Album-Rezension: Tim Bendzko - "Am seidenen Faden"

Der Singer/Songwriter des Jahres 2011 war wohl Tim Bendzko, der besonders durch seine Debüt-Single "Nur noch kurz die Welt retten" sehr positiv im deutschen Musikbusiness aufgefallen ist. Das darauf folgende Album "Wenn Worte meine Sprache wären" erreichte Platz 4 der deutschen Album-Charts und auch die gleichnamige Single schaffte den Sprung in die Top5 der Single-Charts. Was für ein erfolgreicher Start in die Solo-Karriere!
Nun folgte, sozusagen als Anschluss an die Erfolgs-LP, am 24. Mai 2013 das 2. Studioalbum des Sängers, der mit der gleichnamigen Single schon auf Platz 11 der Single-Charts gelandet war. Schon an dem Song konnte man erkennen, dass die Songs in eine etwas andere Richtung gehen als die auf dem Erstlingswerk von Tim Bendzko. Ob das positiv, negativ oder auch egal ist, das erfahrt ihr alles hier ;-)


1. Die Songs:

1.1. Ich steh nicht mehr still 5/5
Der Eröffnungssong ist schon eine Klasse für sich. Etwas elektronischer und poppiger als alle Songs, die man bisher von ihm kennt, allerdings nicht weniger gut! Es geht um das Ergreifen einer Chance, um das Riskieren und für das zu kämpfen, was einem wichtig ist. Einfach top und ein toller Opener!

1.2. Am seidenen Faden 4/5
Wie schon gesagt ist dies die 1. Single des Albums. Mir gefällt der Song total gut, weil der Text so stark ist und der Satz "Ich will keine Winter mehr" einfach nur zu dem Sommer 2013 passt :-D

1.3. Ohne zurück zu sehen 5/5
Der Geigen-Einsatz macht den Song einfach aus! Aber auch der Text ist (natürlich) einfach grandios und wohl der schönste Überredungsversuch in den letzten Jahren ;)

1.4. Auch wenn es gelogen ist 5/5
Dieser Song erinnert stilistisch etwas an das 1. Album und das ist durchaus positiv gemeint. Tim Bendzko besticht einfach durch einen einfachen und trotzdem einzigartigen Sound. Außerdem finde ich, dass der Song total gut zum Sommer passt - wenn dieser denn mal wieder kommen würde.

1.5. Vergessen ist so leicht 5/5
Und schon folgt die erste Ballade auf "Am seidenen Faden". Sehr melancholisch, traurig, aber auch hoffnungsvoll. Tim Bendzko schafft es immer wieder, einen in seine Welt zu ziehen und gleichzeitig macht er es einem so leicht, sich mit dieser zu identifizieren - wow! Bis jetzt der BESTE Song auf dem Album.

1.6. Die Geier kreisen schon 4/5
Von diesem Song war ich total überrascht, da er fast schon tanzbar daherkommt. Zwar ist er in den Strophen etwas ruhiger, trotzdem hätte ich nicht mit den harten Beats im Refrain gerechnet. Ich finde es gut, dass der Sänger auch mal solche Songs ausprobiert und ich muss sagen, dass sie ihm wunderbar stehen. Dabei ist der Text genauso intensiv und tiefgängig, wie wir es von ihm gewohnt sind.

1.7. Durch die Nacht 4/5
Jemand Lust auf eine "Beim Auto fahren"-Nummer? Ja? Dann macht ihr mit "Durch die Nacht" alles richtig. Emotional, ruhig und etwas düster - passt perfekt, wenn man mal nachts, ganz alleine unterwegs ist und man sich was gutes tun möchte.

1.8. Es geht wieder vorbei 3/5
Dieser Song ist der Erste, der mir nicht wirklich gut gefällt. Zwar sind die Lyrics hier wieder sehr stark, allerdings kann mich der Sound einfach nicht überzeugen. Lediglich der Refrain ist eingängig, die Strophen sind mir zu schwer.

1.9. Nur einen Herzschlag 4/5
Langsam, akustisch, romantisch und wunderschön kommt "Nur einen Herzschlag" daher. Für mich ist das eine perfekte Single für den Spätsommer/Herbst 2013. Der Text ist wirklich einfach nur unglaublich schön und die simple Instrumentalisierung erinnert an Sonnenuntergang und Meer - hach, schön!

1.10. Ich will zu Dir 4/5
Auch dieser Song ist wieder simpler gehalten und ähnelt wieder dem Stil von Album Nr. 1. Mir gefällt dieser Wechsel zwischen "etwas Neues ausprobieren" und "ich gebe das, was meine Fans schon kennen". Damit zeigt Tim Bendzko, dass er sich zwar weiterentwickelt hat, allerdings auch seine Wurzeln nicht vergessen hat - "Ich will zu Dir" ist die perfekte Mischung dieser beiden Wechsel (:

1.11. Programmiert 5/5
Dieser Song MUSS einfach die 2. Single werden! "Programmiert" schildert auf witzige Weiße das, was viele Menschen schon erkannt haben: in unserer Zeit läuft alles nur noch über den Computer, desto früher man "im Netz ist", desto schneller ist man "connected"... Tim Bendzko bringt es auf den Punkt und macht aus dem Thema einen super Song.

1.12. Leicht sein 4/5
Anfänglich war mir der Song etwas zu schlagerhaft, allerdings gewöhnt man sich daran und überhört v. a. diese Assoziation :-D Denn der Text ist so stark und nimmt einen so ein, dass man letztendlich den Song mag und er sogar mittlerweile zu meinen Favoriten gehört.

1.13. Wo sollen wir nur hin 4/5
Nächste Midtempo-Ballade, bei der ich mich nicht wirklich entscheiden konnte, ob ich sie mag oder nicht. Der Song ist eigentlich eine Kritik... ja, eine Kritik aber an wen? Ich will hier keine Vermutungen anstellen, aber sagen wir so: man weiß, von wem die Rede ist nach den ersten Zeilen :-D Mir gefällt der Song, besonders der Refrain, allerdings sind die Strophen etwas gewöhnungsbedürftig...

1.14. Alles was du wissen musst 5/5
Als Abschluss nochmal eine wirklich tolle Ballade, die einen sehr nachdenklich zurücklässt und trotzdem Lust auf mehr macht. "Alles was du wissen musst" ist wieder sehr simpel und trotzdem toll produziert, mit tollen Emotionen und Mitsingcharakter - super!

2. Persönliches Fazit:
Ich muss sagen, dass ich Tim Bendzko nicht von Anfang an toll fand. Zwar gefiel mir "Nur noch kurz die Welt retten", allerdings konnte mich der Song "Wenn Worte meine Sprache wären" nicht mehr ganz so sehr überzeugen. Als ich das Album dann letztendlich von einer Freundin bekommen habe, wurde ich auf einmal totaler Fan und am Ende des Jahres war "Wenn Worte meine Sprache wären" einer meiner Lieblingsalben 2011!
Als ich dann hörte, dass der junge Songwriter sein nunmehr 2. Album veröffentlichen wird, war ich total froh und konnte den Tag gar nicht abwarten bis ich das Album in Händen halten darf. Nun halte ich es nicht in Händen, da ich es mir gedownloadet habe, aber der Inhalt ist ja trotzdem gleich :-D
Für mich ist "Am seidenen Faden" viel poppiger und mainstreamiger (ich hasse das Wort total :D) als "Wenn Worte meine Sprache wären", was wahrscheinlich an dem Einsatz von Beats und Sounds im Hintergrund liegt. Das Debüt-Album war ja eher schlicht und nur mit Gitarre begleitet, es gab lediglich hier und da mal ein Klavier, aber sonst eben sehr simpel (was den Charme von Tim Bendzko ja auch ausgemacht hat). Zwar findet man auf "Am seidenen Faden" ebenfalls solche Nummern, allerdings nicht mehr so gehäuft wie auf dem Vorgänger. Stattdessen setzt man auf poppige Elemente, Beats, Soundeffekte und hier und da etwas Hall.... und ICH finde das TOTAL gut! Während ich beim Anhören des Debüt-Albums immer in einer bestimmten Stimmung sein musste, könnte ich mir "Am seidenen Faden" den ganzen Tag anhören, ohne das es mir zu traurig, zu melancholisch oder zu sentimental werden würde. Besonders die schnelleren Nummern finde ich sehr gelungen, aber auch die erstklassigen Balladen sind einfach super. Die Weiterentwicklung Tim Bendzkos nehme ich ihm total ab, er ist immer noch gleich, hat aber eine Menge dazugelernt und zeigt, wie gut deutscher Pop sein kann.
Von mir bekommt das Album 5/5 Punkte und damit ist es ein perfekter Abschluss für meinen Musikmonat Juni - danke dafür Tim!

P. S.: Das Album kommt natürlich an die "Wall of Glory", wie sollte es auch anders sein bei so einem Meisterwerk?

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