Album-Rezension: Lauren Aquilina - "Isn't it Strange?"

Schlag auf Schlag geht's weiter! Lauren Aquilina ist eine Singer-Songwriterin wie keine andere: Völlig ohne Label, ohne Management und ohne große Marketing-Maschinerie dahinter, schaffte sie es mit ihren ersten drei EPs in die UK-Charts und war so erfolgreich, dass sich physische Versionen ihrer EPs im Nu verkauften bis sie schließlich nicht mehr lieferbar waren (zu der Vorstellung aller drei EPs gelangt ihr HIER). Lauren baute sich damit viel auf, tourte auf der Insel und ging dann einen Plattenvertrag mit Island Records ein. Seitdem arbeitete sie an ihrem Debüt und veröffentlichte vor ziemlich genau einem Jahr ihre nächste EP "Ocean", die als kleiner Vorgeschmack dienen sollte. Die dazugehörige Rezension findet ihr HIER verlinkt. Doch Lauren gab keine Ruhe: Ihre nächste Single "Kicks" zeigte bereits, dass sie etwas elektronischer, etwas mainstreamiger wird und sich trotzdem selber treu bleibt. Ob dieser Eindruck bestehen bleibt? Lest selbst:




01. "Midnight Mouths"
Es geht elektronisch los, erinnert in der ersten Strophe etwas an "Kicks", der ersten Single des Albums. Im Refrain klingt es dann wieder nach "Ocean", da der Instrumentalteil dort eine Zeit lang dominiert. Es geht um einen Jungen, der einfach nicht alleine sein will und deshalb mit jedem zufrieden wäre. Insgesamt ist der Track nicht wirklich traurig, er strahlt stattdessen was sehr selbstbewusstes und erwachsenes aus. Ich finde, es ist ein gelungener Einstieg in die LP, Laurens Stimme ist on point und der Song ist sehr bildhaft. Hier könnte ich mir ein tolles Video im Spätsommer-Stil vorstellen (Sonnenuntergang, abends ist es kalt, Menschen gehen raus, feiern,...).

02. "Wicked Games"
Es bleibt bei dieser Stimmung: Lauren erzählt eine Geschichte, die sich größtenteils um sie selber und ihre Probleme drehen. Dabei ist der Sound wieder sehr modern und üblicher Pop-Sound, den man kennt. Dabei ist der Refrain wirklich sehr eingängig und deshalb auch sehr Single-tauglich. Jeder, der Lauren bereits kennt, mag sie eigentlich für ihre melancholischen Tracks, doch bereits mit der ersten Single "Kicks", die als nächstes laufen wird, zeigte sie, dass sie auch modernen Radio-Pop kann, der gut geschrieben und performt wird. Hier fehlt mir allerdings ab und zu das gewisse Etwas, das man aus ihren früheren Tracks kennt. Allerdings ging mir das bei "Kicks" genauso: Erst gehört und als eher mittelmäßig empfunden und zwei Wochen später rauf und runter gehört. Das wird mit "Wicked Games" nicht anders sein :D

03. "Kicks"
Wie bereits erwähnt die erste Single, die mir wirklich gut gefällt (mittlerweile). Klavier, ein klatschender Rhythmus und ganz viel Hall und Sounds im Refrain. Lauren schafft in dem Song den Spagat zwischen Radio-Sound und ihrer Einzigartigkeit zu finden, weshalb es mich nicht wundert, warum der Song als erste Single ausgewählt wurde. Dabei sind die Strophen eher ruhig und auf die Geschichte konzentriert, während der Refrain richtig abgeht und einen wahren Boxkampf liefert(die Anspielung musste bei dem Titel einfach sein). Reinhören lohnt sich hier also!

04. "How Would You Like It?"
Jetzt kommt die Lauren, die alle Fans lieben: Lauren besingt in der Ballade "How Would You Like It?", wie sich ihr gegenüber wohl fühlen würde, wenn sie genau das mit ihm machen würde, was er mit ihr gemacht hat. Das ist emotional, authentisch und stellt den bisherigen Höhepunkt der Platte da. Ganz simpel, nur mit Klavier begleitet und dazu die großartig erzählte Geschichte - Lauren beweißt, warum sie so viel bereits ganz alleine geschafft hat und wie wenig sie braucht, um zu glänzen. Gänsehaut pur!



05. "Way Too Good"
Anfangs singt Lauren nur und begleitet sich selbst auf dem Klavier. Im Refrain kommt dann ein Chor hinzu und schafft damit eine sehr intime Atmosphäre und einen Sound, der wunderbar verträumt ist. Man kann einfach nur genießen und sich auf nichts anderes konzentrieren. "If nothing is meant to last, maybe we should drink to that". Hach, wie schön tragisch. Wie romantisch. Bis jetzt mit großem Abstand mein Lieblingstrack der Platte, auch wenn die vorherigen Songs auch gut waren. Das hier ist einfach 100 % Lauren Aquilina. Wunderschön.

06. "Hurt Any Less"
Hello 80s-Vibe! Ein bisschen Madonna trifft auf ganz typische Lauren-Sounds unterstützt durch ihr Klavier und einigen Beats. Ich hätte wirklich mit allem gerechnet, aber nicht mit dieser Kombination. Ich feiere den Song wirklich sehr, besonders auch wegen seiner Lyrics. Lauren weiß, dass eine Trennung der beste Weg ist, aber deshalb tut es nicht weniger weh. Wunderbare Geschichte und Lauren's Stimme kommt hier besonders gut raus. Großartig und mal wieder ein Meisterwerk.

07. "Fools (Live At RAK Studios)"
Als ich sah, dass Lauren auf ihrem Debüt ihren aller ersten Song in einer Live-Version draufgepackt hat, hatte ich wirklich Tränen in den Augen. So viel ist seitdem passiert und der Song geht trotzdem noch unter die Haut. "Fools" ist so eine Nummer, die einem die Tränen in die Augen steigen lässt und aufgrund seiner Einfachheit und Authentizität überzeugt. Und hey, der Song ist hier live eingespielt und Lauren klingt trotzdem so, als ob es eine Studio-Version wäre. Mehr geht doch einfach nicht, oder?

08. "Suddenly Strangers"
Mit einem Midtempo-Song geht es weiter. Lauren erzählt die Geschichte, wie sie jemanden seit Kindheitstagen kennt und von einem Moment auf den anderen, entfernen sie sich auf einmal und es fühlt sich an, als wären sie Fremde. Dabei hat sie eine Melodie gefunden, die beim ersten Mal hören sehr positiv wirkt, die aber, wenn man genauer hinhört, nur die intensiven Gefühle der Sängerin beschreibt. Besonders der Refrain geht hier rein und macht den Song zu einem wahren Hit. Für mich ist der Song sehr bildlich und würde im herbstlichen Ambiente perfekt passen. Vielleicht ja eine Video-Idee, oder?

09. "Thinking About"
Es wird wieder reduzierter. Im Hintergrund gibt es einzelne Töne, die sich anhören wie Regentropfen die auf den Grund fallen und verschiedene Töne produzieren. Dabei gibt es immer wieder Akkorde, die ebenfalls so gespielt werden, als ob sie wie Regentropfen fallen würden. Die Strophen finde ich jetzt nicht ganz so stark, wie die der vorherigen Songs, dafür ist der Refrain hier total eingängig und zeigt, wie hoch Lauren's Stimme doch sein kann. Gegen Ende kommen Streicher dazu und das ganze wird zu einer wunderschön authentischen Nummer, die sehr einfach produziert ist und deshalb auch heraus sticht. Was schwach anfing, entwickelt sich stark! Für nachdenkliche Stunden genau der richtige Track!

10. "Ocean"
Und es folgt "Ocean" - der erste bekannte Song, den man jemals von diesem Album gehört hat. Denn Lauren veröffentlichte vor ziemlich genau einem Jahr den Song und eine gleichnamige EP mit verschiedenen Remixen und den zusätzlichen Tracks "Low" und "Out of our Depth". Ich bin großer Fan des Songs, denn wie ich bereits geschrieben habe, erinnert mich der Song an einen sehr guten Coldplay-Track, aufgrund seiner Instrumentalisierung in seinem Refrain. Außerdem finde ich, dass hier sowohl Sound als auch Lyrics perfekt zusammenpassen und miteinander harmonieren. Überwältigend und ganz großes Kino. Lauren zeigt, dass sie ihre Singer-Songwriter-Vergangenheit nicht vergessen hat und kombiniert diese mit radiotauglichem Sound. Einfach Klasse!



Abschließendes Fazit:
Nun ist es vorbei - und wie schnell! Lauren präsentiert uns auf "Isn't it Strange?" zehn wunderbar authentische Songs, die alles vereinen, was eine gute PopKünstlerin ausmacht: Radiotauglicher Sound, eingängige Refrains, gut geschriebene Lyrics und authentisches Material. Dabei ist sie mal am Boden zerstört ("How Would You Like It?", "Thinking About ") oder feiert das Leben, auch wenn das auch immer einen melancholischen Touch hat ("Way Too Good"). Außerdem zeigt sie ihre beste Eigenschaft in jedem der Songs: Ihre Fähigkeiten Geschichten zu erzählen. Bei Lauren geht es nicht um die großen Hits oder um Songs, die in den Charts ganz nach oben kommen. Bei Lauren geht es darum, authentische Geschichten aus ihrem Leben zu erzählen. Und das schafft sie mit ihrem Debüt allemal. Sie zeigt, dass sie sich selbst treu bleibt und sich von irgendwelchen Plattenfirmen nicht reinreden lässt, gleichzeitig bleibt sie offen für neue Sounds und lässt mit sich arbeiten. So erklären sich auch die ersten drei Songs der Platte: Diese sind vielleicht nicht ganz so ausgereift wie die anderen Tracks, aber sie zeigen eine neue, interessante Seite und können eben auch im Radio gespielt werden. Was ja prinzipiell nicht schlecht ist :D Einziger Kritikpunkt: Lauren hätte mal gefühlt 5 weitere Songs auf das Album packen können. Denn zehn Tracks für ein Album sind echt zu wenig. Aber gut, wer sich die "Ocean EP" runtergeladen oder physisch bestellt hat, der hat ja noch zwei weitere Tracks und dann wären wir bei insgesamt 12 Songs... immer noch zu wenig, denn ich könnte Miss Aquilina wirklich STUNDEN LANG zuhören.


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