ESC-Special 2016: Kandidatencheck - 2. Halbfinale

Weiter geht's mit dem Kandidatencheck zum 2. Halbfinale
welches in einer Woche am 12. Mai stattfinden wird. Und YEAHII!! In diesem Semifinale ist Deutschland stimmberechtigt und entscheidet mit, welche zehn Acts ins große Finale am 14. Mai einziehen. Ursprünglich waren 19 Kandidaten für die Show vorgesehen, allerdings wurde Rumänien, drei Wochen vor dem Event, disqualifiziert. Gründe hierfür waren nicht bezahlte Schulden des rumänischen Senders TVR. Daraufhin setzte die EBU, das Unternehmen, welches hinter dem ESC steckt, eine Frist, die allerdings nicht eingehalten wurde - und prompt wurde der rumänische Sender aus der EBU geschmissen. Traurig, schließlich hat Rumänien in diesem Jahr einen großen Vorentscheid inklusive Semifinale und Finale organisiert und mit großen Erfolg produziert. Besonders traurig außerdem für den Repräsentanten Ovidiu, der nun schweren Herzens nicht nach Stockholm fahren darf.

All das soll uns aber nicht vom Spaß abhalten und den wird es auch im 2. Halbfinale geben! Warum, wieso, weshalb erfahrt ihr in den Checks - let's go!

Jeder Beitrag kann, ganz im Eurovision-Stil, 1-7, 8, 10 und 12 Punkte erreichen. Ein abschließendes Ranking hält dann meine Top10 fest.

01. Lettland: Justs - "Heartbeat"
Lettland begeisterte im letzten Jahr mit dem Ausnahme-Act Aminata und ihrem Song "Love Injected". Dabei begeisterte v. a. die Umsetzung auf der Bühne und verschaffte Lettland die erste TopTen-Platzierung in zehn Jahren. Und weil das so gut geklappt hat, dachte man sich wohl in diesem Jahr: was 2015 geklappt hat, geht 2016 auch, weshalb Aminata zurückkehrt. Zwar nicht als Sängerin, dafür aber als Songwriterin. Aus ihrer Feder stammt nämlich der diesjährige Beitrag "Heartbeat", vorgetragen vom Newcomer Justs. Dieser konnte sich im Vorentscheid gegen etablierte Acts durchsetzen, ganz schlicht mit Electro-Pop und schlichtem Auftreten. Der Song ist dabei sehr an der modernen Dance/Electro-Szene orientiert und geht besonders im Refrain raus. Allerdings schreit mir hier Justs ab und an zu sehr und so richtig rein geht der Track für mich irgendwie auch nicht. Zwar liegt er in den Wettquoten total hoch, allerdings denke ich doch eher, dass das der erfolgreichen Songschreiberin zu verdanken ist. Wie auch immer, ich denke Justs dürfte ins Finale kommen und sollte in der ersten Hälfte landen. Für mich reicht es trotzdem "nur" für 7 Punkte.

02. Michal Szpak - "Color of Your Life"
Tjaja, Polen. Nachdem unsere östlichen Nachbarn in den letzten Jahren auf interne Auswahlen setzten, kehrten sie 2016 zu einem Vorentscheid zurück und stellten insgesamt zwölf Sängerinnen und Sänger zur Wahl. Daraufhin schoss Polen in den Wettquoten auf die vorderen Plätze, was auf den Song "Cool Me Down" von Margaret zurückgeführt wurde. Diese galt als Favoritin beim Vorentscheid und auch auf den Sieg in Stockholm, wenn sie gewinnen sollte. Und was macht Polen? Wählt natürlich nicht die heiße Favoritin sondern Michal Szpak mit seinem Lied "Color of Your Life". Dabei hat der Sänger eine gute Stimme und präsentiert einen guten Rock-Pop-Song, den man sich anhört und ihn nicht für schlecht halten kann. Doch dann war's das auch schon wieder. Hört man die anderen Tracks durch, vergisst man den Song und ist wenig begeistert. Nett eben. Nicht mehr. In den Wetten befindet er sich im Mittelfeld bei den Prognosen für das Finale, ich glaube allerdings nicht unbedingt  an eine Qualifikation - dafür ist der Beitrag zu belanglos. Sollten sie es doch (im relativ schwachen 2. Semifinale) für das Finale reichen, würde ich auf einen der hinteren Plätze setzen. Von mir gibt's 3 Punkte und den Rat: Polen, hör das nächste mal auf die internationalen Reaktionen der Fans :D

03. Schweiz: Rykka - "The Last of Our Kind"
Die liebe Schweiz... wenn schon nicht Österreich in unserem Semi ist, dann mindestens unsere südlichen Nachbarn. Diese griffen wieder auf ihren traditionellen Vorentscheid zurück, welchen ich HIER genauer unter die Lupe genommen habe. Meine Favoritin von Anfang an war die Kanadierin Rykka mit ihrem selbst geschriebenen Song "The Last of Our Kind". Dieser erinnert vom Sound etwas an Sia oder Ellie Goulding und klingt in der Studioversion MEGA gut. Und genau da ist das Problem. In der Studioversion. Live ist das ganze mehr schlecht als recht... wenn überhaupt. Rykka bemüht sich zwar sehr, schafft aber nicht, Leichtigkeit rüberzubringen oder eine mystische Atmosphäre zu schaffen, so wie es dem Song gut tun würde. Sollte Rykka ihren Song stimmlich so präsentieren wie beim Vorentscheid, sehe ich ein weiteres Jahr kein Finale für die Schweiz. Am Auftritt wird bestimmt gearbeitet, so berichtete es Rykka bei verschiedenen Fan-Events. Für mich also wieder gemischte Gefühle: einerseits mag ich die Studio-Version, andererseits ist es live echt grotte. Daher gibt es gut gemeinte 4 Punkte und die Hoffnung, dass ich nächste Woche eines besseren belehrt werde.

04. Israel: Hovi Star - "Made of Stars"
Israel habe ich in der Vorsaison gar nicht verfolgt, nur den Gewinner habe ich mir dann angehört. "Made of Stars" war anfangs eine Midtempo-Nummer und überzeugte mich leider gar nicht. Ich hakte damit Israel schon ab und war mir sicher, dass das Land nach der phänomenalen Top10-Platzierung im letzten Jahr, dieses Mal gnadenlos im Semifinale ausscheiden werden. Doch dann überraschte die israelische Delegation und kündigte einen Revamp des Songs an.
Kurze Zeit später präsentierte Hovi seine jetzt Ballade "Made of Stars" und ich war wirklich begeistert. Der Track kommt viel besser rüber und besonders der Refrain lässt mich einfach nicht mehr los. Für mich ist Hovi mein diesjähriges "Dark Horse", also der Song, der für mich das Teilnehmerfeld von hinten aufrollen könnte, ohne das es jemand erwarten würde. Ich bin definitiv #TeamHovi und vergebe deshalb 8 Punkte - hoffentlich wird man das auch in Stockholm gut auf der Bühne umsetzen können.

05. Weißrussland: Ivan - "Help You Fly"
Weißrussland setzt jedes Jahr auf was ganz anderes und will wohl diesmal zeigen, dass sie auch modernen Radio-Sound drauf haben. Deshalb schicken sie den jungen Ivan mit seinem Song "Help You Fly". Dieser kommt echt gut in meinem Ohr an, obwohl er bei den hohen Parts im Refrain manchmal hart an der Grenze des Ertragbaren ist. Ich hatte ihn schon ihn irgendwo in meinem Mittelfeld platziert und rechnete damit, dass man bei der Umsetzung auf der im Vorentscheid zurückgreifen würde. Weit gefehlt! Ivan würde gerne komplett nackt und mit echten Wölfen auftreten, fragte dabei sogar bei der EBU nach, ob er das nicht tun könne. Natürlich nicht, antworteten die Verantwortlichen, der ESC ist eine Familiensendung, komplette Nacktheit geht deshalb nicht. Und auch Tiere sind, aufgrund des Schutzes der Tiere, nicht erlaubt. Doch davon mal ganz abgesehen: wie kann man nur auf so eine Idee kommen? Ehrlich jetzt? Nackt? Allein deshalb würde ich ihm gern 12 Minuspunkte geben, aber klar, ich muss den Song bewerten und der ist nicht schlecht. Kein Highlight, aber eben auch kein totaler Reinfall. Deshalb gibt es 4 Punkte und die Hoffnung, dass man sich was anderes hat einfallen lassen für Stockholm.

06. Serbien: Sanja Vucic ZAA - "Goodbye (Shelter)"
Ein weiterer Favorit wenn man nach den Wetten geht ist Serbien. Letztes Jahr noch mit schriller Disco-Nummer unterwegs, entschied sich der serbische TV-Sender in diesem Jahr für eine schwere Ballade mit ernstem Thema. Die Newcomerin Sanja singt nämlich von der Befreiung aus einer gewalttätigen Beziehung und trägt dabei den Song sehr dramatisch vor. Das Erscheinungsbild scheint von Amy Winehouse inspiriert und im Video sieht man ein Orchester spielen. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich das ernste Thema gar nicht realisiert hätte, wenn beim Songcheck auf eurovision.de nicht darauf hingewiesen worden wäre. Und auch wenn ich weiß, was das Stück für eine Bedeutung haben soll, muss ich leider sagen, dass ich kein Fan bin. Für mich wirkt alles so aufgesetzt und übertrieben, dass ich mich gar nicht auf den Song konzentrieren kann. Ich muss auch ehrlich gestehen, dass ich ihn nicht wirklich nachsingen könnte, obwohl Lieder bei mir sehr schnell hängen bleiben. Kein gutes Zeichen. Von mir gibt's nur 2 Punkte. Aber wer weiß? Vielleicht präsentiert sie sich in Stockholm anders und der Song schafft es in mein Mittefeld... oder auch nicht :D

07. Irland: Nicky Byrne - "Sunlight"
Kommen wir nun zu meinem Guilty Pleasure aus diesem Jahr: in jedem Jahrgang gibt es einen Song, der total Klischee ist und jeden anderen Fan etwas nervt, den ich aber wiederrum total gut finde und in der vorderen Hälfte sehe. In diesem Jahr ist es der Ex-Boyband-Sänger Nicky Byrne und sein 0815-Pop-Song "Sunlight". Kommen wir kurz zum Song: dieser ist gut, allerdings 0815-Pop-Ware vom feinsten. So ein Überbleibsel von Westlife, könnte man meinen. Allerdings ist Nicky so süß, so lieb und so cool drauf, dass ich ihn einfach als Typ total gerne mag. Und da finde ich dann auch den Song cool - auch wenn er auswechselbar ist und Schwierigkeiten haben wird ins Finale zu kommen. Trotzdem würde ich es Irland wirklich gönnen, schließlich haben sie schon seit längerer Zeit eine kleine Flaute. Von mir gibt's gute 8 Punkte, auch wenn ich weiß, dass der Song keine reelen Chancen hat.

08. Mazedonien: Kaliopi - "Dona"
Mazedonien ist für mich ein Land, bei dem ich mich an gar keinen Song in den letzten Jahren erinnern kann. Nun gut, jetzt soll es Kaliopi richten, die 2012 schon einmal das Land präsentierte und einen respektablen 13. Platz belegte (an den ich mich gar nicht erinnern kann). Ob "Dona" jetzt besser ist, als der Song im Jahr 2012, weiß ich nicht, allerdings überzeugt der diesjährige Beitrag mich auch nicht unbedingt. Netter, ESC-typischer Song, der schön die mazedonischen Klänge miteinbezieht, der aber international nicht wirklich funktionieren wird. Das ist so ein Beitrag, der dann am Ende besser platziert ist als wir Deutschen (so in der Regel) und man fragt sich am Finalabend: "JETZT ERNSTHAFT? DER IST DOCH NUR BESSER WEGEN DEM BLOCKVOTING!". Schon jetzt assoziiere ich damit also einen Aufreger - keine guten Voraussetzungen. Von mir gibt's 2 Punkte, womit ich Kaliopi nicht im Finale des Eurovision Song Contest sehe.

09. Litauen: Donny Montell - "I've Been Waiting for This Night"
Bei den ESC-Hardcore-Fans kommt Litauen im Schnitt relativ gut weg, alle loben den Sänger, sind begeistert von dem Song und feiern die Präsentation. Ich bin da eher etwas nüchtener. Der Song ist ganz okay, eine Radio-Dance-Pop-Nummer halt, der Typ ist jetzt nicht so mein Fall und der Auftritt war jetzt auch kein Meilenstein. Litauen hat Glück, dass es so voting-fröhliche Nachbarn hat, sonst würde das Land sehr viel seltener ins Finale kommen. Auch hier denkt man sich, wie das Land nur besser platziert sein kann wie Deutschland - den Gedanken habe ich leider bei viel zu vielen Acts jedes Jahr aufs Neue. Somit kann mich Donny nicht wirklich begeistern, wird es aber voraussichtlich trotzdem ins Finale schaffen - und wahrscheinlich einen meiner Favoriten davon abhalten. 1 Punkt, mehr geht einfach nicht.

10. Dami Im - "Sound of Silence"
Ich gebe zu: letztes Jahr war ich nicht auf dem Guy Sebastian-Hype-Train und fand den Song auch nur so lala. Die dazugehörige Show war dann allerdings mega gut und hat mir ein Lächeln aufs Gesicht gezaubert. Dementsprechend war ich wirklich gespannt, wer Australien in ihre 2. Jahr vertreten wird. Das es dann Dami Im wurde war jetzt nicht allzu überraschend, schließlich wurde sie schon heimlich als mögliche Repräsentantin getippt. In Stockholm präsentiert sie ihren Song "Sound of Silence", eine der wenigen Balladen in diesem Jahr. Anfangs war ich ähnlich neutral wie bei vielen anderen Songs: ja okay, aber jetzt auch nicht MEGA überzeugend. Trotzdem musste ich zugeben, dass Australien wohl doch besser ist als das breite Mittelfeld in diesem Jahr. Nach mehrmaligen Hören finde ich den Song jetzt recht gut und bei Australiens Händchen für gute Präsentation, rechne ich mit einem festen Finaleinzug und einer guten Platzierung am Ende. Dieser Song ist einer der wenigen, bei denen ich echt gespannt bin, wie er auf die Bühne gebracht wird. Bis jetzt sind das 8 Punkte, mit reichlich Luft nach oben.

11. Slowenien: ManuElla - "Blue and Red"
Bei diesem Auftritt musste ich richtig lachen: ManuElla packte beim Vorentscheid wirklich ganz tief in die ESC-Trickkiste und holte tanzende Backgroundsänger und ein Trickkleid heraus. Dabei hat man immer wieder das Gefühl, man möchte doch viel zu sehr vom schwachen Country-Pop-Song "Blue and Red" ablenken. Dieser kommt daher wie eine Billig-Taylor Swift-Song, der innerhalb von 5 Minuten zwischen Tür und Angel mal eben geschrieben wurde. Öde, langweilig und schon tausendmal besser gesehen und gehört. Besonders gehört. ManuElla trifft für mich die Töne überhaupt nicht und ich musste einfach ständig lachen wenn ich die Performance gesehen habe. Keine guten Anzeichen für den Auftritt in Stockholm. Von mir gibt's leider nur einen Punkt :(

12. Bulgarien: Poli Genowa - "If Love Was a Crime"
Auch Bulgarien kehrt zum Contest zurück und schickt Poli Genowa, die 2011 schon einmal ihr Glück versuchte, allerdings im Halbfinale ausschied. Damals präsentierte sie ihren Song komplett in bulgarisch, in diesem Jahr setzt sie größtenteils auf Englisch und singt nur einige Zeilen auf Bulgarisch. Dabei ist "If Love Was a Crime" ein moderner Love-Song, der total gut in die 2016-Pop-Welt passt und trotzdem Eigenständigkeit aufweist. Für viele Fans als auch für Buchmacher gehört der Song in die Top10, für so gut halte ich ihn aber doch nicht. Klar, man freut sich über so ein modernes Stück, für mich ist es dann aber auch zu glatt gebügelt und zu Mainstream. Komisch, dass viele Tracks in diesem Jahr zwar im Radio laufen könnten, allerdings total 0815 sind nach dem ersten Hören. An was oder wem das wohl liegt? HUSTMansHUST. Naja, kommen wir zu Bulgarien zurück: für mich gut und definitiv mit Top10 bzw. Mittelfeldchancen. Deshalb gibt's auch 7 Punkte und eventuell ein, zwei Pünktchen mehr, wenn der Auftritt stimmt.

13. Dänemark: Lighthouse X - "Soldiers of Love"
Okay, vorhin bei Nicky Byrne aus Irland habe ich gesagt, er wäre mein Guilty Pleasure dieses Jahr.. um ehrlich zu sein habe ich zwei! Während alle ESC-Fans diesen Song total billig finden und ihn verachten, feiere ich die Dänen in diesem Jahr richtig ab. Ich hab's einfach mit Boybands, ich weiß. Aber auch wirklich nur mit guten. Und Lighthouse X sind gut. Der Song ist total catchy, der Refrain bleibt sofort hängen und die Jungs schauen super aus - kurz gesagt, hat er einfach alles, was er braucht, um ins Finale zu kommen. Ob das wirklich funktioniert weiß ich nicht, es wird viel davon abhängen ob die Jungs live auch wirklich so gut abliefern wie in der Studio-Version und wie sie die Show gestalten werden. Den Song habe ich so ziemlich als ersten in diesem Jahrgang mitbekommen und ich liebte ihn ab dem ersten Moment. Er war nicht umsonst mein Ohrwurm für mehrere Wochen. Deshalb gibt es von mir auch 10 Punkte und die große Hoffnung, dass sie in Stockholm überraschen.



14. Ukraine: Jamala - "1944"
Und nach meinem Favorit kommt was? Ja, genau: noch ein Favorit! Jamala machte schon Anfang des Jahres Schlagzeilen, da sie mit einem politischen Lied gegen Russland beim ESC auftritt und ihr Auftritt von Anfang an polarisiert. Die einen scheinen sie zu mögen, die anderen finden den Song, seine Message und/oder die Performance total furchtbar. Ich gehöre zu der Fraktion, die den Song, allein vom Klang, total liebt. Er hat eine sehr eigene Produktion, ist total individuell und hebt sich von allem ab, was wir beim Contest bisher gehört haben. Genau das will man doch: jedes Jahr auf's neue überrascht werden, neue Stile kennenlernen und geflasht sein. Und ich glaube, dass man von Jamalas Auftritt genau das sein wird: geflasht. Weshalb ich mich total auf ihren Auftritt freue und sie damit zu meinen absoluten Favoriten auf den Sieg gehört. Und in Punkten sind das dann auch glatte 12 - dankeschön und Auf Wiedersehen :D



15. Norwegen: Agnete - "Icebreaker"
Und jetzt sinkt das Level gewaltig, zumindest für mich. Viele Fans lieben Norwegen und sehen Agnete mit ihrem Eisbrecher in der vorderen Hälfte im Finale, ich dagegen könnte auf sie sogar am Samstag verzichten. Die Sängerin hat sich eindeutig von den visuellen Umsetzungen in Wien inspirieren lassen und bringt die Kälte, die sie im Song besingt, definitiv auf die Bühne. An dieser habe ich auch gar nichts auszusetzen, allerdings gefällt mir der Song einfach überhaupt nicht. Er ist mal schnell, mal langsam und mal irgendwie überall und nirgendwo, gleichzeitig finde ich den Refrain total schief gesungen, als ob der Ton da nicht passen würde. Zumindest in meinen Ohren. Damit ist Norwegen dieses Jahr nicht mein Favorit. Leider. Weshalb es auch nur einen Punkt gibt - sorry!

16. Georgien: Nika Koscharow & The Georgian Lolitaz - "Midnight Gold"
Georgien war im letzten Jahr wirklich mega mit ihrer Nina und dem Song "Warrior". Show, Stimme und Bühne waren einfach total stimmig und definitiv in meiner persönlichen Top10. In diesem Jahr wollte man dann auf Garage-Band-Rock setzen und organisierte eine Auswahl rund um den Act Nika Koscharow & The Georgian Lolitaz. Diese stellten insgesamt sechs Songs vor, zwischen denen die Zuschauer aussuchen sollten. Ähnlich wie das bei uns mit Xavier Naidoo gelaufen wäre. Nun gut, anders als bei uns, hat es in Georgien auch nach diesem Plan geklappt. Die Zuschauer wählten "Midnight Gold" aus, welches nicht der Favorit der ESC-Fans war und schickten die Jungs auf ESC-Reise. Auf dieser nahmen sie den Track noch einmal professionell in Berlin auf und tourten auf Promo-Tour durch Europa. Leider wird ihnen das nicht nützen. "Midnight Gold" ist zwar nett gemeinter 80s-Synth-Rock, ist aber nach einer Minute total langweilig und will einfach nicht im Ohr hängen bleiben. Nachdem Georgien sich im letzten Jahr in die erste Hälfte des Finales vorkämpfen konnte, wird diesmal wohl in Halbfinale Schluss sein, sorry! Daher nur einen Punkt und die dringende Bitte: BRINGT NINA ZURÜCK!

17. Albanien: Eneda Tarifa - "Fairytale"
Albanien sind die Revamp-Profis. Jedes Mal gewinnt ein albanisches Lied den Vorentscheid, jedes Mal wechseln sie ihn dann auf Englisch und produzieren ihn noch einmal neu. Das sich das albanische Publikum nicht veräppelt vorkommt, ist ein Wunder. Jedenfalls hat das letztes Jahr gut geklappt. Da wurde der Song komplett gewechselt und verschaffte den Albanen zumindest den Finaleinzug. Dort war zwar im unteren Mittelfeld Schluss, aber immerhin. Diesmal gab es "nur" eine Nachproduzierung des Songs und was soll ich sagen: verschlimmbessert wäre das Wort, oder? Leider ist "Fairytale" ein Mischmasch aus verschiedensten Sounds und Stilen und verstört mehr als das es einem gefällt. Dabei hat Eneda wirklich eine wunderbare Stimme... aber die kann es nicht herausreisen. Gleichzeitig kann ich sie gar nicht von der Sängerin aus dem letzten Jahr unterscheiden... die sehen irgendwie fast gleich aus, findet ihr nicht? Naja, für dieses Jahr gibt es leider nur einen Punkt.

18. Belgien: Laure Tesoro - "What's the Pressure"
Belgien hatte es nicht leicht, schließlich haben sie im letzten Jahr einen grandiosen 4. Platz belegt. Nun gilt es diesen zu wiederholen, weshalb sie einen nationalen Vorentscheid ausrichteten und als Ergebnis Laure Tesoro und ihre funkige Pop-Nummer "What's the Pressure". Mich erinnert diese total an "Sax" von Fleur East und ihr wisst genau, wie sehr ich diesen liebe. Allerdings schafft es "What's the Pressure" nicht, das Level von "Sax" zu halten, sondern wirkt auf mich eher wie eine billige Kopie. Ich möchte dem Song gar kein Plagiat vorwerfen, das ist es nicht, aber er bewegt sich halt in den selben Gefilden und wenn dann ein Song offensichtlich schlechter ist als ein anderer... dann wird man auch nicht warm mit ihm. Für mich wird es Laure vielleicht knapp ins Finale schaffen, landet dann aber in der hinteren Hälfte. Ich kann dafür nur 3 Punkte vergeben und sagen: sorry, Belgien! Lasst das doch leiber eure französischsprachigen Nachbarn machen :D

Das war's auch schon mit dem Line-Up des 2. Halbfinals. Welche Songs und Acts sind eure Favoriten? Habt ihr eine klare Top10, die sich fürs Finale qualifizieren oder müsst ihr ganz schön kreativ sein um diese zu besetzen? So würde meine zehn Qualifikanten für das große Finale aussehen:

01. Ukraine: Jamala - "1944"
02. Dänemark: Lighthouse X - "Soldiers of Love"
03. Irland: Nicky Byrne - "Sunlight"
04. Australien: Dami Im - "Sound of Silence"
05. Israel: Hovi Star - "Made of Stars"
06. Bulgarien: Poli Genowa - "If Love Was a Crime"
07. Lettland: Justs - "Heartbeat"
08. Schweiz: Rykka - "The Last of Our Kind"
09. Weißrussland: Ivan - "Help You Fly"
10. Belgien: Laure Tesoro - "What's the Pressure"



Also, ich muss sagen, dass ich wieder meine Top5 sehr gerne im Finale sehen würde... zweifle aber bei Dänemark und Irland, ob sie es wirklich schaffen werden. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Australien, Lettland und die Ukraine ins Finale kommen werden, außerdem rechne ich auch Israel und Bulgarien gute Chancen aus, es zu schaffen. Alles andere ist echt total offen, ich denke, dass das zweite Halbfinale voller Überraschungen sein wird. Außerdem glaube ich, dass Norwegen und Serbien genügend Fans haben werden, die sie ins Finale voten. Nur so ein Gefühl.

Doch das war's ja noch nicht, wir wollen uns auch die stimmberechtigten Länder anschauen, die bereits für das Finale gesetzt sind:

Italien: Francesca Michielin - "No Degree of Seperation"
Italien erlebte in diesem Jahr das, was wir letztes Jahr erlebten. Die Gewinner ihres Sanremo-Festivals kündigten an, sie wollen nicht zum ESC. Allerdings hat das weniger Gewicht, da dem Gewinner des Festivals lediglich angeboten wird, zum Contest zu fahren, eine Pflicht besteht nicht. Die Gewinner lehnten also dankend ab und somit wurde die Zweitplatzierte Francesca Michielin nominiert. Diese wollte unbedingt im Mai nach Stockholm und schafft das nun auch mit ihren "No Degree of Seperation". Für mich ist der Song wirklich sehr schön, allerdings stört mich die im Nachhinein eingefügte englische Phrase etwas. Italienisch ist doch so eine schöne Sprache, warum muss man da noch was Englisches reinhauen? Das verstehe ich wirklich nicht, besonders da es irgendwie den Glanz des Songs zu dimmen scheint. Italien wird von den Fans ziemlich hoch gehandelt, ich denke allerdings, dass es gar nicht so gut abscneiden wird, wie erwartet. Ein Platz im Mittelfeld ist maximal drin und schon da muss alles stimmen (Bühne, Performance, Gesang). Von mir gibt es 5 Punkte und die leise Hoffnung, dass der Auftritt wirklich umhaut, schließlich mag ich das Lied ja eigentlich.



Großbritannien: Joe & Jake - "You're Not Alone"
Die Insel kehrte in diesem Jahr wieder zu einem nationalen Vorentscheid zurück und stellte sechs Sänger bzw. Sängerinnen zur Auswahl. Mein Favorit dabei waren Karl William Lund und sein "Miracle" und Joe & Jake mit "Your're Not Alone" - dementsprechend froh war ich, als das Duo den Vorentscheid gewann und für England feststand, obwohl ich im Finale eher Karl vorne sah. Egal, ich war zufrieden und freute mich, dass man aus England mal einen seriösen Act bekommt. Einziges Problem: der Song ist in der Studioversion wirklich sehr gut, leider überzeugen die Jungs live eher nicht so. Ich hoffe, dass sie seit dem Vorentscheid ordentlich geübt haben und uns in Stockholm eine gute Leistung präsentieren. Denn dann sehe ich diesen Act locker im oberen Mittefeld. Von mir gibt's deshalb auch 6 Punkte, da ich die Jungs und den Song echt mag und hoffe, man überlegt sich was tolles für Stockholm.



Und jetzt alle so: "HÄ, wo ist denn Deutschland? Wir sind doch auch stimmberechtigt?". Ihr habt recht. Aber natürlich bekommt Deutschland seinen ganz eigenen Kandidatencheck in einem ganz individuellen Beitrag - dieser erscheint morgen, bevor es dann in die heiße Phase des Eurovision Song Contests 2016 geht. Bleibt also dran und schaut in den nächsten Tagen vorbei (:


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