Nachtrag: Meine Meinung zum Clubkonzert von "Unser Song für Österreich"


Es wird ja so viel diskutiert. Schaut man nur mal auf die Facebook-Seiten von "Unser Song für Österreich" oder "Eurovision Song Contest Deutschland" und klickt auf die Kommentare unter den Beiträgen zum Clubkonzert, dann wird man viele Kritiker sehen können, die entweder das Clubkonzert an sich oder (viel schlimmer noch quasi :D) den gesamten Vorentscheidsmodus kritisieren. Viele wünschen sich die Kooperation zwischen Raab und der ARD wieder, andere schlagen vor, die Auswahl eines Repräsentanten für den Eurovision an einen ganz anderen Sender abzugeben. Wieder andere wünschen sich einfach mehr Transparenz von Seiten der ARD, diese sollten doch sagen, was sie sich für Kandidaten beim Clubkonzert wünschen, dass sich dann auch wirklich nur Künstler bewerben, die reale Chancen haben - oft angesprochen wird in diesem Zusammenhang Elektrobands oder ehemalige Castingsternchen (wie z. B. Daniel Schuhmacher oder Bahar von der ehemaligen Girl-Group Monrose), die sich bewerben, allerdings von Seiten der ARD von vornherein ausgeschlossen werden, zumindest scheint es so.



Wie ihr vielleicht mitbekommen habt, habe ich mir ebenfalls das Clubkonzert angesehen und sogar spontan einen Live-Ticker mitgeschrieben. Ich hatte mich wirklich auf den Abend gefreut. Allerdings fand ich die Uhrzeit sehr spät - 22:00 Uhr für eine Show am Donnerstag-Abend, also mitten in der Woche, ist schon echt krass. Vielen ist es das einfach nicht wert. Und ganz ehrlich: das Clubkonzert stand unter so viel Kritik, da hätte man auch mal die Uhrzeit ändern sollen. Aber anscheinend stört das die meisten gar nicht so sehr: über eine halbe Millionen Menschen sahen das Clubkonzert im NDR - 160.000 mehr als noch 2014.

Doch kommen wir zurück zu meinen Eindrücken: vorher hatte ich mir natürlich die 10 Kandidaten angesehen (darüber gab es auch einen Beitrag) und fand die Bandbreite sehr groß, es gab sogar 2-3 Acts, die ich ganz gut fand, bei denen ich mich aber fragte, wie das ganze dann live rüber kommt. Und hatte ein bisschen Angst, dass meine positiven Einrücke der Handvoll Künstler, die ich gut fand, zerstört werden würde. Und was soll ich sagen? Leider wurden diese Eindrücke größtenteils zerstört: Klangpoet fand ich mit ihrem "4 u" im Video total gut, als dann die Live-Show kam, war ich wirklich enttäuscht und dachte mir sofort: das würde beim ESC nix werden. Auch die Moonjos wirkten stimmlich total gut bei ihrem Cover, ihr eigener Song dagegen war auch total schwach performt. Gleiches gilt für Aden Jaron, dessen "Hey Ya"-Cover SUPER war, seine Stimme auf der Clubkonzert-Bühne war dann aber leider sehr dünn. Bei Louisa Teichmann dachte ich mir, sie würde uns alle überraschen, schließlich hat sie bei The Voice Kids schon überzeugt. Ihr Song "Boomerang" war dann aber eher nichts. Da fragte ich mich dann, nur eines: anscheinend hat der NDR die Songs für die Kandidaten teilweise zur Verfügung gestellt oder sie zumindest als gut genug empfunden, sie damit antreten zu lassen - was denkt man sich dabei? Das waren doch jetzt alle keine Songs, die auf der ESC-Bühne funktioniert hätten - ja gut, außer Aden hätte stimmlich mehr überzeugt, dann wäre "We are on fire" vielleicht gar nicht so undenkbar gewesen. Aber bei der Stimme? Das muss man doch schon bei den Proben gehört haben?

Sendi Hoxha und Sophie Inacker waren gesanglich gar nicht so schlecht, allerdings waren ihre Songs einfach nur mittelmäßig und nichts, was für großes Aufsehen in Wien erregen würde. Nette Acts, die vielleicht, wenn sie sie gut präsentieren, bestenfalls im Mittelfeld gelandet wären (ähnlich wie Elaiza, wobei man bedenken muss, dass Elaiza zumindest einen echten Ohrwurm als Song hatten).
Die einzigen drei Kandidaten, die mich stimmlich zumindest voll und ganz überzeugen konnten, waren Alisson Bonnefoy mit "Burning Down", der etwas spezieller war als die übliche Ballade (finde ich), Lars Pinkwart und sein "Tornado", dessen Stimme sehr gut war, allerdings hätte er mehr performen müssen.

Ja, und schlussendlich die Gewinnerin Ann Sophie, die die einzige Kandidatin war, der man eine gewisse Erfahrung ansehen konnte und für mich war sie von vornherein fast die Einzige, die eine Chance in Hannover hat. "Jump the Gun" mag nicht DER Ohrwurm schlechthin sein, allerdings finde ich, dass die Aufmachung hier stimmte. Die Präsentation war super, die Stimme sehr fest und sicher und auch sonst, war fast nichts daran auszusetzen. Am Freitag danach, schaute ich mir den Auftritt noch einmal auf YouTube an und als ich die Kommentare las, war ich etwas entsetzt: es hagelte Kritik, nicht nur für die Veranstaltung an sich, sondern besonders an Ann Sophie und ihrem Song. Dieser seie ja total langweilig, total 0815 und "wenn das das Beste von 1300 Bewerbern ist, dann gute Nacht". Ich war wirklich auf Kritik vorbereitet, aber das man den Act und Song SO fertig macht, finde ich echt unter aller Sau. Genau das selbe wie letztes Jahr.


Ich weiß nicht, ob ich einfach andere Ohren habe, aber ich finde "Jump the Gun" so gar nicht 0815. Ich finde, er sticht sehr stark hervor von den ganzen Balladen und Uptempo-Songs, die die Vorentscheidungen für diesen ESC bis jetzt vorgebracht hat. Außerdem war das ganze ja jetzt auf einer kleinen Clubkonzertbühne, ich kann mir gut vorstellen, dass man sich (hoffentlich) für Hannover noch etwas mehr Performance einfallen lässt, ähnlich wie der Anfang, den man beim Auftritt sehen konnte. Und dann ist wirklich alles offen. Klar, "Jump the Gun" ist (und das ist mir klar) kein Gewinnersong, aber bei der richtigen Performance, halte ich eine guten Platzierung nicht für ausgeschlossen, wie viele Kritiker mal wieder sagen ("letzter Platz hallo", kann man nämlich schon jetzt, ein paar Tage nach dem Clubkonzert überall lesen). Und so schlecht ist der Song jetzt wirklich nicht. Außerdem konnte ich Dinge lesen wie "das klingt wie Elaiza".... ehhm, ja, also ich mag ja Elaiza sehr gerne, hab ihr Album, war auf einem Konzert und so.... und ich kann da wirklich keine Ähnlichkeiten entdecken... wie gesagt, vielleicht habe ich einfach andere Ohren.

Und jetzt versteht mich nicht falsch: ich habe für Hannover auch andere Favoriten, ich finde es bloß einfach so schade, dass man die Wildcard gleich wieder so durch den Dreck zieht. 

Ja, das Clubkonzert war qualitativ nicht wirklich hochwertig
ja, es gab viele schiefe Töne; ja, der Modus ist vielleicht ein bisschen fragwürdig und sollte definitiv überarbeitet werden.

Trotzdem kann da Ann Sophie am wenigsten dafür. Und wie schon gesagt, ich finde "Jump the Gun" hat Potenzial, das in Hannover hoffentlich entfaltet wird. Außerdem bin ich persönlich sehr gespannt auf die zweite Nummer (was voraussetzen würde, dass Ann Sophie in die zweite Runde gewählt wird). Bei dieser erhoffe ich mir nämlich, dass sie sich etwas unterscheidet vom ersten. Eine schöne Ballade oder etwas in die Midtempo-Richtung wäre schon zu sehen. Einfach etwas, was sich von "Jump the Gun" absetzt. Ann Sophie hat sich ja mit "Get Over Yourself" beworben - vielleicht so etwas in die Richtung?


So, doch kommen wir mal weg von der Gewinnerin und hin zu eigentlichen Show: die Acts waren also mehr schlecht als Recht (zumindest der Durchschnitt). Doch was mich doch etwas störte war das Durchschnittsalter: es gab so viele 16jährige, dass ich ein wenig überrascht war und mich automatisch fragte: warum? Ich meine, nichts gegen talentierte Acts und so, aber 16? Und okay, für ein Clubkonzert mag das funktionieren, aber wie hätte das in Hannover ausgesehen? Oder gar in Wien? Wie man weiß, ist der ESC nicht gerade eine Clubkonzert-Bühne und für jeden Künstler, der dort auftritt, ist es ganz schön harter Toback. Selbst Elaiza, die relativ viel Erfahrung hatten als Newcomer, waren SEHR aufgeregt. Auch Lena war nervös. Ja, selbst eine erfahrene Dame wie Cascada gestand, dass sie vor dem Aufritt wirklich richtig aufgeregt war. Und dann will man da mit einer 16jährigen hin? Das kann doch niemand ernst meinen. Deswegen bin ich wirklich froh, dass Ann Sophie mit ihren 24 Jahren gewonnen hat. Einfach nur, weil man es ihr dann zutrauen könnte.

Und nun mal zu meinem Fazit: das Clubkonzert hat sicherlich einige Verbesserungspunkte. So sollte von dem NDR genauer gesagt werden, was man von den Bewerben erwartet, die Kriterien, nach denen die Jury entscheidet sollten offen gelegt werden und auch die Zeit, die die Bewerber haben um sich auf das Clubkonzert vorzubereiten sollte vergrößert werden - so berichteten die Acts, die sich mit einem Cover bewarben, sie hätten bloß zwei Wochen Zeit gehabt um mit ihren neuen Songs zu üben. Eine Zeit, die sicherlich zu gering ist.

So, und jetzt hört es mal auf mit all dem Gemeckere, ich wollte bloß auch mal meinen Senf dazugeben :D ich freue mich jetzt sehr auf den Vorentscheid am 05. März. Und wer wissen will, wer für mich in die Top 4 gehört, welche Künstler für mich Gewinner sind usw. der klickt einfach hier - dort kommt ihr zu dem Beitrag, der sich rund um die Kandidaten von Unser Song für Österreich beschäftigt (:


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Zu meinen anderen Beiträgen rund um die deutsche Vorentscheidung 2015 für den Eurovision Song Contest in Wien kommt ihr hier:
Die Clubkonzertteilnehmer                                USFÖ - die ersten 7 Acts
    Live-Ticker zum Clubkonzert                         The 100 Day #EurovisionChallenge

Und hier zu meinen aktuellsten Beiträgen:

Rihanna - "FourFiveSeconds"                                                                 #throwback-Madonna-Special 

              Alexa Feser - "Gold von Morgen"                         Marina & the Diamonds - "Froot"

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