Album-Rezension: Demi Lovato - "Confident"

Mittlerweile der vierte ehemalige Disney-Star, der ein Album in diesem Jahr veröffentlicht: Nick Jonas feiert in Amerika große Erfolge mit seinem gleichnachmigen Album, Miley Cyrus schockt mir dem fragwürdigem "Miley Cyrus & her Dead Petz" (ernsthaft?!) und Selena Gomez stürmt die weltweiten Charts mit ihrem Album "Revival" und den Hits "Good for You" und "Same Old Love". Und natürlich darf dann mein Lieblings-Disney-Star nicht fehlen: Demi Lovato überzeugte mich schon zu Camp Rock-Zeiten und dann noch darüber hinaus, nachdem ich sie mit dem Song "Skyscraper" und dem Album "Unbroken" kennenlernte und sofort begeistert war. Danach veröffentlichte sie "Demi" und tourte dies für knapp ein Jahr durch Amerika - nur in Deutschland möchte sie nicht so wirklich Fuß fassen. Irgendwie hat die deutsche Musikszene noch nicht so wirklich Notiz genommen. Zwar platzieren sich ihre Alben in den Charts, aber sind dann auch genauso schnell wieder draußen mit einer Höchstposition zwischen 40 und 60. Ob sich das nun ändertn, nachdem man sie etwas mehr wahrgenommen hat (u. a. durch den Olly Murs-Hit "Up" und ihrer version von "Let It Go" aus dem Film Frozen)?

Das kann gut sein, denn Demi is back und das better than ever, wie man so schön sagt. Im Juli veröffentlichte sie die erste Single "Cool for the Summer", die im Prinzip zum Sommer-Jam des Jahres in Amerika avancierte und Demi legte einen sexy Auftritt nach dem anderen hin! Der Song war von der Instrumentalisierung und der Melodie total anders und mit nichts vergleichbar, was man bisher in den Charts finden konnte. Anschließend veröffentlichte sie erste Details ihres neuen Albums und veröffentlichte als zweite Single den gleichnamigen Song, "Confident" - dieser kam etwas popiger daher und zeigte eine völlig gewandelte Demi - gleichzeitig ist das Video ein kleiner Hollywood-Action-Streifen, der sich sehen lassen kann. Man merkte an den neuen Songs: Demi meint es ernst, klingt total einzigartig und hebt sich von der Masse ab. Ob dann auch ein gutes Album folgen würde? Ich war mir sicher und freute mich auf die LP.


Und nun höre ich sie schon für eine Woche und war zunächst sehr erstaunt: das Album ist alles, aber nicht das was ich erwartet hatte. Das hört sich jetzt sehr negativ an, so soll es aber gar nicht gemeint sein. Ihr Vorgänger "Demi" war ja total das Ohrwurm-Album, so ziemlich jeder Song ging rein, lud zum Feiern ein und war sehr girly. Und als nächstes wird einem "Confident" präsentiert, was in eine völlig andere, sehr erwachsene Richtung geht. Man experimentiert mit verschiedenen Sounds aus Genres wie Rock, Pop, R'n'B, Trap und Rap, weiß aber gleichzeitig ganz genau, was man möchte. Man merkt der LP eine gewisse Reife an und sieht eine total gewandelte Künstlerin. Deshalb ist man zunächst etwas sprachlos, weil das nichts mehr mit der Sängerin zu tun hat, die man von vorherigen Alben kennt. So ging es mir zumindest. Ich brauchte einen zweiten Durchgang um das Album zu verstehen und einen dritten um es anschließend zu feiern.

Das Album beginnt mit den beiden Singles "Confident" und "Cool for the Summer", beides totale Ohrwürmer, wobei ich auch bei "Cool for the Summer" einige Durchgänge gebraucht habe um ihn gut zu finden. Man muss wirklich sagen, dass der Song der einzige richtig eindeutige Hit auf der Platte ist. Er ist einzigartig, eingängig und so komponiert, dass er einfach mit nichts verglichen werden kann. Für mich wirklich der beste Track auf der LP. Vielleicht lag es auch daran, dass ich erstmal etwas zurückhaltend reagierte - wenn die erste Single der beste Track des Albums ist, dann zweifelt man an der Qualität, das ist aber wirklich unberechtigt, es gibt nämlich totale Perlen auf der Platte.

Kommen wir erst zu den kommerzielleren Songs des Albums: "Old Ways" und "For You" reihen sich zu den tanzbaren Singles und zeigen, dass Demi eben Party kann. Ich mag beide Songs, würde aber Demi davon abraten, diese als Singles auszukoppeln. Erstens, kennt man dancige Songs von ihr ("Neon Lights", "Really Don't Care") und zweitens waren die, die man kennt, besser als "Old Ways" und "For You" - das heißt aber nicht, dass sie keinen Spaß machen beim Hören. Im Gegenteil, will man gute Laune, sollte man sich diese Songs UNBEDINGT anhören. Für bessere Single-Kandidaten halte ich zwei völlig andere Songs: "Kingdome Come" mit Iggy Azalea hat alles, was ein R'n'B-Hit braucht und überzeugt ab dem ersten Hören. Man merkt den Einfluss der Rapperin, hört aber auch, dass sich Demi in diesem Bereich sehr wohl fühlt. Gleiches gilt für "Waitin for You", allerdings gefällt mir hier der Rap-Part von Sirah nicht wirklich. Das macht aber dann die Stimme von Demi wirklich wett und man verzeiht der Rapperin ihren Teil und lernt, ihn irgendwie zu genießen.
Mein zweiter Single-Kandidat neben "Kingdome Come" ist "Yes" - ein Song, den es so noch nicht wirklich in den Charts gibt. Er hat ein paar Gospel-Elemente drin, aber auch einige R'n'B-Beats und es macht einem einfach Spaß, Demi zuzuhören. Außerdem kommt ihre Stimme hier richtig gut zur Geltung und das will man als Fan hören!


Doch Demi kann nicht nur Uptempo und R'n'B, nein, sie kann auch Midtempo und das sogar ziemlich gut! Mit "Wildfire" und "Lionheart" zeigt sie nämlich, dass eine gute Stimme und starke Instrumentalisierungen reichen, um sie zum scheinen zu bringen. Besonders "Lionheart" besticht durch seine sehr emotionalen Lyrics und trotzdem versinkt man nicht in eine schluchzende Ballade, sondern klingt zwar trotzdem gefühlvoll, aber eben nicht übertrieben gefühlvoll.
Aber natürlich gibt es auch die Adele-Momente (ich nenne sie jetzt mal so :D). Dafür sorgen nämlich die beiden Balladen "Stone Cold" und "Father". "Stone Cold" erhielt man, wenn man das Album vorbestellte und was soll ich sagen: Demi hat eine unglaubliche Stimme und endlich schafft sie es einen Song zu komponieren, der dieser Stimme gerecht wird. Der Song wird quasi nur durch ihre Stimme gefüllt und erzählt eine traurige Liebesgeschichte mit dem schönen Satz "I was your amber, but now she's your shade of gold"... wenn das kein schöner Satz ist (zu deutsch: "Ich war dein Bernstein, aber jetzt ist sie deine Goldschattierung"). Die zweite Ballade, mit der auch die Standard-Edition abschließt ist der Song "Father", der sich um Demi's verstorbenen Papa dreht. Wenn man das im Hinterkopf hat, ist der Song natürlich umso emotionaler. Von der Thematik erinnert er mich an den Song "For the Love of a Daughter" aus ihrem 3. Studioalbum "Unbroken", aber natürlich mit einer anderen Geschichte.

Die Deluxe Edition beinhaltet zwei Songs: "Stars", eine mega Dance-Nummer, die ich wirklich liebe und die dieses Hit-Potenzial aus ihrem 4. Studioalbum "Demi" hat, weshalb er mich total an dieses Album erinnert. Und auch "Mr. Hughes" ist ein toller Song, der an die 20er/30er-Jahre erinnert und eine neue Seite zeigt - beide Songs hätten auch auf der Standard-Edition Sinn gemacht, weil sie das Album bereichert hätten! Außerdem gibt es zwei Remixe von "Cool for the Summer", was ja auch zeigt, dass man wusste, dass dies der Hit des Albums werden würde. Der Jump Smokers Remix, ein Club-Mix, der in diesem bestimmt Spaß macht und der Suraci Remix, welcher für mich der bessere von beiden ist - dieser verändert nämlich nur was an der Instrumentalisierung und lässt den Song sonst gleich - was mich als Anti-Remix-Fan freut.

Insgesamt ist "Confident" ein Album einer erwachsenen Künstlerin, die schon viel Erfahrung gesammlt hat und ganz genau was sie will. Gleichzeitig riskiert sie auch was und setzt auf Klänge, Melodien und Lyrics, die vielleicht nicht sofort hängen bleiben, dafür aber im Nachgang umso mehr zu überzeugen wissen. Klar, dies geschieht auf Kosten der Hits, die man auf vorherigen Alben zwar hatte, hier fehlte einem aber an manchen Stellen dann doch die Ernsthaftigkeit. Deshalb ist für mich "Confident" gut, weil es sie als ernstzunehmende Künstlerin etabliert und gleichzeitig zeigt, was Demi alles kann. 

Es ist vielleicht nicht gerade mein Lieblingsalbum, aber eins, was ich definitiv noch sehr oft hören werde!


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