Deutscher ESC-Vorentscheid 2017 - Update Nr. 1

Ab heute zählt's!
Mit dem heutigen Tag könnte jeder veröffentlichte Song ein potenzieller ESC-Song sein. Denn immer ab dem 1. September des Vorjahres darf ein Song veröffentlicht sein, damit er für den Eurovision Song Contest im nächsten Jahr zugelassen wird. Ausnahmen bestätigen dabei die Regel :D Zu diesem Anlass habe ich mir gedacht, ich fasse die bekannten Informationen zusammen und präsentiere sie euch in einem kurzen #Update (trotz Sommerpause)! Viel gibt es nicht zu sagen, denn so viel ist noch nicht bekannt. Doch von vorne.

1. Eurovision Song Contest 2016 & seine Folgen
Wir alle kennen den Ausgang des letzten Contests: Deutschland landete mit Jamie-Lee und ihrem Song "Ghost" auf dem letzten Platz mit unglaublichen 11 Punkten. Diese stammten aus Österreich und der Schweiz als auch von der gregorianischen Jury. Dat war's! Mehr konnte Jamie-Lee nicht raus reißen. In Deutschland ging eine Welle der Frustration durch und die meisten Menschen sahen der Schuld weder in Jamie-Lee noch in der Performance oder dem Song. Manche kritisierten "Ghost", konnten sich aber größtenteils darauf einigen, dass es schwächere Beiträge gab.



Auch ich war eher enttäuscht und konnte es nicht verstehen. "Ghost" war für mich ein sehr spezieller Beitrag, der sich von der Masse positiv abhebte und für mich ein Gänsehautlied darstellte. Gut, Europa sah das anders und es wurde viel diskutiert: Was läuft falsch beim deutschen Vorentscheid? Was kann der verantwortliche Sender, der NDR, tun? Und welche Art von Vorentscheid ist denn nun sinnvoll? Viele Fragen und nur wenige Antworten. Der Verantwortliche Thomas Schreiber versuchte sich zumindest an der Beantwortung einiger Fragen und gab dabei erste Details bekannt.

2. Der Vorentscheid 2017 - offizielle Informationen
In einem Interview mit der Hannoverschen Allgemeinen versuchte sich Herr Schreiber an Erklärungsversuchen, warum Jamie-Lee in Stockholm scheiterte, nahm Stellung zu den Vorwürfen von Ann Sophie (diese hatte behauptet, der Sender hätte sie einfach fallen gelassen) und erklärte, wie sehr die Politik Einfluss auf das Abschneiden von Deutschland habe. Neben all diesen Antworten gab er aber auch die Strategie für den kommenden ESC-Jahrgang preis: Das Team rund um den Vorentscheid würde sich nun mehr auf gute, moderne, zeitgemäße und authentische Songs konzentrieren. Diese sollen national und international gesucht werden. Wenn diese dann feststehen, würde ein passender Künstler zu den Songs gesucht und an der Inszenierung gearbeitet werden. Dies begründete Schreiber mit den erfolgreichen Jahrgängen 2010, 2011 und 2012. Hier wurde innerhalb einer Castingshow ein Künstler ermittelt, unabhängig davon wurde aber auch nach Songs gesucht. Die im Finale stehenden Kandidaten sangen diese Songs ein, die vorher auf ihre Qualität geprüft worden sind. So konzentrierte man sich, laut Schreiber, in hohem Maße auf die Songs. Dies hätte ab 2013 gefehlt, hier hatte man eher die Kandidatenauswahl im Blick. Die Songs wurden dann quasi einfach nur als Nebenprodukt gesehen. Das dies nicht funktioniert, hätte man in den letzten Jahren gesehen. Für 2017 soll das also heißen: Fokus auf die Songauswahl, dann wird in einem kleinen Rahmen Interpreten gesucht, mit denen dann an einer Performance gefeilt werden soll. Diese Erarbeitungen werden dann innerhalb einer Sendung, ähnlich wie "Unser Lied für Stockholm", präsentiert.

Wie ich das so finde? Erstmal finde ich es lustig, dass man jetzt auf einmal sieht, dass die Strategie der letzten vier (!) Jahre nicht klappt und das als so offensichtlich darstellt. Aber nun gut, irgendwas muss man ja sagen. Davon abgesehen finde ich es gut, dass man sich auf die Songauswahl konzentriert und dann erst nach Sängerinnen und Sängern sucht. Vielleicht lernt man so ja auch neue Künstler kennen, je nachdem wo man nach Sängern sucht (bei Labels, Independent-Artists oder bei Sängern, die sich einfach bewerben?). Oder man hört mal wieder etwas von Künstlern, die man gar nicht auf dem Schirm hatte. Das ist noch ein offener Punkt, da bin ich wirklich gespannt, wie es zur Zusammenführung von Song und Künstler kommt.
Positiv ist auch, dass man sich auf drei Komponenten fixiert: Song, Künstler und ganz wichtig: Inszenierung. Denn das sind die drei Faktoren, die stimmen müssen, um beim ESC zu punkten. Gut also, dass man diese auch wieder mit einschließt. Die Inszenierungen, die man bei ULfS sehen konnte, gingen doch schon mal in die richtige Richtung, oder? Ich erinnere mich da positiv an Jamie-Lee, AVANTASIA oder auch Laure Pinski. Alle ziemlich gut gestaged und ziemlich gut präsentiert. Auch wenn die Songs jetzt nicht so der Hit waren.

2. Wünsche, Anregungen und Tipps
Ich habe meine Wünsche für nächstes Jahr bereits vorgestellt, deshalb nur kurz: Ich wünsche mit mitreißende Songs, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Dance, Pop, Rock, Akustisch, Deutsch, Englisch,.... ich will einen MEGA Sommerhit, eine emotionale Ballade und eine geschichtenerzählende Nummer zum Nachdenken. Einfach alles. Ich wünsche mir gute Stimmen, sympathische Menschen und überzeugende Gesamtpakete, die man sofort feiert. Doch v. a. wünsche ich mir einen federführenden Produzenten/Songwriter/Musikexperte, der bei der Liederauswahl eine spezielle Vision hat und auf Qualität und Einzigartigkeit achtet. Ähnlich wie das Stefan Raab gemacht hat. Außerdem wünsche ich mir eine Show mit Jury und etablierten Acts, die ihre Meinung kund tun. Und die dann auch entscheiden, wer in die Endrunde kommt. In dieser sollen dann aber wieder nur die Zuschauer entscheiden, wer sie beim ESC repräsentieren darf.
Und als letztes wünsche ich mir, dass man den Act (bzw. die Acts im Vorfeld und den einen Act dann nach dem Vorentscheid) gut promotet. Und das national und international. Lasst den Sieger zu Radiosendern gehen, in Shows auftreten und alle Pre-Eurovision-Partys in Europa mitnehmen (Amsterdam, London, Tel Aviv, Russland,...). Nur so kann man für sich und seinen Act Werbung machen. Bestes Beispiel hierfür: Zoe aus Österreich aus dem vergangenen Jahrgang. Diese wurde nicht hoch gewettet, dann nahm sie allerdings an einigen Promo-Veranstaltungen teil und war seitdem Fan-Favorit. Klar, ihr Song war vorher schon genial, aber die Promo stimmt einfach. Der NDR schafft das irgendwie nicht. Leider.



Doch erst: Sucht tolle Songs, die begeistern. Die anstecken. Und hängen bleiben. Die berühren. Und Spaß machen. Die tiefgründig sind. Oder einfach nur hinhören lassen. Denn darauf kommt es an: Einen Song, den man gar nicht ignorieren kann.

© NDR

Kurzes Update zum Eurovision Song Contest 2017: Die Verantwortlichen haben sich in den letzten Wochen die drei Städte Kiew, Odessa und Dnipro angesehen und deren Ideen begutachtet. Zur Zeit laufen die Diskussionen. Eine Antwort sollte eigentlich bereits am 01. August 2016 folgen, der Termin wurde allerdings (bereits mehrmals) verschoben. Ob wir in den nächsten Tagen Bescheid bekommen? Bleibt abzuwarten...
Ursprünglich sollten die Shows übrigens vom 16. Mai bis zum 20. Mai 2016 stattfinden, aufgrund des Gedenktags an die Deportation der Krimtataren (um die es schließlich im Gewinnerlied ging) wurden diese allerdings auf den 09., 11. und 13. Mai 2016 verlegt. Diese Termine würden sich allerdings mit den Terminen der Champions League und der Europa League überschneiden. Ein finales Statement dazu gibt es nicht, die oberen Daten stehen bis jetzt aber fest.
Bis jetzt haben sich 27 Länder für den Contest angemeldet. Darunter Portugal, das nach einem Jahr Pause zurückkehrt.
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