ESC Special 2016: Die Eurovision-Depression setzt ein...


Ich bin ja generell ein sehr positiver Mensch. Ich sehe das Glas immer als halb voll an, fast nie als halb leer. Deshalb mache ich so viele Dinge in meinem Leben auch so hingebungsvoll und strotze nur so vor Elahn. Selbes gilt natürlich für diesen Blog und alle Beiträge, die ich auf diesem veröffentlichte: ich stehe hinter meinen Rezensionen zu 100 % und gebe auch nur dann eine positive Empfehlung, wenn ich die LP wirklich mag. Ähnlich ist das beim ESC: ich stehe hinter meinen Favoriten, auch wenn sie im Vorfeld nicht so gehandelt werden. Besonders aber hänge ich natürlich am deutschen Kandidaten: ich informiere mich sobald es erste Informationen gibt, schreibe mehrere Artikel über die Vorentscheidung, veröffentlichte Kandidatenchecks, höre mir dazugehörige Alben an und verfasse als Höhepunkt sogar Live-Ticker und Fazit zum Vorentscheid.

Jamie-Lee bei ihrer zweiten Probe
Und gerade dann ist es wirklich deprimierend, wenn es nach monatelangem Warten auf die Eurovision-Week zugeht und man nur eins bekommt: Kritik. Gegenwind. Und ganz viel Besserwisserei. In der letzten Wochen fanden die Proben zum Event statt. Zunächst probten alle Semifinalisten, bevor immer mal wieder einzelne Finalacts (z. B. Schweden) auf die Bühne durften. Am Samstag war es dann bei Jamie-Lee so weit: die 18-Jährige sang ihren Song "Ghost" und war sowohl stimmlich als auch Performance-technisch oberste Klasse! Ich rechnete mit großem Beifall aus dem Pressezentrum; Fans, die völlig perplex sind, weil sie den Song zuerst als schwach ansahen und jetzt erst sein Potenzial erkannten; Und natürlich Wettquoten, die sofort nach der Probe nach oben schießen. Und was passierte? Nichts. Ja. Richtig gehört. Nichts. Das Pressezentrum platzierte Deutschland mit ihrem Act bei der alltäglichen Umfrage auf den letzten Platz, empfanden ihn also im Vergleich zu den Big Five und dem Gastgeberland Schweden, als schwächsten Beitrag unter diesen. Und dabei alleine sollte es nicht bleiben.

Die Wetten reagierten auch nicht. Jamie-Lee kratzt momentan irgendwo um die Plätze 26/27 rum und ist bei den Wetten, wer den letzten Platz macht, mit großem Abstand auf den ersten Platz. Richtig gehört. Im Vergleich zu allen 41(!) anderen Beiträgen, sehen die Buchmacher Deutschland als schlechtesten Song an. Jaaaaaaa. SCHLECHTESTER SONG. Schlechter als Georgien, San Marino, Montenegro, Finnland, Dänemark, Belgien, Moldau, Ungarn, Österreich, ... ich könnte noch mehr aufzählen. Das kann doch gar nicht sein, oder? "Ghost" ging doch, nachdem er als Kandidat für Stockholm feststand, in den Wetten sogar hoch, bis auf Platz 3 schaffte es der Gewinnersong von Jamie-Lee. Und jetzt auf einmal, soll er letzter werden? Ernsthaft? Ich kann es einfach nicht glauben.


Und irgendwie erreichte dann alles am 08.05.2016 seinen Tiefpunkt bei mir. Jamie-Lee absolvierte ihre 2. Probe, die sogar noch besser als die erste war, was sich allerdings nirgendwo widerspiegelte. Doch daran lag es nicht, dass ich innerlich verzweifelt bin. Am Abend fand der Empfang aller Kandidaten in Stockholm statt und die Big Five durften hier ziehen, in welcher Hälfte der Show sie antreten werden - in der ersten (1.-14. Platz) oder in der zweiten (15.-26. Platz) Hälfte. Und was zog Jamie-Lee natürlich? Genau. Die erste Hälfte. Klar, man kann entgegnen, dass Mans oder Conchita auch in der ersten Hälfte starteten und den Wettbewerb schließlich gewannen. Aber ich finde, Jamie hätte die 2. Hälfte einfach VERDIENT. Sie bekommt von überall Gegenwind, da wäre mindestens ein hinterer Startzplatz fair gewesen. So in meinem Kopf. Und natürlich ist es in einer Show von Vorteil, wenn man im hinteren Drittel drankommt. Einfach, weil man dann noch fasziniert ist und den Song im Kopf hat.

Ich weiß, ich bin wahrscheinlich total drüber. Wen juckt's ob sie bei der Presse und den ESC-Fans ankommt? Schließlich haben die sich schon einige Mal geirrt. Und wen stört's wenn sie bei den Buchmachern auf den letzten Platz gewettet wird. Das wurden andere auch schon. Und ja, eigentlich ist es komplett egal, in welcher Hälfte man auftritt. Wenn der Song überzeugt und in Erinnerung bleibt, dann wird er auch Votes erhalten. Das mag ja alles sein. Aber als Fan ist es wirklich deprimierend, wenn man ständig eine auf den Deckel bekommt. Wenn man ständig Angst haben muss, dass man wieder am Samstag Abend da sitzt und nach den ersten drei Ergebnissen schon weiß, dass das nichts mehr wird. Und ein ganzes Jahr Vorfreude, Zittern und Hoffnungen umsonst war.

Doch das Kuriose daran ist wirklich: Jedes Jahr lernt man überhaupt nicht dazu. Schon letztes Jahr nahm ich mir vor, mich nicht mehr so "emotional" an einen deutschen Beitrag zu hängen. Damit ich danach nicht mehr so enttäuscht bin. Und was habe ich jetzt? Selbe Situation, nur eben mit Jamie. Und das ist jetzt wirklich schlimm, fast schon fies, da ich Jamie schon seit The Voice kenne und sie von Anfang an meine Favoritin war. Weshalb es umso härter ist, sie so schlecht in Fan-Polls und Pressemeinungen abschneiden zu sehen.

Was bleibt ist die Hoffnung. Und zwar bis Samstag, kurz vor Punktebekanntgabe der einzelnen Länder. Bis dahin werde ich mir Blogs durchlesen, mit Freunden darüber sprechen und mir unendlich viele Probenmitschnitte ansehen, bevor ich dann am Samstag vor dem Fernseher sitzen und tief und fest daran glauben werde, dass Jamie-Lee den Platz bekommt den sie verdient: einen, unter den ersten fünfzehn Plätzen. Und mein Glaube ist stark. Wenn nicht gar irrational. Doch trotzdem kann ich nicht anders. Besonders aufgrunddessen, dass es eigentlich nichts zu beanstanden gibt: der Song, das Staging und die Performance sind MEGA und Jamie-Lee wird einen tollen Auftritt in Stockholm hinlegen. Ganz sicher. Und vielleicht ist das, der einzige Wermutstropfen, den man bekommt: einen guten Auftritt, auf den man stolz sein kann. Und der dann von den deutschen Medien zerrissen wird. Doch das ist ein anderer Beitrag...

Wie geht's euch momentan? Fühlt ihr euch auch so verwirrt? Ja, quasi ein wenig depressiv? Ich habe bestimmt etwas dramatisiert und natürlich gibt es auch andere Aspekte, warum ich den ESC so toll finde. Trotzdem geht es einem Blogger nah, wenn "sein Kandidat" eben nicht so ankommt, wie man sich das erhofft. Wie schön waren doch die "Lena-Jahre". Doch vielleicht gelingt auch Jamie-Lee ein Sommermärchen. Und wir wünschen uns dann in fünf Jahren die "Jamie-Lee-Jahre" zurück. Merkt ihr ihn wieder? Meinen kleinen Optimist? Ich weiß. Doch lasst mich in meiner Ilusion.


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Hier geht's zu meinen aktuellen Beiträgen:


Beyoncé - "Lemonade"                     Single-#Update im April 2016

Jamie-Lee - "Berlin"

& hier zu meinen anderen Beiträgen des ESC-Specials:


Kandidatencheck: 1. Halbfinale                             Kandidatencheck: 2. Halbfinale

Kandidatencheck: Deutschland mit Jamie-Lee und "Ghost"

Prognose: 1. Halbfinale                                                Meine Favoriten

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