Sunday-VLOG: Ereignisse bei Unser Song für Österreich #USfÖ


Drei Tage sind seit dem deutschen Vorentscheid, Unser Song für Österreich, vergangen und ich habe das Gefühl, dass ich noch immer nicht alles so richtig verarbeiten konnte. Da bereitet man sich ja wirklich ordentlich vor, informiert sich zunächst über die Kandidaten, kauft sich das ein oder andere Album, hört die Songs durch, beschäftigt sich mit den Clubkonzert-Teilnehmern, schreibt einen Nachtrag zu diesem und veranstaltet zu beiden Runden Live-Ticker - und trotzdem ist man nicht auf all das vorbereitet, was da am vergangen Donnerstag passiert ist. Doch bevor ich jetzt gleich zum eigentlichen Skandal komme, soll es erstmal um die Show gehen - da wurde ich nämlich auch schon teilweise überrascht.

Was man wissen sollte-Blabla...

Meine Favoriten waren von vornherein klar: ich mochte Fahrenhaidt, besonders mit ihrem ersten Song "Frozen Silence", sehr gerne. Dieser begleitete mich einfach schon seit ich ihn im Januar oder so das erste Mal gehört habe. Er fässelte mich und ich war mir fast sicher das er zu den engeren Favoriten gehört. Auch LAING war für mich eine sehr positive Überraschung. Vorher kannte ich sie eigentlich nur mit "Morgens immer müde". Vor einem halben Jahr spielte mir dann ein Freund ihre Single "Safari" vor und ich verliebte mich sofort. Als ich dann hörte, sie seien für USfÖ gesetzt, war ich ziemlich froh und googelte ein wenig, sah ihre Live-Auftritte und war sofort begeistert. Gleiche Story kann ich über Alexa Feser erzählen: ich kannte aus der Werbung "Das Gold von morgen", kaufte mir dann ihr Album und es war um mich geschehen.
Ja und dann war da ja noch Ann Sophie, die Wildcard-Gewinnerin, die mich beim Clubkonzert mit "Jump the Gun" begeistern konnte. Mir war klar, dass der Song für Wien schlussendlich nichts wäre, aber ich war von Ann Sophie, ihrer Stimme und Entertainment-Qualitäten begeistert und hoffte auf einen guten zweiten Song - den lieferte sie dann (für mich) mit "Black Smoke", den ich mir (seitdem er auf iTunes veröffentlicht wurde) rauf und runter anhörte.

Meine Top 4 vor, während & auch nach der Show
Ich nahm Andreas Kümmert als Kandidat durchaus wahr, allerdings stellte ich früh klar: seine Musik ist nichts für mich. Stimme hat er, aber meins ist es einfach nicht - trotzdem war ich mir bewusst, dass er große Chancen haben würde. Auch Mrs. Greenbird und FAUN waren und sind auch nach den Auftritten noch immer nicht meins. Noize Generation war für mich mit "A Song for You" gut, allerdings wusste ich, dass Deutschland das selbe Genre wie 2013 (Cascada mit "Glorious") nicht noch einmal wählt.

So ging ich mit gespannten Gefühlen in den Donnerstag Abend und fragte mich den ganzen Tag: würden meine vier Favoriten durch kommen? Und wenn nicht, wer würde sie ersetzen? Insgesamt freute ich mich aber ENDLICH den deutschen Beitrag für den 60. Geburtstags des ESC zu finden.

Die Show im Verlauf

Gut, zum Vorgeplenkel muss ich nicht viel schreiben: Conchita Wurst trat mit "Rise Like a Phoenix" auf, Babsi erklärte den Verlauf und dann ging es los mit den Auftritten.
Am Anfang trat Mrs. Greenbird mit "Shine Shine Shine" auf. Das fand ich ziemlich eintönig. Für mich war's klar raus. Erster Höhepunkt: Alexa Feser mit "Glück" - stimmlich gut, allerdings hätte die Aufmachung besser sein können. FAUN fiel für mich heraus, Noize Generation fing gut an, lies aber dann ziemlich schnell nach. Also auch eher nichts. Ann Sophie mit "Jump the Gun" gut, allerdings gibt der Song nicht so viel her. Sie performte ihn halt super, deshalb war ich, nach Alexa Feser, das zweite Mal begeistert. Fahrenhaidt warn dann als nächster Act dran. Stimmlich genauso wie auf der Studio-Version, Bühnenbild stimmte in meinen Augen auch. Ich war begeistert, hatte aber Sorgen, dass der Song untergehen würde - ging er ja dann auch. LAING war für mich mit "Zeig deine Muskeln" die Überraschung, ich mochte den Song, konnte mir aber nicht vorstellen, dass er dem deutschen Publikum gefällt - falsch gedacht. Andreas Kümmert war stimmlich natürlich gut, aber wie gesagt, seine Musik ist nichts für mich.

Als ich dann bei der 1. Entscheidung zunächst meine ersten drei Acts weiter sah - Alexa Feser, Ann Sophie & Laing - war ich total froh. Aber als ein Platz noch übrig war, da wusste ich innerlich schon: Fahrenhaidt sind raus und Kümmert weiter. Tja, und so war es dann ja auch. Das war dann mein erster Schock des Abends - aber es sollte ja noch schlimmer kommen.

Zweite Runde, gleiche Reihenfolge wie in Runde 1: Alexa performt "Das Gold von morgen" souverän, welches stimmlich besser zu ihr passte. Ich gönnte Alexa die 2. Runde, mir war aber klar, dass das bestimmt nicht nach Wien fahren würde. Ann Sophie performte ihren Song "Black Smoke" und hier wusste ich: das ist mein Favorit & zwar mit großen Abstand. LAING kam dannach. Ich wollte, dass LAING weiterkommt um "Wechselt die Beleuchtung" zu performen, da es mir der Song schon vorher angetan hatte. Und ich hatte Recht: der Song ist unwahrscheinlich gut. Für mich mein 2. Favorit.
Kümmert mit "Heart of Stone", war zwar besser wie noch mit "Home Is In My Hands", trotzdem immer noch nicht meins.

Hier war mir eigentlich schon längst klar, dass Kümmert gewinnen wird, aber die Hoffnung stirbt ja zuletzt. Als dann Ann Sophie und eben diesr in Runde 3 kamen, war ich eigentlich nicht überrascht: "Black Smoke" und "Heart of Stone" kamen auch in der Halle am besten an.

Ja und der Rest ist ja Geschichte: Kümmer gewinnt, lehnt ab, Ann Sophie springt ein, Deutschland ist entsetzt, Pressekonferenz wird geguckt und trotzdem hat man noch ein großes Fragezeichen im Gesicht.



Zu Kümmert...

Tjaja, seitdem herrscht in Deutschland irgendwie ein bisschen Ausnahmezustand. Medien berichten nur noch darüber, jeder hat irgendwie eine Meinung und alles kann man lesen. Von Respekt bis hin zu Unverständnis, Ärger und totaler Wut. Ich muss sagen: ich war an dem Abend einfach nur geschockt. Ich wusste gar nicht was ich sagen sollte. Und auch jetzt fällt es mir schwer was dazu zu sagen. Aber nur so viel: ja, Andreas hätte spätestens nach der 2. Runde sagen sollen, dass er sich dem Wettbewerb entzieht - dann wäre er raus gewesen und das Finale hätte mit zwei anderen Künstlern stattgefunden. Natürlich hätten sich dann die Zuschauer auch beschwert, schließlich war Kümmert von Anfang an Favorit. Trotzdem wäre es den anderen Kandidaten gegenüber fairer gewesen. Und es hätte den Siegermoment nicht so zerstört.

  Hätte, Hätte, Fahrradkette... 

es ist nun mal so wie es ist, Kümmert hat sich erst bei der finalen Entschiedungen dazu entschieden, es zu sagen... und die Leidtragende ist wohl besonders Ann Sophie.
Doch bevor ich zu ihr komme, nur noch schnell:

Ich wünsche mir, dass Andreas, egal was seine Gründe waren, ob gesundheitlich oder psychisch bedingt, schnell wieder zu sich findet und eine Lösung parat hat. Man konnte merken, dass irgendwas nicht stimmte und es ihm wirklich nicht gut ging - deshalb alles Gute für ihn.

Ann Sophie - Heldin auf Umwegen

Doch nun zur Leidtragenden, die da mehr oder wenigermit reingezogen wurde.

Ann Sophie tut mir wirklich SO leid,

dass ich es gar nicht in Worte fassen kann. Da gewinnt sie die Wildcard, ist an dem Abend eh schon total froh, dass sie überhaupt performen darf, kommt dann in die 2. Runde, überzeugt alle Zuschauer mit "Black Smoke" und steht sogar im Finale - nur um dann zu hören, sie sei es nicht und fünf Minuten später innerhalb von Minuten entscheiden muss, ob sie sich die unehrenhafte Position des Nachrückers wirklich antut. Und schon in meinem Live-Ticker habe ich geshrieben: "Ann Sophie mach's nicht. Tu dir das nicht an". Und das würde ich hier heute immer noch raten. Und gerade deswegen muss ich sagen:

Respekt, dass sie souverän gesagt hat, dass sie es macht 

- ich hätte das nicht gekonnt. Sie darf sich jetzt so viel Kritik und Negativstimmen anhören und muss sich darauf gefasst machen, bis Mai damit konfrontiert zu sein - um genauer zu sein bis zum 23. Mai, dem Finale des ESCs. Wenn sie da dann einen Platz unter der Top10 macht, wird sie es in Deutschland schwer haben, noch einmal Fuß zu fassen - egal wie gut sie ist. Und genau das, wünsche ich ihr einfach nicht. "Black Smoke" ist ein super Song, Ann Sophie ist total sympathisch, für eine Newcomerin MEGA professionell und weiß, was es heißt, Künstler zu sein. Daher wünsche ich mir wirklich eine Top10-Platzierung für sie, sodass dieses ganze Debakel noch ein gutes Ende nimmt - für Ann Sophie und Deutschland.

Hätte, hätte, Fahrradkette mal weiter gesponnen...

Einfach mal weiter gedacht, was hätte man wohl noch anders machen können? Wie oben gesagt: Andreas Kümmert hätte früher Schluss machen sollen - aber was für Optionen hätte es noch gegeben, nachdem Andreas bei der Ergebnisverkündung, den ESC absagte?
Die Entscheidung, einfach die Zweitplatzierte nachrücken zu lassen finde ich nämlich nicht die optimalste Lösung - ist ja klar, dass Deutschland darauf so negativ reagiert und es Diskussionen gibt (und jetzt bedenkt, ich bin ja eigentlich froh, dass Ann Sophie nach Wien fährt, trotzdem finde ich den Stress, den sie sich jetzt aussetzen muss, nicht fair. Ich hätte lieber, dass Andreas Kümmert fährt, weil Deutschland das einfach so entschieden hat. Es waren fast 80 %, die ihn in Wien sehen wollten - und eben nur 20 % für Ann Sophie - und nochmal: ich sage das als Ann Sophie-Fan).
Ich verstehe nicht, warum man sich nicht fünf Minuten genommen hat, Thomas Schreiber (der Verantwortliche) auf die Bühne gekommen wäre und dann hätte ER z. B. vorschlagen können, dass das Superfinale wiederholt werden könnte - mit Ann Sophie und dem (eigentlich) Drittplatierten der vorherigen Runde. Die Begründung, man hätte keine Sendezeit mehr gehabt, ist für mich kein wirklicher Grund, einfach zu sagen: "Jo, Ann Sophie macht das jetzt.". Oder auch einfach zu sagen: "Passt auf. Alexa Feser, LAING und Ann Sophie dürfen nochmal auftreten, Deutschaland entscheidet dann wer von diesen dreien nach Wien fährt". Das wäre doch kein Ding gewesen. Klar, es hätte vielleicht nochmal eine halbe Stunde gedauert, aber so hätte Deutschland ein wirklich relativ zufriedenstellendes Ergebnis bekommen. Denn die Zuschauer, die für Andreas Kümmert angerufen haben, hätten sich ja vielleicht auch anders entschieden, wenn Andreas Kümmert von Anfang an keine Option gewesen wäre. Man kann nicht einfach sagen:

Ann Sophie ist auf dem 2. Platz, das heißt, Deutschland wollte sie als Zweitliebste - nein, das wollte Deutschland nicht. 

Die Stimmen hätten sich dann sicherlich etwas mehr aufgeteilt. Und selbst wenn nicht: dann wäre Ann Sophie die klare Gewinnerin gewesen und sie könnte ihren Siegermoment jetzt richtig genießen.
Aber wie schon gesagt: hätte, hätte, Fahrradkette.....

Und jetzt so....?

Doch was heißt dieses Fiasko für die Zukunft des deutschen Vorentscheids? So viel ist sicher: eine Ernsthaftigkeit kauft man der Veranstaltung bestimmt nicht mehr ab - falls man ihr diese überhaupt jemals abgekauft hat. Das Unser Song für....-Konzept stand schon im Jahr 2013 unter herber Kritik und auch 2014, nachdem man einige Änderungen vornahm, hallte die Kritik nicht ab.
Allerdings muss ich sagen: ich empfand die Show 2015 als große Verbesserung zu der Show im vergangenen Jahr - die Acts waren besser, die Songs stärker und die Performances als auch die Bühnengestaltungen waren viel besser! Wenn man das weiter ausbaut, könnte das echt was werden. Bei der Pressekonferenz nach der Show gab es so ein paar Aussagen von Thomas Schreiber, die eine Vorentscheidung in diesem Stil irgendwie unwahrscheinlicher machen. So fragte z. B. Barabara Schöneberger ob es denn dann nächstes Mal noch ein Clubkonzert gäbe und dieser reagierte eher nüchtern - ein erster Hinweis auf Änderungen?

Ich bin mir noch ziemlich unentschlossen, was ich mir nächstes Jahr wünschen würde. Viele verlangen ja Stefan Raab zurück, das fände ich natürlich nicht schlecht, ich genoss die Shows mit ihm von 2010 bis 2012 sehr. Andererseits finde ich das Konzept, dass bereits bestehende Acts gegeneinander antreten auch gut - so entdeckt man jemand Neues für sich und bezieht die deutsche Musikszene mit ein. Auch die Idee des Clubkonzerts, jemanden wirklich Neues zu finden und ihm die Chance zu geben, ist nicht verkehrt. Allerdings konnte man ja sehen, dass der NDR irgendwie nicht so DIE Ohren hat für Hits und anscheinend auch nicht, wie man einen Song auf der Bühne rüber bringt. Es müsste also was passieren - sowohl in der Selektion der Künstler als auch in der Art & Weise des Clubkonzerts, der Präsentation und der Abstimmung der Show - eine Rundumerneuerung quasi des Wettbewerbs. Man könnte theoretisch ja mit anderen Musiksendern kooperieren. Oder ganz allgemein, Musikexperten (Journalisten, Labels, Radiosender und und und) die Bewerber für die Show bewerten lassen - ähnlich wie es in Österreich der Zeit gemacht wird.

Diese Änderungen sind übrigens unabhängig von Ann Sophies Ergebnis und auch unabhängig davon, was jetzt alles passiert ist. Mir geht's wirklich einfach nur um ein feststehendes und gutes Konzept für den deutschen Repräsentanten - das wurde nämlich (leider) noch nicht gefunden.

Und zum Schluss bleibt mir nur noch zu sagen, dass ich zu 1000 % hinter Ann Sophie stehe und ich hoffe, dass sie wenigstens auf ein wenig Unterstützung zählen kann.


Ann Sophie: Go for Gold!
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Nena - "Lieder von früher"                                                      Rihanna - "Towards the Sun"

              Alexa Feser - "Gold von Morgen"                         Marina & the Diamonds - "Froot"

Alles rund um Unser Song für Österreich, dem schockierenden, deutschen Vorentscheid und dem eigentlichen Eurovision Song Contest 2015, findet ihr hier:



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