Album-Rezension: Charlie Puth - "Nine Track Mind"

Ich habe mich so lange vor diesem Album gedrückt. Obwohl ich "Marvin Gaye" und "One Call Away" von Charlie Puth rauf und runter hörte, wollte ich einfach nicht an die LP denken. Wahrscheinlich aus zwei Gründen: Zum einen gab ich dem Ganzen schon einmal einen Versuch und war nur so semi-begeistert. Zum anderen las ich einige Kritiken (u.a. von Billboard) und die waren alles andere als begeistert. Insgesamt ist "Nine Track Mind" eines der schlechtest bewerteten Alben EVER und das bei fast allen gängigen Musikseiten, die man - Wikipedia sei Dank - so liest. Das alles führte bei mir zu keinem glücklichen Start für das Debüt des Teenie-Stars. Doch dann die Wende: Charlie kündigte seine neue Single "We Don't Talk Anymore" mit Gastsängerin Selena Gomez an und ich war total begeistert von diesem chilligen Club-Song, der bei mir deswegen auch rauf und runter läuft.


Tjaja, und jetzt sitze ich hier und schreibe die Rezension zum Album, welches ich mir während ich diese Zeilen schreibe, anhöre. Und was soll ich sagen? Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Ich meine, wenn die ersten drei Singles, die ich bereits erwähnt habe, so gut sind, da kann doch auch das Album nicht verkehrt sein, hab ich Recht? Ja, habe ich. Die LP steigt gleich mal mit "One Call Away" ein und hat mich fest im Griff: Ich sage nur "ohhhhhh", gucke in die Ferne und bin total drin in Charlie's Gefühlswelt. Mega Start mit Gänsehaut - so gehört sich das. Daraufhin folgt die Midtempo-Nummer "Dangerously", die zwar etwas schwächer als der vorherige Track ist, der allerdings trotzdem hängen bleibt und die Stimme des Sängers hervorhebt. Dabei klingt er total anders als die Songs, die ich von ihm kenne. Ich bin positiv überrascht und fühle mich gut unterhalten. Weiter geht's im Anschluss mit "Marvin Gaye", der mich zum Mitsingen und Mittanzen verleitet - und das, obwohl ich ihn schon seit Februar 2015 kenne. Das spricht für sich.

Es folgt ein weiteres unbekanntes Stück: "Losing My Mind" fängt langsam an und entpuppt sich als Elektro-Ballade, die eine gewisse Leere mitbringt, gleichzeitig hört man sofort an die Geschichte und fühlt sich in ein Musikvideo versetzt. Sehr bildhaft alles. Ein Paar, welches in diesem Universum nicht funktioniert. Cut, es folgen Bilder des Paares in anderen Zeitepochen, in denen die beiden ihre große Liebe leben. Insgesamt beeindruckt der Song jetzt nicht total, trotzdem mag ich ihn irgendwie. Dann kommt "We Don't Talk Anymore" und ich schwebe wieder auf meiner Wattewolke und bin glücklich. Ich kann sagen, dass das zur Zeit mein Lieblingstrack ist <3 Selena Gomez macht ja irgendwie eh alles richtig, ihr letztes Album "Revival" war ein wahres Highlight letztes Jahr. ICH LIEBE DEN SONG EINFACH!



Jetzt wird's interessant. Alle bekannten Singles sind gehört und "Nine Track Mind" bietet noch acht weitere Tracks - ob das gut gehen wird? Ich bin gespannt was jetzt kommt. Es folgt ein Country-artiger Beat und ein ebenso dazu passender Gesang. Der Song wird in den Strophen total schnell gesungen, kurz vorm Refrain wird man langsamer, um im Refrain wieder an Fahrt aufzunehmen. "My Gospel" kann sich irgendwie nicht so richtig entscheiden, was es sein möchte. Uptempo? Country? Oder doch Ballade? Dabei singt Charlie im Refrian oft in seiner Kopfstimme. Hört sich gut an, tut aber der Leichtigkeit irgendwie nicht gut. Spannend der Track und nach "We Don't Talk Anymore" hätte es jeder Track wohl schwer. Aber ich mag es. Auch wenn es nicht perfekt ist. "Just to make you love me" bleibt hängen. Insgesamt gutes Albummaterial mit Luft nach oben also.

Es geht Midtempo-artig weiter. In "Up All Night" besingt Charlie, dass er sich die ganze Nacht darüber Gedanken macht, was seine Liebste zu ihm gesagt hat. Der Refrain ist dabei wieder sehr eingängig und bietet wieder diese Leichtigkeit, die mich auch bei seinen Singles so begeistert hat. Nach diesem Midtempo-lastigen Teil, folgt nun "Left Right Left", welcher mich musikalisch etwas an den 50s-Style aus "Marvin Gaye" erinnert. Den Track kann ich mir wieder total gut als Soundtrack im Urlaub vorstellen. Gute Laune, lockere Beats und ein Sound zum Mitwippen. Schön.
Am Anfang dachte ich, es wird etwas hiphoppiger, allerdings folgten dann wieder akustische Klänge und Pop-Produktion. Besonders der Refrain von "Then There's You" ist hier positiv hervorzuheben. Es folgt ein Song, der etwas sexier sein soll und mich etwas an "Same Old Love" von Selena Gomez erinnert. Nett, aber "Suffer" ist jetzt nicht mein Lieblingstrack. Ich war froh, als der Song vorbei war. Erste kleine Enttäuschung.

Es folgt ein weiterer 50s-inspirierter Song namens "As You Are". Am Anfang hatte ich etwas Angst, ich würde schon wieder enttäuscht werden. Aber der Track steigert sich zum Refrain hin und wirkt dann wie eine gute Urlaubsmelodie. Jap, der Refrain macht's. Die Strophen sind gewöhnungsbedürftig, aber der Refrain ist gut. Ach ja, es folgt ein Rap-Part von Shy Carter. Ich mag's nicht. Zerstört für mich etwas den Track. Ich traue es mich gar nicht zu schreiben: Zweite Enttäuschung und das direkt nach der ersten. Obwohl sie diesmal nicht so groß ist. Denn der Refrain ist immer noch gut und auch an die Strophen gewöhnt man sich.
WUHU <3 Es folgt ein wahres Highlight: "Some Type of Love" ist eine Pop-Hymne, die ich mir sehr gut als Single im Herbst vorstellen könnte. Ich wippe mit und genieße total. Für mich eine sehr positive Überraschung, die mit den bisher bekannten Singles mithalten kann. Ganz, ganz großartig *.*



Als Abschluss dann der Bonus-Track "See You Again", bekannt als Filmtitel zu Fast & Furious 7 und ein Tribut an den verstorbenen Paul Walker. Tragische Geschichte und der dazugehörige Song ist einfach Gänsehaut pur. Traurig, schön und nachdenklich hinterlässt einen das Album durch diesen Track. Gleichzeitig zeigt er, wie vielseitig Charlie doch als Sänger ist. Mit "See You Again" ist er mir erstmals aufgefallen und im Anschluss folgte eine Serie an Hits.
Und genau das ist auch mein abschließendes Urteil: Charlie ist ein aufstrebender Künstler, der sich einfach auslebt und das macht, auf was er Lust hat. Dieses junge, noch unberührte Songwriting ist daher nicht perfekt und auch nicht komplett ausgereift. Doch darin besteht doch der Charme, oder? Warum muss man denn immer ein Novum erschaffen und immer erwarten, dass ein Album total perfekt ist? Darum geht es nicht. Es geht um Authentizität. Um Emotionen. Und um dieses Entführen in andere Welten. Und genau das macht Charlie. Ich habe bei fast jedem Track ein Musikvideo im Kopf, werde nachdenklich, emotional oder doch neugierig und voller guter Laune. Ja, ich finde nicht alles perfekt und habe auch Kritikpunkte. So gefallen mir zwei Tracks nicht wirklich. Bei vielen Songs hätte ich mir eine Überarbeitung gewünscht, da sie sich nicht entscheiden können, was sie denn nun sein sollen. Und bei manchen denkt man sich "ja, nett, aber halt nicht mehr". Doch auch das ändert sich, denn beim zweiten Hören merkt man wirklich wie stimmig alles ist. Deshalb bin ich Fan des Albums. Eben weil es nicht perfekt ist. Und trotzdem stimmig wirkt. 


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