Album-Rezension: Medina - "We Survive"


Wie sehr freute ich mich auf dieses Album!
Medina konnte mich mit ihren beiden Alben "Welcome to Medina" und "Forever (2.0)" total überzeugen und zählte zu den wenigen Künstlerinnen, bei denen ich mir sofort jede neue CD zulegte und sie über Wochen ständig anhörte, ohne das die Songs irgendwann langweilig wurden. Es ging sogar so weit, dass ich zu einem Konzert von ihr ging und über ihre Live-Qualitäten sehr positiv überrascht war. Meist haben ja besonders Dance-Acts eher Probleme bei Konzerten, Medina macht das alles sehr souverän und hat es richtig drauf. Dementsprechend freute ich mich also auf die Veröffentlichung ihres 3. englischsprachigen Studioalbums "We Survive", nachdem sie eine vierjährige Pause auf dem internationalen Markt einlegte (in Dänemark dagegen veröffentlichte sie immer wieder mal Songs bzw. EPs).

Doch schon als die erste Single "We Survive" veröffentlicht wurde, hätte mir auffallen müssen, dass es diesmal anders war. Ich hörte den Song, sah das dazugehörige Musikvideo und war eher weniger begeistert. Der Song war gut, typisch Medina halt, aber jetzt kein richtiger Hit wie "You & I", "Lonely" oder "Forever". Irgendwie fehlte mir die Entwicklung, die man zwischen den ersten beiden Alben definitiv hatte (ich empfand "Forever" sogar etwas besser als "Welcome to Medina", obwohl beide das selbe Genre bedienen). Wie dem auch sei, ich gab dem Album trotzdem eine Chance und hörte es mir an... mit mäßigem Erfolg.

Das Album bietet typischen Dance-Sound, den man von Medina gewohnt ist und wie schon gesagt... genau DAS ist das Problem. Alles klingt wie schon einmal gehört, es plätschert so vor sich hin und am Ende hat man ein Album gehört, bei dem man gar nicht mehr weiß, wann ein Lied aufhört und das andere angefangen hat. "Someone New" (der leider gar nicht nach "something new" klingt), "Good Enough" (der leider gar nicht so "good enough" ist) und "Young In Love" (in den ich mich so gar nicht verliebt habe, obwohl ich "young" bin) klingen allesamt mehr oder weniger gleich und reizen mein Musikerohr so gar nicht. Vielleicht liegt es an mir und ich bin anspruchsvoller geworden oder aber Medina hat sich qualitativ einfach in eine falsche Richtung entwickelt. Besonders deutlich wird das im Song "For U". Das ist für mich die größte Enttäuschung überhaupt, es wiederholt sich ständig alles und man wird überhaupt nicht abgeholt. Tiefpunkt einer sehr langen Ankettung von Dance-Tracks.

Medina im Video "We Survive"
Aber werden wir mal wieder etwas positiver: "Runnin Out Of Love", "Jealousy" und "Let Go" sind wieder tolle Songs, bei denen man auch mal etwas Neues hören kann und sieht, dass sich Medina wohl doch ETWAS weiterentwickelt hat. Diese drei Songs kann ich mir wirklich gut als Singles vorstellen, auch wenn sie noch lange nicht so gut wie ihre Vorgänger sind. Zu diesen guten Songs, schließen sich dann die Highlights des Albums, die sich komischerweise allesamt am Ende des Albums befinden. Mit "By Your Side" kommt Medina im Jahr 2016 an und macht modernen Dance, der vom Stil her an Skrillex, Diplo und Justin Bieber erinnert und für mich den besten Track der Platte darstellt. Auch die Tracks "Grass" und "Karma's a Bitch" ziehen da mit und lassen mich in alten Medina-Erinnerungen schwelgen. Genau DESWEGEN mag ich Medina so. Weil sie es eigentlich immer geschafft hat, Dance-Pop am Zeitgeist zu produzieren.

Hervorheben möchte ich den Song "Walking Mistake". Eingefleischte Medina-Fans erinnern sich bestimmt an "Hotels" aus dem Album "Forever". Dieser galt als Fan-Favorit, weil er so anders klang wie alle anderen Songs auf der LP. Dasselbe könnte jetzt "Walking Mistake" passieren. Der Track besticht mit sehr viel Hall und seiner minimalitischen Produktion, den 80s-Sythesizern und seinem Gänsehaut-Effekt. Zur Mitte ändert er sich dann zum Großraum-Dance-Pop und überzeugt anschließend komplett. Genau DAS habe ich von "We Survive" erwartet, schön, dass ich zwar nicht komplett bestätigt, aber immerhin teilweise befriedigt wurde.

Ich muss sagen, dass ich nach dem ersten Hören echt enttäuscht war. Deshalb dauerte es auch so lange, bis diese Rezension online ging. Ich wollte mir einfach nicht eingestehen, dass ich von Medina enttäuscht worden war. Ich gab dem Album noch einmal eine 2. Chance und hörte es mir noch einmal an. Und siehe da, ich war nicht mehr ganz so enttäuscht, wahrscheinlich weil ich meine Erwartungen runterschraubte. Gut, es ist jetzt auch nach dem zweiten Hören nicht mein aller, aller Lieblingsalbum von Medina, aber es ist okay. Besonders gegen Ende kriegt sie ja nochmal die Kurve und überzeugt mich mit einigen Tracks. Trotzdem muss ich sagen, dass jeder Medina-Fan, der sie seit der ersten Stunde verfolgt, etwas enttäuscht sein dürfte. Da waren die Vorgänger einfach besser. Um Meilen. Deshalb wird es jetzt nicht unbedingt eine "Hör doch mal rein"-Empfehlung, sondern eher ein "Naja, also schraub deine Erwartungen herunter wenn du welche hast und probier's mal"-Ding.... oder lasst euch einfach überraschen :D ob positiv oder negativ, liegt dann an euch :D


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1 Kommentar:

  1. Ich bin froh, das ich das nicht als einziger so sehe! Ich hatte auch ein wenig mehr erwartet, trotzdem hör ich es ab und zu.

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