letztes Jahr hätten bekommen sollen. Denn zum Titel "Run Run Run" passt der Song auch total. Vielleicht hätte die Band das Album doch letztes Jahr veröffentlichen sollen, denn wenn die Songs auch nur einen Hauch von der Energie von "Rebel in Chanel" hatten, dann hätte es mich bestimmt begeistert. TOP!

07. "Zurück zu mir"
Es wird wieder poppiger. Während "Rebel in Chanel" wegen seiner sehr elektronischen Sounds total hervor gestochen hat, reit sich "Zurück zu mir" eher in den Sound von "Wir sind zuhaus", packt allerdings noch einmal eine Schippe Selbstbewusstsein und Mut dazu. Denn ich finde, dass der Song definitiv Mainstream-Elemente hat, allerdings auch so eine einzigartige Note, die begeistert. Die Produktion ist hier auf Höchstniveau. Schön, dass sich meine anfängliche Angst, dass Album würde nur aus mittelmäßigen Midtempo-Nummern bestehen, als falsch erwiesen hat.
Inhaltlich geht es darum, zu sich zurück zu finden, wenn einem alles zu viel wird. Mir gefällt's SUPER gut - der Text als auch der Sound.

08. "Himmel"
Es folgt eine Mischung der beiden Sounds, die man bisher präsentiert bekommen hat: Emotionale Lyrics und elektronische Beats. Beides bietet "Himmel". In den Strophen etwas langsamer und im Refrain dann die große Produktionspalette auspacken. Dabei gefällt mir besonders letzter Teil, die Strophen finde ich jetzt eher mittelmäßig. Dafür ist die Bridge wieder schön mit Wumps gemacht. Guter Album-Track, der vielleicht nicht der stärkste ist, aber eben auch nicht weh tut.

09. "Wer einmal lügt"
Es wird wieder ruhiger. "Wer einmal lügt" erzählt von einer gescheiterten Beziehung/Freundschaft und wird nur durch Gitarre begleitet. Dieser Sound passt dann wieder sehr zu den anfänglichen Songs "Andi's Song" und "Langsam". Allerdings fehlt mir hier die Eingängigkeit. Der Track ist nicht schlecht, aber begeistert mich eben nicht allzu sehr. Schön, aber kein Meisterwerk.

10. "DBNMMF"
Ah, "DBNMMF" ist die Abkürzung zu "Du bist nicht mehr mein Freund". Wieder elektronisch könnte der Track bereits für das Album 2015 geplant gewesen sein. Zumindest passt er vom Sound her zu "Rebel in Chanel" und "Run Run Run". Alina singt hier sehr selbstbewusst und man kauft ihr diesen Stil total ab. Er zeigt die Eigenart der Band und man kann sich gar nicht vorstellen, dass es diesen Song auf irgend einem anderen Album eines anderen Künstlers geben könnte. Denn es ist 100 % FRIDA GOLD, was man hier hört. Kein Hit in dem Sinne, aber interessant. Ob man sich den Track mehrmals anhören würde? Ich weiß es nicht. Er wird mir wahrscheinlich von diesem Album weniger im Kopf bleiben, auch wenn er nicht schlecht ist.

11. "In My Sleep"
Das ist doch mal eine atmosphärische Nummer. "In My Sleep" sticht total heraus, weil er trotz seines Midtempo-Charakters oder vielleicht gerade deswegen, auf eine Reise durch Alinas Gefühlswelt mitnimmt. Man versinkt in den Track und hört nur noch der Geschichte zu, die Alina besingt. Falls jemand auf ein Konzert geht, freut euch mal au diesen Track. Ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass er live einen Höhepunkt der Tour darstellt. Mir fallen gar keine Worte zum beschreiben ein. Nur ein Wort geht durch meinen Kopf: Atmosphärisch. Wunderschön. Ich genieße es.

12. "Run Run Run"
Nun wieder ein bekannter Song: "Run Run Run" wurde bereits im letzten Jahr als Single veröffentlicht, schaffte allerdings nicht den Einstieg in die Top100, was für die Band ein großer Misserfolg war, weshalb sie ja dann ihr Album noch einmal überarbeiteten. Dabei muss man allerdings sagen, dass die Songs, die dann veröffentlicht wurden ("Wir sind zuhaus" und "Langsam") auch keine Top100-Hits wurden. Ob sich also die Überarbeitung gelohnt hat, erfahren wir erst in ein paar Wochen. Wie dem auch sei, ich mochte "Run Run Run" von Anfang an, weil er irgendwie total nach Freiheit, Lebensfreude und Spaß klingt. Viele kritisierten ja, dass die Band auf Englisch singt, aber das war ja schon immer so ein FRIDA GOLD-Ding. Sie sangen größtenteils auf Deutsch, aber hier und da gab es auch viele englische Stellen. Mich hat das nie gestört, weshalb ich gar nicht so geschockt war, dass "Run Run Run" nur auf Englisch präsentiert wurde. Für mich also ein schöner Abschluss.



Fazit:
Was also ist mein Fazit? Ich muss sagen, dass ich wirklich hin und her gerissen bin. Einerseits LIEBE ich es, dass sich die Band dazu entschieden hat, alle Perfektionen in den Wind zu schießen und auf Emotionalität und Authentizität zu setzen. Songs wie "Andis Song", "Langsam" oder "In My Sleep" lösen Gänsehaut aus und könnten bei mir ständig laufen. Doch nicht nur diese Seite des Albums gefällt mir: Auch die elektronischeren, selbstbewussteren und teilweise poppigeren Sounds wissen mich zu begeistern: "Wir sind zuhaus", "Rebel in Chanel", "Zurück zu mir" und "Run Run Run" sind Songs, die mir persönlich Spaß machen und die ich mir auf jeden Fall öfter anhören werde.
Doch dann gibt es da die Nummern, die ich jetzt nicht sagenhaft finde, sondern ganz nett, aber halt nicht mehr. "Burn the Boats" oder auch "Ich hab Angst" waren halt ganz okay. Nicht mehr und nicht weniger. Vielleicht liegt das Problem auch daran, dass man das Gefühl hat, es gibt zwei Teile des Albums. Die persönlichen Songs und die "Wir wollen einen Hit"-Songs. Zumindest wirkt es so. Da hätte man lieber nur einen Ansatz verfolgt und diesen auch bis zum Schluss durchgezogen. Und persönlich und Hit schließen sich ja nicht kategorisch aus ;-)

Schlussendlich ist "Alina" ein sehr persönliches Album geworden, dass seine Höhepunkte durchaus findet, welches aber zeitweise auch im Midtempo-Brei abrutscht. Beim zweiten Mal hören stört es einen vielleicht nicht mehr ganz so sehr. Aber es geht ja oft um das erste Mal in der Musik und ob die Band damit neue Fans gewinnen kann, ist fragwürdig. Besonders schade ist es, weil man vom 2. Album eben weiß, dass die Band auch einen sehr guten Grad zwischen Experiment und Hits finden kann. Und im radikalen Vergleich mit den Album-Vorgängern muss man sagen: "Alina" reiht sich weit hinter diesen ein. Insgesamt gibt es von mir 3,5 von 5 Punkten, denn die Band ist mir durchaus sympathisch. Aber man muss eben auch ehrlich sein.


P. S.: Danke, dass ihr diese Live-Rezension gelesen habt! Nächsten Freitag um 11 Uhr findet bereits die nächste LIVE-Rezi statt: Dann zum neuen Album von OneRepublic, "Oh My My". Schaut doch vorbei, wenn ihr Lust habt (:


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