Album-Rezension: Rihanna - "Anti"

Wie ihr vielleicht schon auf meiner Facebook-Seite mitbekommen habt, veröffentlichte Rihanna in der Nacht vom 27.01. auf den 28.01.2016 ihr nunmehr 8. Studioalbum "Anti", nachdem sie im Jahr 2015 bereits drei Singles aus ihrer "neuen Ära" veröffentlichte, welche allerdings nicht auf dem Album vertreten sind und gestern die erste offizielle Single der LP, "Work", erschienen ist, folgt nun also das komplette Werk. Ich höre mir das Album jetzt an und nehme euch direkt und live mit - und gebe euch meine Gedanken zu jedem einzelnen Song!


Die Songs:
01. "Consideration" (feat. SZA)
Dieser Track fühlt sich so an, als ober das Album zusammenfassen würde und man ihn deshalb als Opener wählte: "Consideration" fängt mit harten Beats an, jamaikanischen Sounds und Raggae-esken Gesang - hier muss ich sofort an "Work" denken, bei dem ich das gleiche Gefühl hatte. Mir gefällt das Zusammenspiel der beiden Künstler, ich kenne SZA gar nicht, trotzdem geht er ins Ohr. Wer die harten Töne von "Unapologetic" mochte, allerdings auch diese Barbados-Sounds liebt, der wird hier Gold richtig sein.

02. "James Joint"
Diesen Song kennen vielleicht viele, die Rihanna auf Instagram folgen: "James Joint" ist eine Art Interlude und wurde bereits im April letzten Jahres auf diversen Social Media-Plattformen geteast. Ich finde ihn vom Sound ganz okay, allerdings gefällt mir der Inhalt nicht (nur weil man Weed raucht, muss man das nicht in einen Song packen). Was mich noch viel mehr stört, ist aber die Dauer des Tracks: lediglich 1:12 Minuten dauert der "Song", wenn man ihn so nennen möchte. Rihanna arbeitete mit dieser Art Interludes auch schon auf "Talk That Talk" ("Birthday Cake") und "Unapologetic" ("Love Without Tragedy") und schon dort gefielen mir diese Song-Snippets nicht. Nichtsdestotrotz: vom Sound her passt er auf die LP, weshalb man drüber hören kann :D

03. "Kiss It Better"
Dieser Track erinnert mich vom Stil und Sound her total an "Unapologetic", er hätte genauso auch auf dieser LP vertreten sein können. "Kiss It Better" geht etwas mehr in eine Pop-Richtung, bedient sich aber auch derben Beats und einer Trap-Produktion. Bis jetzt ist das der kommerziellste Song, den ich aus der neuen Ära gehört habe. Mir gefällt er sehr gut, weil er eben auch etwas rockiger und härter klingt, allerdings auch Rihannas Stimme betont, weil er so gut passt. BITTE BITTE BITTE als Single!

04. "Work" (feat. Drake)
Wir kommen zur 1. Single, die ja schon seit gestern bekannt ist - viele Fans haten da total, ich finde den Track gut, eben weil er sich von vorherigen Singles unterscheidet und man einen solchen Song momentan in der Musiklandschaft nicht findet. Well done, Rihanna!




05. "Desperado"
Ich hab mir den Track jetzt zwei Mal angehört und fühle mich an "Rated R" erinnert. Sehr dunkel, etwas Dubstep-lasting und Rihannas Sprechgesang an manchen Stellen. Hier kommt auch der HipHop-Einfluss durch - auf den ich ja total stehe! Ich kann mir vorstellen, dass genau das viele stört, aber Dubstep und HipHop sind eben genau mein Ding. Für mich wäre diese Nummer ein Single-Kandidat - ganz im Stil der "Rated R"-Ära ;-)

06. "Woo"
Ich habe schon in einigen Reviews aus Amerika gelesen, dass das hier der Party-Track der LP sein soll. Wieder krasse Beats und Rihanna setzt hier in vielen Teilen auf Autotune. Dabei begleitet ein "Woooooooooooo" den Refrain, was auf mich im ersten Moment echt komisch wirkt. Die Instrumentalisierung ist wirklich nicht schlecht, mich stört glaube ich der Autotune-Anteil. Hab ein gemischtes Gefühl bei dem Song. Er passt auf die LP, gleichzeitig hebt er sich irgendwie ab. Irgendwie gut, aber irgendwie auch komisch. Trotzdem werde ich mich an ihn erinnern, da bin ich mir sicher. Faszinierend.

07. "Needed Me"
Bei dem Song dachte ich, er wäre von Diplo produziert, ist er aber gar nicht :D mir gefällt er, obwohl er ein bisschen an "Woo" anschließt. Allerdings ist hier die Melodie stärker erkennbar. Besonders die Instrumentalisierung ist hier grandios und erinnert wie gesagt an Diplo oder Justin Bieber mit seinen Songs "What Do You Mean" oder "Where Are Ü Now". Insgesamt ein guter Album-Track, den ich mir gern anhöre.

08. "Yeah, I Said It"
Ja, von "Woo" bis hier her sind alle Songs im selben Genre: ein paar Trap/HipHop-Beats, Rihannas Sprechgesang und ein wenig Autotune hier und da. Ich muss sagen, dass ich von dieser Richtung langsam genug habe und mir was anderes als neunten Track wünschen würde - ob das kommt weiß ich noch nicht, aber gut. "Yeah I Said It" reiht sich irgendwo zwischen Nummer 6 und Nummer 7 der LP ein und ist für mich nur mimttelmäßig. Damit hätte "Needed Me" den Dreikampf gewonnen und "Woo" zunächst mal verloren. Mal gucken ob das nach mehrmaligem Hören auch noch so ist.


09. "Same Ol Mistakes"
Hallo 80s-Sounds! Rihanna läutet ein neues Genre mit dem neunten Track der LP ein und schafft einen über 6 Minuten-langen Song, der überhaupt nicht Mainstream ist, aber total reingeht. Sehr experimentell und dennoch Pop gehört "Same Ol Mistakes" ebenfalls zu meinen Favoriten der Platte. Der Hall, die überschneidenden Gesangsparts und der E-Bass im Hintergrund schaffen eine total tolle Atmosphäre. Der Song ist vielleicht kein Single-Kandidat, zeigt aber, dass Rihanna gewachsen ist. "Feel like a brand new person" wiederholt sich immer wieder und Rihanna zeigt: sie hat sich nicht nur persönlich gewandelt, sondern auch als Sängerin. Traumhaft *.*

10. "Never Ending"
Die Gitarren sind zurück! Nachdem "FourFiveSeconds" ein Akustik-Indie-Track war, mit dem Rihanna 2015 überraschte, legt sie nun in die selbe Richtung nach: "Never Ending" ist eine Ballade, in der sich die Gitarren durchziehen und der total emotional daherkommt. Die "uhhhhh"-Parts sind dabei besonders stimmig und man konzentriert sich das erste Mal auf den Text. Für mich ein würdiger Single-Kandidat, der (nach "Stay" aus dem Jahr 2012/2013) mal wieder die zebrechliche und emotionale Rihanna zeigt. Gänsehaut vorprogrammiert.

11. "Love on the Brain"
Oh mein... mit diesem Sound hatte ich jetzt mal gar nicht gerechnet. Rihanna und Doo-Woop gab es schließlich noch nie. Das ist der erste Track, bei dem man die aktuellen Sounds aus den Charts hört: ein bisschen Bruno Mars hier, ein klein wenig "Marvin Gaye" dort und Rihannas außergewöhnlicher Gesang. Die Kombination ist MEGA und geht mal richtig unter die Haut. Auch hier konzentriert man sich wieder auf die Lyrics und wird in eine emotionale Geschichte transportiert. "I'm tired of being played like a violin" - Gänsehaut und der schönste Text auf dem Album bisher. Mein Lieblingstrack, zu 100 %!!!!

12. "Higher"
Rihanna bleibt bei den Oldschool-Sounds und präsentiert die, in "Love on the Brain" angekündigten, Violinen. Dabei klingt der Song wie eine klassische Ballade aus dem 50s oder einem alten 20s-Film und schreit sich dabei die Seele aus dem Leib. Für manche wird es zu viel "Geschreie" sein, für mich zeigt es das rohe Talent der Sängerin. Es sieht so aus als ob das Ende des Albums den Balladen allein gehört - und mir gefällt genau dieser Aspekt. "Higher" ist unglaublich emotional und passt perfekt in diesen Teil des Albums. Allerdings ist er mir mit 2:00 Minuten doch zu kurz.

13. "Close to You"
Auf den Abschlusstrack bin ich gespannt, wie sich in der Vergangenheit gezeigt hat, gefallen mir die letzten Tracks auf RiRis Alben immer am besten: ich hatte Recht. "Close to You" ist eine wunderschöne Piano-Ballade, in der Rihanna ihren Gefühlen freien Lauf lässt. Es macht den Anschein als ob sich Rihannas Stimme total ins positive entwickelt hat: sehr kräftig, sicher und vor Energie strotzend - ein weiterer Favorit auf der LP. Unglaublich, was Rihanna mit "ANTI" geschaffen hat. Ich bin sprachlos, glücklich und hab bei diesem Track wirklich Tränen in den Augen. Schön.

Deluxe Edition Bonus Tracks:
Seit Freitag, 29.01.2016 gibt es das Album auch auf iTunes - sowohl in der Standard Edition, die gestern kostenlos zur Verfügung stand, aber auch in einer Deluxe Edition mit drei zusätzlichen Tracks. "Goodnight Gotham" ist ein weiterer Interlude wie "James Joint", was mir wiederrum nicht wirklich gefällt, da der Track nur 1:29 hat. Musikalisch gibt es hier nicht so wirklich viel zu hören, verzerrte Stimmen, krasse Beats und ein sehr kantiger Übergang - ich habe irgendwie das Gefühl, dass Rihanna einfach klar machen wollte: so, jetzt kommen nochmal so richtig coole Tracks, macht euch gefasst! Und sie verspricht nicht zu viel! "Pose" und "Sex With Me" klingen von der Produktion etwas nach "B**** Better Have My Money", aber genau das hat das Album noch gebraucht: richtige Monstertracks, die die Masse befriedigen und genau das sind die beiden Deluxe Tracks. Wer jetzt denkt: oh Mann, ich will jetzt aber die CD in meinen Händen halten... das Album wird am 05. Februar physisch veröffentlicht, weltweit, damit auch in Deutschland (:

Fazit:
Heute beim "ANTI"-Hören...
Mein Eindruck nach dem (nun mehrmaligem Anhören) der LP? Sagen wir so: gibt es noch Pop-Fans, die nach den Singles ("FourFiveSeconds", "B**** Better Have My Money", "American Oxygen" und "Work") mit einer Mainstream-Pop-Dance-Platte gerechnet haben? Ja? Dann einmal bitte wegtreten, nix downloaden und weiter gehen - dafür gibt es andere Stars und Künstler, die man sich anhören kann. Sooooo, wenn jetzt noch wahre Fans und Menschen geblieben sind, die offen für ein Experiment im Pop/Raggae/HipHop/Trap-Bereich, dann herzlich Willkommen in der neuen, eher dunkleren, emotionalen und seht tiefgründigen Rihanna-Welt.

Die Sängerin präsentiert uns dreizehn Tracks, die unterschiedlicher und außergewöhnlicher nicht sein könnten. Die Platte hebt sich von allem ab, was vorher bekannt war und geht ganz eigene Wege. Songs wie "Woo", "Needed Me" und "Yeah, I Said It" sind Songs, die vielleicht nicht sofort reingehen und auch nicht unbedingt mit ihren Lyrics mitreißen, aber durch ihre Instrumentalisierung einfach auffallen. Anders bei "Consideration", "Kiss It Better" oder "Work". Hier kommen Jamaica-Beats zum vollen Einsatz und geben Rihannas Sound aus ihren ersten beiden Alben ein 2016-Update. Hier kommen dann auch einige Mainstream-Sounds zum Einsatz, was den Tracks einen gewissen Pop-Charakter gibt.

Rihanna beim Anhören von "ANTI"
Ein Highlight für wirklich alle Fans (vielleicht sollten sich manche Hit-Fans nicht ganz verabschieden) sind die Balladen gegen Ende: ich kann mich gar nicht entscheiden ob ich "Love on the Brain", "Higher" oder doch "Closer to You" am besten finde, wichtig ist mir bitte nur, dass mindestens ein Song davon als Single veröffentlicht wird, wenn nicht sogar alle drei!
Noch einmal hervorgreifen möchte ich "Same Ol Mistakes". Dieser hebt sich unter den Songs am meisten heraus, wie ich finde und gefällt mir MEGA gut. Obwohl er eine Spielzeit von mehr als sechs Minuten hat und man denken könnte, dass der Song einem auf die Nerven gehen könnte, bleibt der irgendwie am meisten hängen - was für die Qualität spricht.

Sprich: "Anti" ist für alljene etwas, die mal was Neues hören wollen und nicht an der alten Rihanna festhalten. Die LP bietet keine typischen Hits á la "Umbrella", "Hate That I Love You", "We Found Love" oder "Diamonds, dafür aber einen Sound, den man aus hunderten wiedererkennt und den man wahrscheinlich auch noch in mehreren Jahren anhören kann und sich denken wird: geile Zeit! Ich habe mich wirklich verliebt und bin total begeistert. Deshalb freue ich mich umso mehr auf die ANTI-Tour und bin gespannt wie Rihanna die Songs auf die Bühne bringen wird. Die Tour hat bereits stattgefunden. Zur Kritik kommt ihr HIER.



Als letztes noch etwas zu all den Hatern, auch wenn die meisten aus den USA stammen und es in Deutschland gar keinen so großen Aufschrei gibt: ja, Rihanna hat sich verändert, aber gebt doch dem ganzen mal eine Chance. Es ist nicht alles sofort schlecht, was einem vielleicht nach dem ersten Hören nicht gefällt. Kommt mal runter und lasst die Tracks zwei Mal durchlaufen - glaubt mir, ihr werdet versinken. Augen zu, anhören und genießen - das klappt wirklich! Genau das wollte Rihanna. Der Titel heißt nicht umsonst "ANTI". Denkt mal drüber nach.



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