Konzert-Kritik: Rihanna - "The ANTI World Tour" #vlog

Was war ich aufgeregt. Und was wurde vorher alles berichtet. "Viel zu kurze Show", "wenig Gesang" und "keine große Show". Alle gängigen Zeitungen berichteten fast durchgängig, wie furchtbar Rihanna doch in Köln gewesen wäre und wie eingebildet sie gewirkt hätte. Nicht mal eine Zugabe hat es gegeben. Alle rasteten richtig aus und ich war irgendwie eher ungläubig. Eine Rihanna lässt sich doch nicht lumpen, die wird schon wissen, wie sie die Menge im Griff hat. Dementsprechend freute ich mich - trotz aller Berichte - auf das Konzert und war gespannt, was die Barbados-Schönheit alles zu bieten hatte.





Bereits um 16:30 Uhr fing der Einlass an, wir kamen um circa 17:30 Uhr am Olympiastadion an. Warum? Weil wir keinen Parkplatz fanden. Beide Parkhäuser in der Nähe des Olympiageländes waren restlos voll und wir fuhren irgendwo in Wohngebieten rum bis wir dann - auf wundersame Weise - einen Parkplatz fanden, der, und jetzt haltet euch fest, umsonst war. OH JA. Jackpot Nummer 1. Im Anschluss liefen wir zum Stadion, stellten uns an und rechneten schon mit einem mehrere Stunde andauernden Einlass. Doch dem war nicht so: Nach circa einer halben Stunde waren wir schon im Stadion und konnten uns Merch, Getränke und was zu Essen besorgen. Ganz einfach und völlig unkompliziert. Ja, das Sicherheitspersonal tastete alle Gäste ab und die Taschen wurden kontrolliert. Bei allem, was zur Zeit passiert, ist diese Prozedur nur verständlich.

Nach dem ganzen Einlass-Gedönse gingen wir erstmal was trinken und ich besorgte mir mein langersehntes Rihanna-Merch-T-Shirt. Ich muss sagen, dass ich die T-Shirts jetzt nicht ganz so gelungen fand. Alles was sehr auf Rap und HipHop gemacht... irgendwie komisch. Man hätte so viel aus dem Cover und dem Album-Artwork machen können und entscheid sich stattdessen für teilweise wirklich komische Fotos von Rihanna. Na gut, im Endeffekt habe ich ein SUPERSCHÖNES T-Shirt gefunden, was mir wirklich gefiel und welches ich voller Stolz in den nächsten Jahren tragen werde :D Jackpot Nr. 2 also. Einen Teil vom Shirt könnt ihr oben links auf meinem Blog sehen, falls ich es ändern sollte (irgendwann wird das passieren), findet ihr es unten noch einmal:


Nachdem für das leibliche Wohl gesorgt war (Eine Breze, ein wenig Popcorn und kalte Getränke hallo), suchten wir unsere Plätze und genossen die Vorbands. Gut, Bibi Bourelly haben wir nur von außen mitbekommen, aber was ich da hörte, konnte mich jetzt nicht wirklich vom Hocker reißen. Die Sängerin performt RnB-artige Songs mit Einschlägen von Rock und Pop, war aber insgesamt ziemlich unauffällig und auch sehr schnell vorbei (mehr als 20 Minuten war die nicht auf der Bühne). Der aufstrebende DJ Alan Walker, der mit seinem Song "Faded" die Charts in diesem Jahr eroberte, brachte dafür aber richtig Stimmung in die Bude und wir tanzten das ein oder andere Mal durchaus auf unserer Tribüne mit. Neben "Faded" überzeugte uns besonders der Remix des Coldplay-Hits "Hymn for the Weekend". So richtig Stimmung brachte dann aber der US-Rapper Big Sean ins Stadion. Mit coolen und trotzdem sehr sympatischen Performances brachte uns Big Sean des öfteren zum Lachen und rappte sich dabei die Seele aus dem Leib. Mega gut das Ganze, auch wenn ich vorher nicht unbedingt großer Big Sean-Fan war. Ich kannte ihn immer nur als Gastmusiker bei großen Stars, doch ich habe mir vorgenommen, mir auch mal sein Solo-Zeug anzuhören. Jackpot Nr. 3. Still counting :D

Und dann sollte der große Star des Abends folgen, wegen dem ja alle da waren. Doch die Diva ließ sich Zeit und kam erst circa eine halbe Stunde später ins Stadion gefahren. Trotz allem gab es großen Jubel und steigende Euphorie auf dem Höhepunkt. Anfänglich lief sie durchs vordere Publikum und performte die Mega-Balladen "Stay" und die erste Strophe sowie den ersten Refrain von "Love The Way You Lie (Part II)". Wir waren emotional geflasht und ergriffen und sangen uns besonders bei "Stay" die Seele aus dem Leib. Rihanna performte die Songs emotional und dennoch sehr cool, trug sie dabei doch ein Cape mit großer Kaputze. Einziger Störfaktor: Rihanna zupfte sich ständig im Gesicht rum, richtete ihre Kaputze neu oder fuhr sich die Haare aus dem Gesicht. Überhaupt tat sie das des öfteren, was irgendwie etwas nervig war. Aber bei der Musik sah man darüber hinweg. Als nächstes ließ sie sich auf einer gläsernen Brücke nieder und schwebte über dem vorderen Publikum. Dabei gab sie die "ANTI"-Tracks "Woo" und "Sex With me" zum Besten als auch "Birthday Cake" aus "Talk That Talk", "Pour It Up" und "Numb" aus "Unapologetic" und ei Stand Alone-Single "B**** Better Have My Money". Das Segment war sehr sexy gehalten und das Publikum unter der Brücke konnte wohl einige sehr intime Stellen der Sängerin erhaschen. Von weiter weg sah es einfach nur bombastisch und sehr, sehr heiß aus.



Im Anschluss tauchte Rihanna ab und es erfolgte ein Interlude mit dem "ANTI"-Deluxe-Track "Goodnight Gotham". Schön gemacht, aber überflüssig, weil Rihanna ja nicht sang. Sie kam aber umgezogen zurück und trug einen meiner Lieblingstracks des neuen Albums vor: "Consideration". Leider fehlte hier die Duett-Partnerin, ihre Stellen wurden per Playback eingesungen, Rihanna sang lediglich ihre Parts. Schade, denn man hätte es ja auch so machen können, dass die Sängerin einfach das gesamt Stück singt und es nur ein wenig umarrangieren müssen. So konnte man hören, dass ihr das Stück durchaus liegt, aber einfach unvollständig wirkt. Das zerrissene Gefühl, welches ich gerade beschreibe nahm aber kein Ende: Danach sang sie die Hits "Live Your Life", "Run This Town" und "All of the Lights", auf denen sie ja als Gastmusikerin erschien und lediglich den Refrain performte. Genau das tat sie auch beim Konzert: Refrain singen, kurzer Instrumentalteil mit Überleitung und auf zum nächsten Refrain des nächsten Songs. Mir war das zu kurz, auch wenn die Lieder echt anheizen (Besonders "Run This Town" kam richtig gut an). Trotzdem hätte ich mir da lieber einen ganzen Song gewünscht als drei kleine Ausschnitte. Dann nahm uns Rihanna in eine noch eher unschuldige Zeit zurück und performte "Umbrella". Die Menge ging ab und spätestens hier stand wirklich das gesamte Stadion. Gänsehaut und Mitsingaktion garantiert! Einzige Enttäuschung: Der Song wurde nur bis zur Hälfte performt, dann folgte ein schnelles Ende. Schade, hier hätte man mehr draus machen können. Als Abschluss des Segments folgte "Desperado", den ich mir sehr gut als nächste Single vorstellen könnte. Das Publikum feierte den Song einfach ab und er passt von seiner aggressiven und doch eigenen Stimmung sehr zur aktuellen Rihanna. Man darf also gespannt sein.

Nach einem weiteren Kostümwechsel in einen (fast) durchsichtigen und hautengen Hosenanzug sorgte Rihanna für karibische Stimmung und performte "Man Down". In Deutschland eher weniger bekannt, dafür umso mehr in den südlichen, östlichen und lateinamerikanischen Ländern, ist der Track einfach nur GEIL und wird MEGA performt. Außerdem bekommt man das "Rompopopom" einfach nicht mehr aus den Ohren. Dazu passend wurde dann "Rude Boy" gespielt, der ja wieder ein Hit war und deshalb auch von fast allen mitgesungen wurde. Wir tanzten, hatten Spaß und Rihanna freute das - denn sie schaute ins Publikum und machte gleich mal mit! Gleiches gilt übrigens für "Work". Da wusste aber keiner so recht, was er eigentlich singt. EGAL! Der Track macht Spaß und Rihanna genoss sichtlich, wie sehr alle den Song feierten.


Nach den kurzen drei Songs folgte wieder ein Interlude. Auf der Bühne wurden indes unterschiedlich große Ballons aufgeblasen, die irgendwie wie große Kokons wirkten. Etwas komisch, doch dann machte alles Sinn: Es folgte der Dance-Teil der Show. Rihanna kam wieder in neuem Outfit heraus und tanzte sich während der Performance von "We Found Love" (mit Elementen aus "How Deep Is Your Love") und "Where Have You Been" die Seele aus dem Leib und wieder konnte das Stadion nicht genug kriegen. Alle tanzten, feierten und sangen mit. Wunderschön und sehr, sehr lustig. Nach den großen Hits, folgte ein aktueller Song: "Needed Me" geht in den USA gerade richtig steil und ist RiRis zweiter Top10-Hit aus ihrem Nr. 1-Album "ANTI". Auch in München kam der Song gut an, auch wenn er nicht den Radio-Sound hatte, wie die vorherigen Songs. Passend dazu kam "Same Ol' Mistakes" mit seinen 6 Minuten. Der verträumte Pop-Retro-Track ist wirklich sehr speziell und ich finde es interessant, dass man sich entschieden hat, ihn auf die Setlist zu packen. Man sollte meinen der Song wäre zu lang für das Publikum, doch viele schienen ihn zu genießen und besonders die ältere Generation fühlte sich wahrscheinlich an die 70er Jahre erinnert.

Doch dann folgte der wahre Höhepunkt der Nacht: RiRi widmete ihren Mega-Hit "Diamonds" den Opfern des Amoklaufs in München und beteuerte, dass ihr Herz gebrochen sei, als sie die Nachrichten hörte ("My heart was broken"). Dabei forderte sie die Zuschauer auf, die Lichter an ihren Handys anzumachen, woraufhin das ganze Stadion leuchtete. An den Seitenbildschirmen wurden die Zuschauer gezeigt mit einer Deutschland-Flagge im Hintergrund. Wir alle hatten Gänsehaut und verdrückten währen diesen circa vier Minuten wirklich ein paar Tränen. Mega und sehr authentisch.
Im Anschluss folgten noch Rihannas Lieblingssongs von "ANTI": "Love on the Brain" und "Kiss It Better" sind auch einer meiner Lieblingssongs der LP, weshalb ich es als ganz toll empfand, dass sie als Abschlusssongs ausgesucht worden sind. Beide wurden emotional vorgetragen und nach exakt 1,5 Stunden verabschiedete sich Rihanna in die Nacht.


Und plötzlich war es rum. Während des Konzerts kam man gar nicht zu Luft, weil wirklich Hit nach Hit nach Hit folgte und man einfach nur überwältigt war von dem Spektrum, was Rihanna bot: Pop, Dance, RnB, HipHop, Trap und karibische Sounds - RiRi nahm uns mit auf eine Reise durch ihre einzigartige Musik-Welt, die sie sich in den letzten zehn Jahren aufgebaut hat. Dabei wurde die Tour nur auf sie zugeschnitten: Es gab keine groß entwickelte Bühne, keine großen Tanzeinlagen und auch keine großen Animationen. Der Fokus war auf die Sängerin gerichtet und nicht auf mörderische Umsetzungen der Songs. Und genau das war das Revolutionäre am Konzert. Wie schon beim Album, verzichtete Rihanna darauf irgendwelche Erwartungen zu erfüllen, sondern tat einfach mal genau das, was sie machen wollte. Ohne großes Schickimicki. Ohne große Effekthascherei. Sie performte lediglich Songs, mit denen sie sich wohl fühlte, welche sie lebte und sang diese dann genau so, wie sie sie fühlte. Ja, dabei sang sie auch mal gar nicht, weil sie eben lieber dazu tanzte. War ab und an etwas schade, aber war halt so. Es störte meist auch gar nicht, weil das Publikum ja mitsang, da fiel es dann teilweise gar nicht auf :D Aber mit diesem Ansatz, welchen sie schon beim Album verfolgte, hebt sie sich von anderen Acts, die momentan touren (beispielsweise Beyoncé) ab. Man saß (oder stand größtenteils) da und hatte wirklich das Gefühl, man wäre bei einem authentischen Live-Konzert dabei. Nicht bei einer perfekten Show, bei der alles bis auf die kleinste Minute getaktet ist oder am Set eines Video-Drehs. Einfach eine Künstlerin live, die das macht auf was sie Lust hat.


Natürlich gab es Verbesserungsvorschläge unsererseits. So fanden wir, wie schon angesprochen, manche Songs viel zu kurz und hätten uns gewünscht, RiRi hätte sie im Ganzen gesungen als nur Ausschnitte daraus. Außerdem waren die Monitore links und rechts von der Bühne eher klein, da hätte man doch auf größere Leinwände zurückgreifen können. Aber sonst waren wir wirklich voll und ganz zufrieden mit dem Tag und gingen voller positiver Emotionen nachhause. Ja, es gab keine Zugabe, aber das war eigentlich ziemlich schnell klar, da die Sängerin bereits nach "Diamonds" sagte, sie könne uns nicht nachhause gehen lassen, ohne zwei ihrer absoluten Lieblingstracks des aktuellen Albums zu performen. Nach dieser Ansage wusste man, dass es nur die beiden Songs geben wird. Sonst nichts. Außerdem folgte dann (fast schon wie einem Film) ein Abspann, auf dem alle Personen genannt worden, die die Tour möglich machten. Dementsprechend  war die Überraschung nicht groß, als es keine Zugabe gab. Weshalb wir auch nicht enttäuscht waren. Im Gegenteil. Auf dem Heimweg saßen wir im Auto, drehten die Alben von RiRi auf und feierten einfach weiter. Wenn man von einem Künstler nach einem Konzert nicht genug hat, sondern sogar noch einmal mehr reinhört, dann hat der doch alles richtig gemacht, oder? Ich finde schon und würde wieder auf Rihanna-Konzert gehen. Ganz sicher sogar.


P. S.: Sagt mir doch mal in den Kommentaren, ob ihr solche Konzert-Kritiken gut findet oder eher nicht. Ich weiß nicht, was ich davon halten soll und schreibe sie deshalb eigentlich nicht. Aber hier hatte ich Lust, es mal auszuprobieren. Gut, schlecht oder so naja? Lasst es mich wissen (:

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