Album-Rezension: Jessie J - "Sweet Talker" #JessieJSpecial

Vor diesem Album habe ich mich etwas gedrückt, das muss ich definitiv zugeben. Jessie J machte mich mit ihrem Debüt-Album "Who You Are" total neugierig. Zwar fand ich die meisten Songs eher okay bis so lala, dafür waren einige Songs so gut, dass ich mir das Album trotzdem immer und immer wieder angehört habe. Besonders "Price Tag", "Nobody's Perfect", "Who's laughing now", "Big White Room", "Do It Like a Dude" und "Who You Are" hatten es mir angetan. Danach rereleaste sie eine Platin-Edition mit weiteren tollen Songs wie "Domino" oder "LaserLight". Ich war total verliebt und freute mich auf ihr nächstes Werk.


Das lieferte sie dann auch: "Alive" wurde 2013 veröffentlicht und zeigte eine ganz gewandelte, sehr reife Jessie J, die ganz genau weiß was sie möchte: persönlich, zielstrebig und voller Hits erschien mir ihr 2. Album ein Meisterwerk und qualitativ viel besser als noch ihr Erstlingswerk. Warum? Wie schon gesagt: "Who You Are" hat durch seine starken Singles beeindruckt, die Album-Tracks waren dann aber eher okay. Auf "Alive" dagegen konnte ich mich gar nicht entscheiden, welchen Track ich als nächste Single, nach "Wild" und "It's My Party", veröffentlichen würde. Wer genaueres zu diesem Album wissen möchte, der klickt einfach hier und kommt zur Rezension des Albums.

Anschließend kündigte Jessie J eine US-Version von "Alive" an, dafür arbeitete sie mit Pharell Williams zusammen und wollte ihr Album US-tauglich machen, nachdem ihre Plattenfirma der Meinung war, es würde sich in Amerika nicht verkaufen... ich war dann gespannt, wie sich die neuen Songs anhören und ob sie zum Original-Album passen würden. Als ich dann erfuhr, dass es keine Wiederveröffentlichung geben würde, sondern ein neues Album, war ich schon etwas böse. Ich empfand "Alive" als ihr bestes Album und hatte mir erhofft, es gäbe noch weitere Singles. Dementsprechend enttäuscht war ich, dass die Promo-Phase für dieses Album abgeschlossen war. Da half auch nicht, dass "Bang Bang" mit Ariana Grande (meiner Lieblingskünstlerin zu der Zeit) und Nicki Minaj und "Burnin' Up" total mein Ding waren und ich die beiden Tracks rauf und runter anhörte. Und jetzt, mehr als einem Jahr nach Veröffentlichung habe ich es getan: "Sweet Talker" wanderte in mein CD-Regal und in den Player.

Das Album wird mit einer ganzen Reihe an Mainstream-Pop-Hits eröffnet. "Ain't Been Done", "Burnin' Up" feat. 2 Chainz, "Sweet Talker" und "Bang Bang" sind allesamt Uptempo-Nummern, die offensichtliche Single-Kandidaten waren. Deshalb überrascht es nicht, dass eben diese wirklich ausgekoppelt wurden - mehr oder weniger, denn Jessie J's Management bekam es nicht auf die Reihe "Sweet Talker" und "Burnin' Up" für die UK-Charts anzumelden... diese Begründung steht zumindest auf Wikipedia. Doch weg von den Fakten: die Songs gefallen mir ganz gut, besonders "Bang Bang" und "Burnin' Up" kennt man halt, wenn man Fan ist. "Ain't Been Done" fand ich am Anfang eher mittelmäßig, doch als ich nach Anhören der Platte nachhause kam, summte ich genau diesen Titel immer wieder vor mich hin. Er scheint also doch irgendwie eingängig. Selbes gilt für "Sweet Talker", allerdings ist er für mich der schwächste Track von allen bisher genannten.

Doch kommen wir weg von den Singles und hin zum Kernstück des Albums. Dieses besteht nämlich nicht nur aus Mainstream-Hits, sondern hat auch einiges mehr zu bieten. Als Highlights bewähren sich da "Masterpiece" (welches ja besonders in Deutschland bekannt sein dürfte), "Personal", "Loud", "Said Too Much" und "Get Away". "Personal" ist für mich DIE Ballade der LP und zeigt Jessie J von der persönlichen, sensiblen Seite, die wir schon von vorherigen Alben ("Who You Are", "I Miss Her") kennen. "Loud" mit dem Gaststar Lindsey Stirling, ist für mich DIE Überraschung des Albums. Die tolle Stimme von Jessie J und die zarten Klänge der Geige im Hintergrund sind für mich einzigartig und lassen sich auf keinem anderen Album so finden. Der Abschlusstrack "Get Away" ist sehr akustisch gehalten und man merkt deutlich, dass Jessie diesen Song geschrieben hat. Er erinnert mich total an "Alive" und das gefällt mir ziemlich gut. "Said Too Much" ist außerdem mein Uptempo-Highlight, wenn es um die Album-Tracks geht. Irgendwie würde ich mir mal wünschen, dass Jessie J nicht immer die offensichtlichen Singles wählt, sondern sich mal was traut und z. B. so einen Song ins Rennen schickt.

Eher enttäuscht war ich von Songs wie "Seal Me With a Kiss", ein eher amerikanisch-klingender HipHop-Pop-Mix, der etwas an die Arbeiten auf "Who You Are" erinnert - meins ist es eher nicht. "Fire" gefällt mir ziemlih gut, langweilt mich aber schon nach wenigen Minuten total... hier fehlt mir das Gefühl, die Persönlichkeit und die Stimme, die nicht wirklich in den Vordergrund gerückt wird. Selbes gilt für "Keep Us Together" - irgendwie ganz nett, aber halt einfach kein Highlight und nicht das, was Jessie J kann.

Auf der Deluxe-Edition gibt es dann noch drei Tracks: "You're Loss I'm Found", "Strip" und "You Don't Really Know Me". Und was soll ich sagen? Ohne Witz jetzt, diese Tracks sind die besten des Albums. Frech, frisch, gutgelaunt, toll geschrieben und mit Spaß performt. Das ist die Jessie J, die ich von "Alive" kenne und lieben gelernt habe. Diese Tracks hätte ich mir auf "Sweet Talker" gewünscht.

Und mein gesamter Eindruck des Albums? Gemischt. "Sweet Talker" ist eindeutig ein Produkt eines
Plattenlabes, das möglichst großen Erfolg haben wollte. Mit "Bang Bang" und "Burnin' Up" wollte man internationale Hits landen - und hat dies (größtenteils) geschafft! Und auch der Rest des Albums wirkt wie von einem Management erzwungen: ein paar Midtempo-Dinger hier, eine tolle Ballade und ein bisschen amerikanisches Uptempo-Gedöns da. Und mittendrin einige Akzente von Jessie J, in denen sie sich durchsetzen konnte (besonders die Deluxe-Edition-Songs zeigen das). Klar: das Album ist für einen Pop-Hörer gut, allerdings erwartet man andere Dinge nach "Alive". Jeder, der dieses Album nicht kennt, wird zufrieden sein. Jeder der es allerdings tut, der wird hin- und hergerissen sein. Einerseits findet man die Hits klasse, andererseits ist einem die Platte etwas zu unpersönlich und für mich daher nur okay.

Ich würde mir wünschen, dass das nächste Album etwas mehr von der wahren Jessie J enthält - ohne auf große Hits zu verzichten. Denn diese sind nicht das Problem. Es ist die Glaubwürdigkeit und die Stimmung, die einem diese Platte vermittelt. Man merkt, dass man hier den Erfolg erzwingen wollte. Man merkt die Business-Seite der Szene - und das will man als Hörer nicht. Man will Gefühle, Spaß und Eingängigkeit. Im Prinzip genau das, was man auf "Alive" hören konnte. Nur mit mehr Publicity und Hits á la "Bang Bang". Mit mehr Durchblick, mehr Kontiguität und mehr Plan. Bis dann höre ich mir "Alive" und auch "Sweet Talker" an. Denn es ist kein schlechtes Album. Nur eben auch kein Highlight am Pop-Himmel.




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