Album-Rezension: Leona Lewis - "I Am"

Diese Frau ist wohl eine der Castingshowsternchen überhaupt: Leona Lewis zählt wohl neben Kelly Clarkson zu DEN Größen, die es nach einer Castingshow wirklich geschafft haben, nationalen und internationalen Erfolg verbuchen zu können. Leonas Debüt-Album "Spirit" als auch der Nachfolger "Echo" waren international erfolgreich und brauchten ihr Hits wie "Bleeding Love", "Better in Time", "Footprints in the Sand", "Run", "Happy" und "I Got You" ein. Danach wurde es lange Zeit still, die Veröffentlichung ihres 3. Studioalbums "Glassheart" verzögerte sich einige Zeit, wurde dann veröffentlicht und man hatte irgendwie das Gefühl, da passt irgendwas nicht. Trotzdem heimste sie wieder einige Hits ein: "Collide" und "Trouble" waren zumindest in UK, Irland und Schottland erfolgreich, das Album konnte sich in die internationalen Charts platzieren und war bei uns in Deutschland sogar in den Top5 der Charts.

Danach wurde es noch viel ruhiger und wieder hatte man im Gefühl: irgendwas passt nicht. Und siehe da, man hatte recht. Leona löste ihren Vertrag mit Syco-Music auf und verließ somit ihre musikalische Heimat seit X-Factor. Warum? Sie sollte ein Album machen, welches nicht zu ihr gepasst hätte... sofort musste ich an "Glassheart" denken, was auch schon für mich eher durchwachsen war, weil man einige Songs hören konnte, die so gar nicht nach Leona klangen.

Long story, short: Leona wechselte zu Island Records und veröffentlicht nun, wie sie selber sagt, eine Art Debüt: nach Jahren in den Händen einer Castingshow-Plattenfirma, konnte sie nun ein Album machen, dass 100 % Leona ist. Und da hat sie nicht übertrieben: "I Am" ist persönlich, beeindruckend, emotional und total reif und zeigt eine Leona, die bei sich angekommen ist und die weiß, was sie kann. Bekannt dürfte (u. a. aus dem Fernsehn, dank der Show "Stepping Out" auf RTL) "Fire Under My Feet" sein, eine Soul-R'n'B-Pop-Nummer, die richtig Spaß macht und zeigt, dass Uptempo-Songs nicht immer Dance-Tracks sein müssen. Inhaltlich geht es hier um die Befreiung aus einer Situation, die man nicht mehr aushalten konnte (sei es in einer Beziehung oder in irgendeinem anderen Bereich). Die Nummer gibt gleichzeitig das Hauptthema der Platte wieder: die Befreiung aus einer unangenehmen Situation (oft beschrieben aus der Sicht einer Person, die sich aus einer Beziehung befreit). Wenn man allerdings die Geschichte von Leona Lewis kennt, kann man sich gut vorstellen, für wen diese Songs sind (nämlich ihrer ehemaligen Plattenfirma).

Inhaltlich sehr ähnlich zu "Fire Under My Feet", musikalisch aber total anders sind die US-Single "Thunder", eine emotionale Midtempo-Nummer, die auf der Deluxe-Edition auch in der Akustik-Version vertreten ist und der Titeltrack "I Am", der wiederrum als MEGA Ballade auftritt und der einen MEGA starken Refrain hat. Ebenfalls Balladen und mindestens genauso emotional sind "You Know Me When", für mich mein Lieblingssong auf der Platte und "Thank You", das den schönsten Text der Platte zu bieten hat. Das Leona außerdem Upbeat kann, ist auch bekannt, auf "I Am" klingen die aber nicht so wie noch zu "Glassheart"-Zeiten, sondern sind viel funkiger, viel poppiger: "Ladders" ist ein toller Pop-Funk-Song, der gute Laune macht, während "Power" und "Another Love Song" zwar auch durch die gute Laune überzeugen, viel mehr noch aber durch die phänomenale Stimme Leonas.

"The Essence of Me" ist ein weiterer Midtempo-Song, bei dem besonders der Refrain hängen bleibt und den man einfach immer und immer wieder anhören möchte. Auch der Song "I Got You" ist gut, allerdings kann er mich nicht ganz so überzeugen wie die neun anderen Songs auf der Standard-Edition. Auf der Deluxe-Variante gibt es dann noch zwei weitere Songs: "Thick Skin" und "The Best and the Worst", welche total gut sind und für mich weitere Highlights darstellen. Besonders letzterer hat es mir angetan: emotional, ehrlich und total gut getextet. Im Prinzip fasst dieser Song das Album zusammen und bringt all das Beste des Albums zum Ausdruck. Als weitere Goodies gibt es wie schon gesagt Akustik-Versionen von "I Am" und "Thunder" als auch eine Live-Version von "Fire Under My Feet", die gut "runtergehen".



Insgesamt bin ich wirklich TOTAL begeistert von der neuen Platte. Leona gefiel mir mit "Spirit" und "Echo" sehr gut, "Glassheart" war eher so lala. Das sie dann, nach einem so großen Plattenfirmen-Wechsel, ihr bestes Album ever raushaut, hätte ich nun wirklich nicht gedacht. Ich habe wirklich das Gefühl, förmlich zu hören, wie wohl sie sich jetzt mit sich, ihrem Label und ihrem Leben fühlt. Das tut nicht nur ihr, sondern auch ihrer Musik gut. Man könnte es wirklich als ihr Debüt bezeichnen, man lernt eine Art neue Künstlerin kennen, in die man sich, wenn man ihr die Chance gibt, sofort verliebt - kein Wunder bei der Stimme. Und das scheint es, was das Geheimnis der LP ist: man konzentriert sich auf die Stimme Leonas und musiziert drum herum. Das war bei "Glassheart" noch ganz anders, wo man das Gefühl hatte, irgendwie ist alles überproduziert.

Für mich ist es ihr bestes Album to date, weil es ein persönliches, mitfühlendes, erwachsenes und sehr beeindruckendes Werk ist, welches sich problemlos zu Alben wie "21" von Adele, "Stripped" von Christina Aguilera oder "Muttersprache" von Sarah Connor gesellen kann. Wer also auf eine emotionale Reise geschickt werden will, die man voll und ganz nachvollziehen kann, der sollte definitiv in "I Am" reinhören und ein weiteres Meisterwerk einer grandiosen Künstlerin kennenlernen.


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