Album-Rezension: Beyoncé - "Lemonade"

Als ich hörte, dass Beyoncé ein neues Album veröffentlichte, wollte ich es sofort hören. Doch dann die Ernüchterung: die ersten 24 Stunden gab es das Album nur über Tidal, Fans konnten sich dieses nur anhören, wenn sie auch beim Musikgiganten angemeldet waren oder warteten auf den Kurzfilm zum Album, der auf HBO gezeigt wurde. Allerdings passierte das nur in Amerika, internationale Fans hatten fast gar keine Chance, in "Lemonade" reinzuhören. Doch dann die Erlösung: Beyoncé gab ihr Album zunächst bei Tidal zum Download frei bevor die LP in allen gängigen Download-Portalen zu finden war. Allerdings zu einem stolzen Preis von 17,99 € (FÜR EINEN DOWNLOAD!!). Mir war das zu viel, weshalb ich auf eine physische Form wartete, die ich dann am 29.04.2016 vorbestellen konnte. Dabei war ein AutoRip (jetzt ratet doch mal, wo ich vorbestellt habe? :D) dabei und deshalb kann ich ins Album schon vor dem physischen Release am 06. Mai reinhören - allerdings komme ich leider überhaupt nicht zum Anhören, da ich so viel unterwegs bin.

Trotzdem habe ich mich an einem späten Abend in mein Wohnzimmer verzogen und die Platte reingemacht. Und dazu nehme ich euch jetzt mit - Song für Song, wie es sich bei einer Rezension der Queen auch gebührt ;-)


01. "Pray You Catch Me"
Emotionaler Start, den Beyoné da wählt. Anfangs dachte ich, sie würde den Song nur Accapella mit Chorstimmen performen, bevor es dann erst richtig los geht, ganz dramatisch mit Klavier und Yoncés Stimme. Hier geht es um die Geschichte, um die Gefühle, die Beyoncé rüberbringen möchte. Keine große Produktion, keine großen Effekte. Nur ganz nah, persönlich und verletzlich, will Beyoncé wohl, dass man genau hinhört und sich auf diese neue, nunmehr sechste Reise einlässt. Ich liebe "Pray You Catch Me", einfach weil es so eine große Ballade ist, die mir auf dem letzten Album noch etwas gefehlt hat. Inhaltlich geht es darum, dass die Sängerin wohl mitbekommt, wie der Freund mit anderen Frauen spricht und diese hintergeht. Sie betet, dass sie beim Lauschen entdeckt wird, damit der Geliebte aufwacht und einsieht, wie falsch er handelt. Und schon waren Trennungsgerüchte in aller Munde. Es wundert einen aber bei den Lyrics auch nicht :D

02. "Hold Up"
WUHU, Beyoncé goes Raggae! Richtig gehört, auf "Lemonade" experimentiert die Sängerin viel mehr als noch auf vorherigen Werken und präsentiert daher als zweiten Track gleich mal eine Raggae-Pop-Nummer. Diese erinnert etwas an den Sound von Rihannas achtem Studioalbum "ANTI" und würde auch von der Art zu der Sängerin passen. Weshalb es mich umso mehr freut, dass Beyoncé sich auch mal auf diesen Gefilden bewegt. "Hold Up" ist ein echter Ohrwurm und wird im Sommer wohl des öfteren auf meinem MP3-Player gespielt werden :D eigentlich stehe ich nicht auf Raggae, aber wenn er gut von einer weiblichen Künstlerin performt wird, dann kann ich mich dafür begeistern - und Beyoncé schafft das.

03. "Don't Hurt Yourself" (feat. Jack White)
Oh, jetzt wird's bisschen rockiger. Und verzerrter. Und viel produzierter. Die Strophen sind noch erkennbar, im Refrain geht es richtig ab und ich muss mich echt bemühen etwas zu verstehen. So richtig gefallen tut mir "Don't Hurt Yourself" jetzt nicht unbedingt. Der Einsatz von Jack White passt zwar total dazu, rettet aber den Track für mich nicht. Insgesamt passt er zum Album, ist aber kein Highlight. Zumindest für mich.

04. "Sorry"
HipHop-Beats á la "BEYONCÉ" gibt es als nächstes zu hören. Wenn ich mich nicht täusche, ist dieser Song nach "Formation", der erfolgreichste Track aus dem Album in den US-Singles-Charts. Und vom Stil her, ist das wirklich nah am letzten Album - und ich feiere es. Ich glaube auch deshalb, dass Beyoncé diesen Song als nächste Single gewählt hat. Sehr eingängige Hook, explizite Lyrics und eine großartige Produktion! MEGA, ein weiterer Favorit, der mal wieder ganz anders klingt, als alles, was man bis jetzt gehört hat. Ohoh, schon wieder ein Jay-Z-Moment "No I regret the day I put the ring on" - Beyoncé lässt nichts unberührt und ist total ehrlich. Den Sprech-Gesang finde ich übrigens total gelungen und mit das beste am ganzen Lied. Und die Frage, die sich jeder stellt: wer ist "Becky with the good hair?". Gut gemacht von Beyoncé, schließlich bewirbt sie, durch solche Lyrics und dem üblichen Bog-Geschnatter, ihr Album ganz vonallein ;-)



05. "6 Inch" (feat. The Weeknd)
Weiter geht's mit einem Duett mit The Weeknd. Dieser startet ja so richtig durch und war mit seinem Album "Beauty Behind the Mask" total erfolgreich unterwegs. In "6 Inch" singt Beyoncé eher tief und geht gar nicht so sehr in die Höhe - ja, The Weeknd singt sogar fast höher als sie :D Dabei gibt es wieder Trap/HipHop-Beats und eine Geschichte um eine Striperin - zumindest hört sich das für mich so an. Hier freue ich mich besonders auf die Film-Sequenz, vielleicht eine Fortsetzung des sexy Videos von "Partition"? Cool wäre es (:

06. "Daddy Lessons"
Heya, howdy, Ma'am. Beyoncé goes Country in "Daddy Lessons" und überrascht total, denn es klingt MEGA gut. Dabei verarbeitet sie das, was ihr Vater ihr beigebracht hat. Sowohl wie man den Spaß genießt, aber eben auch, wie man hart an sich arbeitet und seine Ziele erreicht. "Daddy made a social out of me", "Tough girl I had to be" - man sieht, wie viel Verantwortung ihr Vater Beyoncé schon sehr früh übergeben hat. Musikalisch sind das aber volle 100 Punkte. Wie gerne hätte ich diesen Song als Single im Sommer. Das zur Zeit sehr berühmte Saxophone darf natürlich auch nicht fehlen und passt sehr gut rein. Bitte, bitte mehr davon in Zukunft, Beyoncé!

Am Ende sagt Blue Ivy "Good Job, B!" - MEGA SÜß *.*

07. "Love Drought"
Jetzt ein eher Future-Trap-Track, mit anfänglich sehr minimalistischer Produktion. Trotzdem sehr interessant, wo der Song so hinführt. Dabei sind die Strophen fast gerappt und viel schneller, der Refrain besteht dann fast nur aus einem Satz und ist viel intimer arrangiert. Total unüblich und überhaupt nicht kommerziell, aber das interessiert eine Beyoncé ja nicht. Vielleicht nicht der überzeugende Track, aber mit der interessanteste Song des Albums. Mir gefällt es sehr gut. Von der Atmosphäre hat es was sehr geheimnisvolles, aber auch total erregendes. Andererseits ist es auch eher distanziert. Wirklich eine sehr interessante Mischung, die uns die Sängerin bietet. IN LOVE WITH IT!

08. "Sandcastles"
Es folgt, nach all den harten und kantigen Beats, eine vom Piano getragene Ballade. Es geht um verlorene Träume, nicht erreichte Ziele und ganz viel Herzschmerz. Beyoncé überzeugt auch mit ganz wenig Produktion und zeigt hier: ich kann nicht nur frech, mit viel Beats und durchchoreographiert, sondern weiß auch akustisch zu überzeugen. Wer bis jetzt dachte, dass die "alte" Beyoncé verloren gegangen ist, wird hier eines besseren belehrt. Was, ist schon Schluss? Der Song hätte aber gerne noch mindestens genauso lange weiterlaufen können :D


09. Forward (feat. James Blake)
Ich dachte jetzt, dass dieser Track zu "Sandcastles" gehört, weil er ohne Unterbrechung gleich anschließt. MEGA gut, der Sänger ist total super. Wenn man will, gehört der Track einfach noch zu "Sandcastles" und ist insgesamt ein Meisterwerk. Schade, dass man ihn nicht weiterentwickelt hat und zu einem ganzen Track produzierte. So hat man nur 1:19 Minuten, um ihn genießen zu können. Doch manchmal braucht es auch nicht mehr.

10. Freedom (feat. Kendrick Lamar)
WOW! Die nächste Single, nach "Sorry" sollte wohl dann "Freedom" werden. Wieder gibt es harte Beats, diesmal aber ein bisschen mehr Soul, Funk und 50s Vibe mit moderner Produktion. Im Hintergrund läuft ein Stampf-Beat (oder wie nennt man das?), der mich auch wieder an das vorherige Album erinnert. Da gab es auch einen Song, dessen Name mir jetzt nicht einfallen will, der auch so einen Armee-Beat (ich werde kreativ :D) hatte. Gehört definitiv zu meinen Lieblingen! Zur Bridge kommt Kendrick Lamar, mehrfacher Grammy-Gewinner und aktuell ein sehr erfolgreicher US-Rapper. Sein Teil passt perfekt zum Song, allerdings hätte es das für mich nicht gebraucht. Als Remix ja, aber "Freedom" hätte auch nur mit Beyoncé funktioniert. Ich liebe auch die rockigen Teile des Songs. Ein wahres Meisterwerk, das sich bitte ebenfalls in den Charts positioniern muss und live bestimmt MEGA vorgetragen wird. Am Ende hört man Beyoncés Oma den Satz sagen "I was served lemons but I made lemonades" - hier weiß man, warum Beyoncé ihr sechstes Werk "Lemonade" nannte.

11. "All Night"
Jetzt kommt #RealTalk. Beyoncé singt und rappt all ihren Frust runter, gleichzeitig ändert sich der Stil des Songs von Minute zu Minute. Am Anfang sehr balladig, dann eher im HipHop und irgendwann dann doch Pop, bevor es eher soulig und funkig wird. So etwas schafft nur die Queen. Für mich ein glatter Liebling, ähnlich wie "Jealous" auf "BEYONCÉ". Kein Fav-Favorit, aber dafür einen festen Platz in meinem Musik-Herzen. Auf langen Autofahrten wäre das der Song, den ich mir immer wieder anhören würde. Einfach weil er so SCHÖN ist. Manchmal muss man nicht den großen Mainstream-Pop machen, um dann einen Top10-Hit zu haben. "All Night" will genau das nicht. Und hätte es trotzdem verdient. IN LOVE.

12. "Formation"
Meine Gedanken zum  wunderbaren "Formation" habe ich schon im Februar abgegeben, als Beyoncé den Track als Video veröffentlichte und diesen dann ja auch schließlich beim Super Bowl performte. MEGA Stück, welches verdient in die Top10 der US-Charts eingestiegen ist. Außergewöhnlich, sehr edgy und trotzdem ein Ohrwurm - wer hier nicht realisiert, dass Beyoncé die Queen ist, dann weiß ich ja auch nicht. Wer wissen will, was, wie und wann, der sollte HIER klicken.


FAZIT:
Natürlich habe ich noch nicht die Visuals gesehen, das kann ich erst dann machen, wenn die physische CD da ist. Bis jetzt finde ich aber "Lemonade" musikalisch genauso gut wie sein Vorgänger, sogar fast noch etwas besser, weil man hier wieder total andere Einflüsse kennenlernt. Aber ich würde sie in einem "Beyoncé-Ranking" auf den selben Platz setzen. "Lemonade" verbindet die neue Richtung aus dem letzten Album mit den Sounds vorheriger Alben und zeigt gleichzeitig auch völlig neue Richtungen. Besonders schön finde ich, dass es die Balladen "Pray You Catch Me" und "Sandcastles" gibt - diese habe ich auf "Beyoncé vermisst. Aber auch alle anderen Songs sind großartig. Alle (bis auf "Don't Hurt Yourself", das ist mir irgendwie zu extrem) Tracks gefallen mir, sind wahre Hits und zeigen mal wieder, dass man Beyoncé einfach nichts nachmachen kann. Sie schafft ihre ganz eigenen Werke, veröffentlicht diese wie sie will und lässt sich immer neue, sehr kreative Wege einfallen, um diese zum strahlen zu bringen. Beyoncé ist einfach die QUEEN und wird das auch noch für sehr lange Zeit bleiben - bow down, b******!

P. S.: Sobald ich mir den Kurzfilm zum Album angeschaut habe, folgt an dieser Stelle eine kurze Berichterstattung - stay tuned!


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