Deutscher ESC-Vorentscheid: Unser Song 2017 #Update2

Was ist nicht alles seit dem letzten #Update, welches gerade mal zwei Wochen her ist, passiert? Neues Infos zum eigentlichen ESC als auch eine ganze Reihe an Informationen zum deutschen Vorentscheidungskonzept im kommenden Jahr - da bietet sich ein neues #Update doch geradezu an. Während in den letzten Jahren alles recht chaotisch passierte, hat sich der NDR und die ARD wohl diesmal ordentlich Zeit genommen, früh über die nächsten Schritte nachgedacht und präsentieren uns nun einen Ansatz, der wohldurchdacht und geplant wirkt. Wie, was, wo erfahrt ihr jetzt hier!

© NDR

1. Unser Lied 2017
Unter dem Namen "Eurovision Song Contest - Unser Song 2017" findet am 9. Februar 2017 um 20:15 Uhr der 3-stündige deutsche Vorentscheid, natürlich wieder mit Barbara (Babsi) Schöneberger als die ARD-Domina (oder so), in Köln statt. Das Besondere? Es geht für die ARD und den Vorentscheid zurück in die erfolgreichste Phase des ESC in jüngster Geschichte... denn die Verantwortlichen wollen nämlich an die Erfolgsjahre 2010 bzw. 2012 anknüpfen. In diesen Jahren wurden Lena und Roman Lob in einer Castingshow entdeckt und erzielten beim Contest große Erfolge: Lena gewann 2010, schaffte einen hervorragenden 10. Platz in Düsseldorf, Roman dagegen einen wunderbaren 8. Platz in Baku. Um das zu wiederholen, wollen die Sender nun wieder frische, neue und noch unbekannte Sänger für ihren Vorentscheid. Wer will, kann sich über die Internetseite www.unser-song-2017.de mit einem Video bewerben und in Lenas und Romans Fußstapfen treten. Damit etabliert sich der Vorentscheid von den Labels, die in den vergangenen Jahren nur ihre Künstler und die dazugehörigen Alben promoten wollten und kein wirkliches Interesse an einem ESC-Erfolg hatten.
Die besten 30 werden im Anschluss zu einer Convention eingeladen, bei der sie ihr gesangliches Talent noch einmal unter Beweis stellen müssen. Daraus ermittelt dann ein Fachkreis die besten fünf Sängerinnen und Sänger.

© NDR
Webauftritt von "Unser Song 2017" - Bewerbt euch jetzt!
Doch nicht nur um die Künstler will man sich kümmern. Angekündigt wurde nämlich, dass man international und national nach Songs schauen würde, die ESC-kompatibel sind und die Massen begeistern können (ähnlich wie damals eben "Satellite" oder auch "Standing Still"). Hierfür stehen die Verantwortlichen bereits mit Produzenten aus Amerika, UK und Deutschland in Kontakt und arbeiten an passenden Tracks. Alle eingereichten Werke werden dann von einem Fachkreis bestehend aus ARD- bzw. NDR-Verantwortlichen, der Produktionsfirma Brainpool und Musikexperten begutachtet, bevor man sich für eine bestimmte Anzahl an Songs entscheidet. Im Anschluss sollen dann die fünf Künstler, die innerhalb des oben genannten Castings ermittelt wurden, die Songs interpretieren und entschieden werden, welche Songs am besten zu ihnen passen. Wie viele Songs das pro Künstler sein werden, ist noch nicht bekannt.

Diese geformten Pakete (Song XY + Künstler XY) treten dann in der Sendung am 9. Februar an. Diese wird aus vier Stimmrunden bestehen, in diesem treten die Sänger gegeneinander an. Es kann also sein, dass zwei Interpreten mit verschiedenen Songs aufeinander treffen und man dann entscheiden muss. Oder ein Interpret singt zwei verschiedene Songs und nur einer kommt weiter. Ihr seht: Alles ist offen und man konzentriert sich wirklich auf die Songs, nicht auf die Sänger. Diese interpretieren zwar, stehen aber nicht rein im Vordergrund. Begleitet werden sie übrigens von den Heavytones, also der "TV TOTAL"-Band von Stefan Raab.

© ProSieben
Die Heavytones im ehemaligen TV TOTAL-Studio
Und wer hilft uns zu entscheiden, welches Paket am erfolgreichsten in Kiew sein wird? Tjaja, auch hier gibt es einige Neuerungen. Denn wie schon 2010 gibt es eine nationale Jury bestehend aus der ESC-Siegerin 2010 Lena, dem nationalen Sweetheart Tim Bendzko und der ARD-Geheimwaffe Florian Silbereisen (ja, komisch, aber gut :D). Diese bewerten jeden Auftritt und geben ihre Meinung ab. Außer ihrer Meinung entscheiden die Juroren allerdings nischt - weder, welcher Act in die nächste Runde kommt, noch wer uns in Kiew vertritt. Sie haben nur eine beratende Tätigkeit und sollen ihre Gedanken wiedergeben, um den Zuschauer zu helfen, eine gute Wahl zu treffen. Neben dieser Jury gibt es allerdings auch eine internationale Instanz. Schon letztes Jahr bei "Unser Lied für Stockholm" arbeitete der NDR mit der Eurovision-App. Über diese konnte man beim Vorentscheid abstimmen (dies wird auch im nächsten Jahr der Fall sein). Nun erhalten internationale Zuschauer aus anderen Ländern ebenfalls die Chance, für ihren Lieblingsact zu stimmen. Denn über das internationale Stimmungsbarometer befragt man Zuschauer aus ganz Europa, welchen Song sie favorisieren und welche Gedanken sie zu den einzelnen Auftritten haben. Dies soll ebenfalls über die App möglich sein. Abstimmen können aber nur deutsche Zuschauer - der Gewinner wird durch 100 % Televoting und SMS aus Deutschland bestimmt.

© NDR
Die Jury für #UnserSong: Tim Bendzko, Lena & Florian Silbereisen!
2. Mein erster Eindruck
Mensch, da hat man ja alles geändert, was man ändern konnte: Keine etablierten Acts, keine Zusammenarbeit mit Plattenlabels, keinen Vorentscheid mit Wildcard oder Künstlern, die bald ein Album veröffentlichen - nüscht mehr ist gleich, nicht mal der Name ist geblieben. Aus "Unser Song für.../"Unser Lied für..." ist einfach "Unser Song 2017" geworden. Stattdessen geht man zur Castingshow zurück und erhofft sich, man findet wieder solche einzigartigen Persönlichkeiten wie Lena oder Roman. Prinzipiell keine schlechte Idee, aber ob man die selbe Begeisterung beim Publikum auslöst, wie man es damals bei den beiden genannten Acts geschafft hat, die sich über Wochen in einer Castingshow präsentieren durften und die Herzen der Zuschauer dadurch erobert haben? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Man läuft Gefahr, dass man einfach fünf Leute dahinstellt, sie Songs singen lässt und man sich dann als Zuschauer am Ende denkt: "Jo, ganz nett, aber halt nix besonderes". Aber gut, ich kann mich erinnern, dass mir Lena auch in der ersten Show positiv aufgefallen ist. Lassen wir uns also überraschen.

Überhaupt bin ich einfach sehr gespannt, was alles auf uns zu kommt. Denn was klar ist: Man kann das Konzept nicht beurteilen, wenn man nicht die Qualität der Songs kennt. Und genau darauf bin ich gespannt. Ich erhoffe mir nämlich, dass man eine große Bandbreite anbietet, also von der emotionalen Ballade zum Dance-Song, von dem geschichtenerzählenden Midtempo-Werk bis hin zum akustischen Erlebnis, usw., möchte ich wirklich ALLES hören. Einzige Sorge: Die Kandidaten werden ja von den Heavytones begleitet, weshalb es wohl schwer sein wird, einen elektronischen Dance-Song zu performen. Überhaupt finde ich das mit der Live-Band irgendwie nicht so toll. Obwohl es sich auch ganz gut anhören kann. Kommt halt auf den Song drauf an. Hier merkt man halt, dass man doch an 2010 anknüpfen möchte. Nach dem Motto: "Wenn es damals so geklappt hat, dann machen wir es halt wieder genau so".  Ob so ein Ansatz wirklich Sinn macht? Andererseits hörte sich "Taken by a Stranger" ganz gut an und der war auch eher modern und mit Beat produziert. lassen wir uns also überraschen! Außerdem hoffe ich, dass man die Kooperation mit den Universitäten und Filmhochschulen beibehält. Das war nämlich ein hervorrangender Ansatz!


Gut finde ich auch, dass man eine Jury dazwischenschaltet, denn diese Kommentare fand ich 2010 bzw. 2012 wirklich gut. Man hat viele Eindrücke erhalten und hatte das Gefühl, dass man einfach mehrere Meinungen hört und abwägen kann. Beispielsweise fand Steffi von Silbermond 2010 Lena mit "Satellite" nicht so geil, den Zuschauern war das aber egal und sie sollten Recht behalten. Dagegen war Babsi 2011 sofort von "Taken by a Stranger" begeistert und feierte den Track total (genauso wie die Zuschauer). Deshalb finde ich es einfach toll, eine Jury zu haben. Nicht, weil man seine Meinung davon abhängig macht, sondern weil man das Gefühl bekommt, es handelt sich hier wirklich um eine nationale Aufgabe, einen passenden Song zu finden. Ebenfalls toll finde ich das internationale Stimmungsbarometer. ENDLICH bindet man das Ausland ein, denn es gibt viele ESC-Fans, die den Vorentscheid ebenfalls gucken. Und auch hier: Man erhält Eindrücke, die man als Zuschauer einließen lassen kann, oder eben nicht. So wie man das gerade fühlt. Deshalb: Gute Ansätze, die hoffentlich auch gut ausgeführt werden.

Von allen Seiten lesen ich jetzt: "Oh Mann, warum ändert man wieder das Konzept?", "Warum gibt es kein deutsches Melodifestivalen?", "Warum wieder Casting?", "Warum keine etablierten Acts?"... mich nerven diese Fragen total, die ja Kritik impliziert. Ich sage euch ganz einfach, warum all das nicht geschehen ist: Weil es einfach nicht funktioniert hat. 2013 wollte man sich an eine Art Mello versuchen... mit ernüchterndem Erfolg. Und warum man das Konzept geändert hat ist klar: nach den letzten ESC-Jahren, die immer schlimmer wurden, brauchte es einfach was ganz Neues. Keine kleinen Verbesserungen, sondern richtige Veränderungen. Die haben wir jetzt bekommen und dafür sollten wir dankbar sein. Ja, es ist wieder ein Casting, aber eine andere Art dessen. Keine 0815-Show mit einem Sänger, bei dem es völlig egal ist, was er singt, sondern bei dem gerade der Song entscheidend ist. Und warum keine etablierten Acts? Naja, wer hätte nach dem Xaviergate denn noch Bock auf den ESC? Denn das würde ja heißen,möglicherweise seine Karriere aufs Spiel zu setzen... oder zumindest sein Image. Deshalb: Juhu, frischer Wind beim deutschen Vorentscheid. Hoffen wir, dass dieser das Resultat in eine gänzlich andere Richtung lenkt als die, der letzten Jahre!

Seit dem 23.09.2016 kann man übrigens Tickets für den deutschen Vorentscheid erwerben. Der Preis beträgt 35 €.

© NDR

#Update zum Eurovision Song Contest 2017:
© EBU
Auch beim eigentlichen Contest hat sich was getan: Die Verantwortlichen haben sich für Kiew als Austragungsort entschieden und haben die vorläufigen Termine 09., 11. und 13. Mai als Austragungsdaten nun fest bestätigt. Damit steigt das große Finale am 13. Mai um 21 Uhr in Kiew. Nämlich genau im International Exhibition Center, welches für circa 13.000 Menschen Platz bietet. Bisher haben 30 Nationen ihre Teilnahme bestätigt, ganz frisch Tschechien, Frankreich und Bosnien Herzegowina. Portugal kehrt nach einem Jahr Pause zurück.
Ich freue mich, dass es jetzt wirklich so richtig los geht. Die Länder sagen nach und nach zu, die ersten Vorentscheide werden angekündigt und allmählich gibt es immer mehr Gerüchte um mögliche Repräsentanten der einzelnen Länder. Interessant wird sein, ob Rumänien nach der diesjährigen Katastrophe wieder zurückkehrt (der rumänische Sender TVR konnte zuletzt seine Schulden an die EBU nicht zurückzahlen und wurde daher vom ESC 2016 ausgeschlossen).

+++Update+++Update+++Update+++Update+++Update+++

Stand vom 24.09.2016: Gestern Abend hat die EBU Rumänien zum Eurovision Song Contest 2017 zugelassen, weshalb davon auszugehen ist, dass das Land nach einem Jahr Pause wieder zurück in den Wettbewerb kehrt - mich freut das sehr! Mittlerweile haben 35 Länder zugesagt, erst kürzlich haben Aserbaidschan, Montenegro und Österreich ihre Teilnahme bestätigt. Enttäuscht hat mich allerdings, dass Österreich 2017 beschlossen hat, seinen Act intern zu wählen. Schade, denn der Vorentscheid 2016 gefiel mir von den DACH-Ländern (Deutschland, Schweiz und Österreich) am besten! Das System war durchdacht, die Show klasse, die Performances überdurchschnittlich gut und die Siegerin zauberhaft. Eigentlich ein toller Start, um einen dauerhaften Wettbewerb zur Tradition zu machen und sich Jahr zu Jahr zu verbessern. Doch sind wir mal gespannt, was uns der ORF bietet, war die letzte interne Wahl goldrichtig - der Sender gewann schließlich mit Conchita und ihrem "Rise Like a Phoenix" den ESC 2014.

Vielleicht noch interessant, wer noch nicht zugesagt hat, denn darunter gibt es viele Länder, die eigentlich zum Standard-Inventar jedes ESC-Jahrgangs gehören. Russland war ja nach dem Event 2016 sauer und behauptete, Ukraine hätte ihm den Sieg gestohlen, weshalb es auch noch keine Zusage gibt. Ich glaube ja nicht daran, dass das Land 2017 nicht antritt, doch hey: "Everything is possible" und so. Auch noch offen ist, ob die Slowakei, San Marino, Georgien, Bulgarien und Griechenland zurückkehren. Bulgarien ist wahrscheinlich, da 2016 für sie mit dem 4. Platz extrem erfolgreich war. Anders sieht es bei Griechenland aus: Das Land schaffte es 2016 zum ersten Mal in ihrer ESC-Geschichte NICHT ins Finale. Gerüchten zufolge will man definitiv teilnehmen und lediglich den Modus der Entscheidung ändern. Eine interne Entscheidung soll es aber weiterhin sein.

Ob die Türkei teilnimmt, steht auch noch offen. Man sei in Diskussionen, wisse es aber noch nicht. Das letzte Mal nahm das Land 2012 teil und gab anschließend als Grund für ihren Rückzug an, es sei mit dem Status der Big Five-Länder Deutschland, Spanien, England, Frankreich und Italien, die sich automatisch fürs Finale qualifizieren, nicht einverstanden. Ob sich ihre Meinung geändert hat, muss man abwarten. Australien würde übrigens gerne wieder mitmachen, muss aber vom Gastgeberland eingeladen werden, da sie keine EBU-Mitglieder sind. Noch gar keine Informationen haben wir von Marokko (allerdings ist das eher unwahrscheinlich, schließlich hat das Land das erste und letzte Mal 1980 teilgenommen), Moldawien und Serbien. Moldawien war schon längere Zeit nicht mehr wirklich erfolgreich und Serbien konnte 2015 zwar die Top10 knacken, scheiterte aber auch letztes Jahr im Finale.
Abgesagt haben bis her Andorra (kein Wunder, das Land hat fünf Mal teilgenommen und schied immer im Halbfinale aus), Luxemburg und Monaco. Liechtenstein denkt schon seit Jahren über ein Debüt nach, verschiebt aber seine Teilnahme immer um ein Jahr. Letztes Jahr hieß es, man wolle 2017 teilnehmen, dieses Jahr heißt es 2018... also einfach gesagt: NEIN!

So viel zu den bisher bekannten Informationen und den derzeitigen News. Seien wir gespannt, wann das Motto und das Design bekannt gegeben werden und wann es neue Informationen zum deutschen Vorentscheid geben wird (:
_______________________________

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen