Album-Rezension: Of Monsters and Men - "My Head Is an Animal"

Diese Band ist wohl einer der erfolgreichsten Newcomer der letzten Jahre und schafft es nicht nur in Europa, sondern auch in Amerika zu überzeugen. Die Rede ist von Of Monsters and Man, eine (seit 2012) fünfköpfige Band aus Island, die Indie-Rock und Folk spielen und den meisten mit ihrem Hit "Little Talks" im Kopf sein müsste.
Und seit der Veröffentlichung ihres Albums "My Head Is an Animal" geht es für die Formation steil bergauf, denn dieses konnte sich nicht nur in fast jegliche Top10 in Europa platzieren, sondern schaffte es auch auf Platz 6 der US-Album-Charts - wenn das mal keine Leistung ist. Seitdem tritt sie auf verschiedenen Festivals auf und spielen immer mehr Live-Konzerte. Ich persönlich kannte eigentlich (bis vor Kurzem) immer nur "Little Talks", habe mir deshalb auch das Album gekauft und wollte schon seit Langem eine Rezension dazu schreiben - und genau JETZT kommt diese auch.


1. Die Songs:

1.1. Dirty Paws 5/5
Der erste Track auf dem Album ist so etwas wie eine Zusammenfassung des Gefühls, welches man bekommt, wenn man sich den Longplayer anhört: dieses "Ich möchte unbedingt reisen"-Gefühl zieht sich nämlich wie ein roter Faden durch, ist dabei sehr deutlich zu spüren und trotzdem fühlt man sich in jedem einzelnen Song zuhause. Dabei ist "Dirty Paws" eine wunderschöne Metapher für genau dieses Gefühl. Der Song ist sehr schlicht gehalten, man kann jedes einzelne Instrument raushören und der "Lalala"-Party macht sich auf Live-Konzerten bestimmt gut - gehört zu einen der besten Album-Opener, die ich jemals gehört habe.

1.2. King and Lionheart 5/5
Wunderschön geht es auch weiter: "King and Lionheart" geht nochmal tiefer als sein Vorgänger, zieht einen in eine Fantasiewelt, die an Kindheitsmärchen erinnert und schafft es gleichzeitig zum Nachdenken anzuregen. Dabei versinkt man in die Geschichte vom König und seinem "Löwenherzen" - was das wiederum bedeutet verrate ich nicht, das muss jeder für sich selbst erschließen und macht die Musik erst interessant (:

1.3. Mountain Sound 5/5
Etwas schneller und rockiger geht es weiter. Nachdem "Dirty Paws" und "King and Lionheart" eher ruhiger waren und erst im Mittelteil an Tempo zunahmen, startet "Mountain Sound" direkt mit einer großen Instrumentalisierung, welche aus Gitarren und Keyboard besteht, wobei das Schlagzeug den Rhythmus vorgibt. Dabei ist ebenfalls neu, dass die Strophen fast nur vom Co-Sänger "Raggi" übernommen werden, während der Refrain ganz der eigentlichen Sängerin Nanna gehört. "Mountain Sound" ist damit ein hervorstechender Track auf dem Album, was nicht heißt, dass er nicht ebenso gut ist wie "Dirty Paws" oder "King and Lionheart".

1.4. Slow and Steady 5/5
Die erste Ballade des Albums ist gleichzeitig auch ein wirkliches Highlight auf der LP (wobei eigentlich bis jetzt ALLE Songs Highlights waren :D). "Slow and Steady" handelt um Veränderung, das Bedürfnis etwas zeigen zu wollen, was man nicht kann, sich einerseits ganz langsam zu bewegen und sich andererseits genau umgekehrt zu fühlen - der Text geht wieder mal sehr tief und lässt einen Nachdenken, was keine Seltenheit bei diesem Album ist.

1.5. From Finner 4/5
Der fünfte Track auf dem Album lädt wieder zum Träumen an, hat genau die gleiche "Lalala"-Elemente wie schon "Dirty Paws", ist trotzdem ganz anders und konzentriert sich zum ersten Mal mehr auf die Instrumentalisierung als auf den Gesang, wobei dieser nichtsdestotrotz erstklassig und sehr emotional ist. Insgesamt ist "From Finner" vielleicht nicht der beste Song auf dem Album, kann jedoch trotzdem mit den anderen mithalten und ist bestimmt ein Highlight auf Konzerten.

1.6. Little Talks 5/5
Zu diesem Song muss ich nicht viel sagen, er war in insgesamt 15 Ländern in den Top10, davon in dreien auf Platz 1 - das nenne ich mal einen wahren Hit-Song! "Little Talks" ist definitiv der Song auf dem Album, der am meisten in Richtung Pop geht und wohl auch der Song auf dem Album, der am meisten ins Ohr geht.

1.7. Six Weeks 4/5
Der siebte Track ist wieder eine Nummer, die live bestimmt sehr gut klappt, denn allein schon die erste Strophe ist super gut zum Mitsingen: "Slow, Slow Me Down/Her Blood On My Bones/Let Go, Lay To Rest/We Fall, We Fall, We Fall/We Fall To The Ground", wenn das mal nicht einfach ist und zumindest die Satzteile "Slow Me Down" und "We Fall, We Fall,..." kann man nach dem ersten Hören schon mitanstimmen. Auch hier ist es ähnlich wie bei "From Finner: guter Album-Track, der live bestimmt zu überzeugen weiß.

1.8. Love Love Love 5/5
Nach vielen lauten, eingängigen und großartigen Uptempo-Nummern wird es Zeit für einen eher ruhigen Track - das bekommt man mit "Love Love Love" auch sofort geliefert. Der Song ist wohl der akustischste auf dem Album und erinnert mich sofort an einen Kaminofen, einem kuscheligem Sofa und ein gutes Buch - wenn man auf Reisen ist, dann ist "Love Love Love" der perfekte Song wenn man sich an einem Ort zuhause fühlen möchte. Für mich einer der Favoriten!

1.9. Your Bones 5/5
Man sollte meinen, dass nach "Love Love Love" die Qualität einfach abnehmen muss, doch Of Monsters and Men beweisen, dass es auch anders geht: "Your Bones" versprüht wieder die Aufbruchsstimmung, die ich schon bei "Dirty Paws" beschrieben habe. Dabei vereint der Song auch all die Dinge, die ich auf diesem Album bereits gefühlt habe: Hoffnung, Trost, Liebe, Wärme, Freude und vieles mehr!

1.10. Sloom 5/5
Lust auf eine kurze Reise an den Strand, bei Sonnenuntergang und dabei spielt einer Gitarre? Ja? Dann ist "Sloom" genau der richtige Song für euch, denn genau dieses Bild hatte ich vor Augen als ich den Song gehört habe. Wie in einer Art Trance war ich da gesessen, starrte ins Nichts und hätte schwören können, dass ich das Meer rauschen gehört habe - wirklich! Musik schafft das wirklich selten bei mir und besonders "Sloom" macht das möglich, als auch einige andere Songs auf dem Album.

1.11. Lakehouse 4/5
Und die Stimmung von "Sloom" wird dank "Lakehouse" weitergeführt. Allerdings ist hier der Sound wieder etwas schneller und nicht mehr ganz so akustisch wie der vom Vorgänger. Die Trommel, die ab dem Refrain einsetzt begleitet uns durch den Track, der insgesamt wieder sehr rockig ist und durch die Stimme von Nanna wieder etwas sehr Weiches bekommt. Ein toller Album-Track, der nicht nur im Sommer gut anzuhören ist.

1.12. Yellow Light 5/5
Zum Schluss gibt es einen Song, der es tatsächlich schafft, das ganze Album in sich zusammenzufassen und die Magie, die das Album "umgibt", noch einmal auszuleben. Der erste Satz macht dabei gleich hoffnungsvoll klar, dass man von der Band noch Einiges hören wird: "I'm looking for a place to start and everything feels so different now" - eine perfekte Art zu sagen, dass man nach diesem Album nochmal neu anfängt und die bereits gemachten Erfahrungen miteinbeziehen wird. Wunderschöner Abschlusssong, der abermals sehr emotional und verträumt ist und dieses wohlig warme Gefühl auslöst.

1.13. iTunes Bonus Track:
Wer sich nicht die physische CD gekauft sondern das Album gedownloadet hat, bekommt als kleinen Bonus den Song "Numb Bears", der nur auf der isländischen Variante von "My Head Is an Animal" erschien. Dieser ist ein Gute Laune-Song, der wieder Folk/Indie-Rock mit Pop verbindet und dabei sehr schnell ins Ohr geht.
Außerdem bekommt man das tolle Video von "Little Talks" dazu, welches definitiv zu meinen Lieblingsvideos gehört, da es eine Mischung aus Comic und echten Elementen aufweist - wer es noch nicht gesehen hat, sollte das schnellstmöglich nachholen.

2. Persönliches Fazit:
Nach dem mehrmaligem Anhören des Albums, blieb für mich eigentlich nur eine Frage offen: Warum habe ich mir das Album nicht schon früher zugelegt? Denn dieser Longplayer ist wirklich so wunderschön verträumt, so einzigartig in seiner Art und so wohltuend wie selten ein Album - wenn es überhaupt schon solche LPs gegeben hat.
Of Monsters and Men liefern ein wunderschönes Debüt-Album, welches einen mitnimmt auf eine Reise voller Kreativität, Inspirationen, Märchen und kleinen bis großen Geschichten, die sich allesamt in einer scheinbar weit entfernten Welt abspielen, jedoch für uns durch diese CD erreichbar ist. Die Songs sind schön instrumentalisiert, schaffen eine ganz eigene Atmosphäre und sind musikalisch auf dem höchsten Niveau.
Die Texte erzählen teilweise ihre ganze eigene Geschichte, drücken Gefühle mit verschiedenen Metaphern aus und schaffen es wirklich, dass man sich mit ihnen ernsthaft auseinandersetzt.
Aus all diesen Gründen hat es "My Head Is an Animal" zurecht in die "old.but.GOLD."-Kategorie geschafft und bekommt zudem einen Platz an der "Wall of Glory" mit dem Titel "Bestes, verträumtestes Debüt-Album aller Zeiten".

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