Nachtrag: Meine Meinung zu "Unser Song für Malmö"

Nun ist es schon einen Monat her, seit feststeht wer uns am 18. Mai 2013 in Malmö beim Eurovision Song Contest vertreten wird. Cascada konnte sich im nationalen Vorentscheid mit dem Song "Glorious" durchsetzen. Und genau diese Entscheidung wird seit dem Finalabend am 14. Februar scharf kritisiert. Für einige war die Verteilung der Punkte und deren Gewichtung nicht fair genug, für andere ist "Glorious" eine Kopie (sprich ein Plagiat) von "Euphoria" und wieder andere bemängeln den gesamten Modus.
Und auch ich habe mir viele Gedanken nach dem Vorentscheid gemacht und habe mich dann letztendlich dazu entschlossen nochmal einen Nachtrag über meine Gedanken zu verfassen. Hier werde ich euch einfach nur MEINEN Standpunkt präsentieren und will gar nicht sagen, dass es nicht andere Sichtweisen geben darf, so denke eben ICH.


1. Vor dem Vorentscheid:
1.1. Die Kandidaten
Die Künstler, die sich dazu entschlossen haben sich den nationalen Vergleich zu stellen, spreche ich meinen größten Respekt aus. Wenn ganz Deutschland die Augen auf einen richten und die Künstler sich den ständigen Vergleichen mit Lena und Roman Lob freiwillig aussetzen, kann es auch NUR Respekt dafür geben. Schön fand ich, dass es wirklich ein breites Spektrum gab und man aus allen möglichen Bereichen auswählen konnte. Besonders toll fand ich es auch, dass die Priester und Mojca Erdmann antraten, obwohl sie bestimmt wussten, dass der durchschnittliche Deutsche so eine Musik nicht gut findet. Außerdem ist noch festzuhalten, dass es besonders viele Newcomer gab, die durch den Vorentscheid viel Aufmerksam bekamen und bestimmt dadurch viele neue Fans gewinnen konnten.
Doch auch Nica & Joe, Saint Lu, Mobilée und besonders die Söhne Mannheims und Cascada verdienen Respekt, da sie zwar (mehr oder weniger) schon bekannt waren und sich trotzdem dazu entschlossen haben bei dem Versuch "Unser Song für Malmö" mitzumachen.
Für mich als Musik-Blogger war es da besonders toll, sich mit all diesen Künstlern zu befassen und mir alle ihre Beiträge anzuhören. Ich habe viele Acts kennenlernen dürfen, die mir sonst vielleicht entgangen wären (hier haben es mir besonders Finn Martin, Betty Dittrich und Saint Lu angetan). Deshalb war und ist der Kandidatenkreis definitiv ein Pluspunkt des Konzepts "Unser Song für Malmö".

1.2. Die Promotion für den Contest
Im Vorfeld des Vorentscheids traten die Kandidaten im ARD Morgenmagazin auf, außerdem gab es auf der Internetseite des Eurovision Song Contests ein Pressekonferenz-Video und die Songs wurden bei den jungen Radiosendern der ARD (zumindest sollte das so sein) gespielt - das war's dann auch schon mit der Werbung für den Vorentscheid. Mich stört genau dieser Punkt, denn ich kann mich erinnern, dass es bei "Unser Star für Oslo", "Unser Song für Deutschland" sowie "Unser Star für Baku" IMMER einen Werbespot gab, der diesen eben beworben hat. Das finde ich wiederum wichtig, weil so mehrere Leute einschalten und vielleicht auch bei der Abstimmung mitmachen.
Doch nicht nur über einen Werbespot sollte nachgedacht werden sondern auch das Radio sollte mehr eingebunden werden. So sollten die Kandidaten eine Promo-Tour mit ihrem Beitrag antreten um einfach präsenter zu sein. Einfach irgendetwas machen um so viel Menschen anzusprechen wie es nur geht.

2. Die Show:
2.1. Der Ablauf der Show
Den Vorentscheid-Abend habe ich sehr positiv in Erinnerung. Ich fand die Show, von Anfang bis Ende, spannend, unterhaltend und sehr gut durchgeplant. Der Einstieg mit Loreen und Lena, die Performances der Kandidaten, die erneuten Auftritte der beiden Gastkünstler mit ihren aktuellen Singles sowie besonders die Moderation von Anke Engelke waren allesamt SUPER und haben den Abend zu einem (für mich) tollen Vorentscheid gemacht. Mein Kompliment geht hier v. a. an Anke Engelke die es mit Witz, Charme und einfach ihrer Persönlichkeit schafft, eine ganze Halle sowie ein Rießenpublikum zu unterhalten und mitzureißen. SUPER und ein großer Pluspunkt, welcher für die Show spricht.

2.2. Der Abstimmungsmodus
2.2.1. Die Jury
Viel Kritik gibt es ja auch für die Jury, bestehend aus Roman Lob, Tim Bendzko, Anna Loos und Mary Roos, da sie ein ganz anderes Ergebnis hatten als die Zuschauer oder die Zuhörer der Radiostationen. Doch für mich ist das eigentlich ziemlich einleuchtend, denn wenn man jetzt einfach vier ganz zufällige Menschen aus ganz Deutschland ausgesucht hätte und sie in die Jury gesetzt hätte, dann wäre das Ergebnis wieder anders gewesen. Sprich: Wenn ich jetzt z. B. in der Jury gewesen wäre, dann hätte ich meine 12 Punkte an Finn Martin gegeben, meine 10 Punkte an Saint Lu, usw. Mein Ergebnis wäre dann also auch total "schockierend" für alle anderen, weil es eben "nur" MEINE Meinung ist und diese ja dann viel mehr in das gesamte Juryergebnis reinzählt als die, eines einzelnen Zuschauers. Die 12 Punkte der Jury ist die Zusammenfassung von fünf Meinungen - die Zuschauerpunkte stellen dagegen die Meinung von Tausenden dar. Damit will ich nicht sagen, dass die Jury ZUFÄLLIG die gleiche Meinung haben kann wie die Jury, aber es gibt eben eine große Wahrscheinlichkeit (die hier eingetreten ist), dass sie eine KOMPLETT andere Meinung hat.
Der Kritikpunkt, dass drei der fünf Jurymitglieder der selben Plattenfirma entstammen, pflichte ich durchaus bei und denke auch, dass man beim nächsten Mal darauf achten sollte, dass jedes Jurymitglied ein Plattenlabel repräsentiert (vielleicht auch Firmen mit ganz anderen Richtungen, usw.)

2.2.2.  Radio und Internet//Zuhörervoting
Nun, dieses Verfahren würde ich viel mehr kritisieren als die Jury, denn irgendwie gibt es viele Ungereimtheiten. So sollen die Stücke gar nicht so oft abgespielt worden sein wie es eigentlich nötig gewesen wäre. Wenn das der Fall ist, dann muss man sich wirklich überlegen ob ein Radiovoting sinnvoll ist. Denn wenn die Songs nicht mehrmals täglich abgespielt werden mit dem Hinweiß, dass dieser Song uns beim ESC vertreten könnte und man dafür im Internet abstimmen kann, dann lohnt sich dieser Part des Konzepts nicht.
Außerdem fand ich es schon an dem Abend komisch (im Nachhinein dann viel mehr), dass fast alle Radiostationen zumindest die gleichen Top3 hatten. Das kann doch gar nicht sein? Ich kann mir nicht vorstellen, dass Leute in Berlin wirklich "LaBrassBanda" toll finden - falls ich hier falsch liegen sollte, dann bitte korrigiert mich. Ich für meinen Teil komme aus Bayern (da kann ich es durchaus verstehen, dass man "Nackert" SUPER fand) und mag die Musik von LaBrassBanda nicht und dann soll ein Berliner oder Hamburger oder Kölner oder was auch immer das ganz super finden? Und dann auch noch gleich alle auf einmal? Da kann doch was nicht stimmen... nein, auch nach längerem Nachdenken kann ich das einfach nicht glauben (obwohl, vielleicht war das ja auch eine "Spaß"-Wahl, so nach dem Motto "Die sind lustig, die schicken wir zum ESC".... ach nein, selbst das wäre unsinnig, das macht die Mehrheit Deutschlands doch nicht, oder?)
Insgesamt muss man sich also wirklich die Frage stellen ob die Teilnahme der Radiosender sinnvoll ist (besonders wenn sie die Tracks nicht allzu häufig spielen). Die Idee an sich finde ich allerdings sehr gut, weil der Modus so total einzigartig ist, denn das Radio wird in keinem anderen europäischen Teilnehmerland miteinbezogen, wenn es um die Wahl des ESC-Kandidaten geht.

2.2.3. Zuschauervoting
Hier gibt es nichts zu kritisieren, denn diese haben eben nach den Performances für ihren Liebling angerufen, welcher Cascada war und da gibt es nichts dran zu rütteln, so muss es sein!

Insgesamt war der Abstimmungsmodus etwas zu kompliziert und man hätte ihn vielleicht noch besser erklären sollen. Trotz allem finde ich es gut, dass man diesen Modus ausprobiert hat und versucht hat, so viele Meinungen wie möglich einzuholen. Jetzt muss man auch berücksichtigen, dass es das erste Jahr war, indem wir es mit dieser Art von Show ausprobiert haben und man eben erst einmal einige Dinge ausprobieren muss um auf einen grünen Zweig zu kommen. Falls es nächstes Jahr wieder eine ähnliche Show geben sollte, dann müsste man über den Modus diskutieren und diesen verbessern - sowohl was die Jury als auch das Radio betrifft (besonders das Radio!!).

3. Der Gewinner
Die wohl größte Diskussionsgrundlage. "Haben wir den richtigen Act ausgesucht? Soll sie uns wirklich vertreten? Wir schaffen das ja eh nicht! Letzter Platz wir kommen!" und und und - das alles durfte man sich seit Februar rauf und runter anhören. Für mich bleibt da die Frage: warum? Beim Radiovoting war Cascada auf Platz Nr. 2., bei der Jury auf Platz Nr. 3 und bei dem Zuschauervoting sogar auf dem 1. Platz. Was heißt, dass (trotz aller Kritik an dem Abstimmungsmodus) alle drei "Instanzen" des Votings diesen Act weit oben gesehen haben. Bei LaBrassBanda war dies eben nicht der Fall: Die Jury empfand ihn als nicht gut. Würde man jetzt die Jury mal komplett ausblenden, dann hätte Cascada trotzdem gewonnen, da das Zuschauervoting (bei Gleichstand) mehr Gewicht gehabt hätte.
Doch nicht nur das: Auch in den Charts stieg Cascada zwar zunächst nur auf Platz 36 ein, nach Veröffentlichung der CD-Single schnallte "Glorious" allerdings sofort auf Platz 6 - ein Platz der bei der, zur Zeit, sehr starken internationalen Konkurrenz (z. B. will.i.am feat. Britney Spears - "Scream & Shout" oder Rihanna feat. Mikky Ekko - Stay) total gut ist. Es muss also Menschen geben, die diesen Song gut finden und ihn sich dowloaden, damit sie sich ihn anschließend anhören können.
Damit man mich jetzt allerdings nicht falsch versteht: ich bin kein Fan von "Glorious", noch von "Nackert" - wie man auch bei meinem Live-Ticker nachlesen kann, war ich für komplett andere Kandidaten. Und trotzdem erscheint mir der Sieg von Cascada fair aus den oben genannten Gründen.

Eine Frage wurde allerdings noch mehr diskutiert als die, warum Cascada gewonnen hat: Ist "Glorious" nur eine billige Kopie von "Euphoria"? Für mich lässt sich diese Frage ganz einfach beantworten: NEIN! Warum? Also: Der Song befindet sich zwar im gleichen Musik-Genre wie Loreens "Euphoria" hört sich aber (zumindest für mich) komplett anders an. Ich habe die zwei Songs gleichzeitig abspielen lassen und konnte wirklich gar keine Ähnlichkeiten feststellen. Klar, harte Beats hier und da, die übereinstimmen kann man hören, aber ist das gleich ein Plagiat? Das wäre so als wenn ich zwei Pop-Songs nehme und feststelle: OH, die haben ja den gleichen Rhythmus. Keine Frage, beide Lieder kommen eben aus der gleichen Sparte und deshalb ist ein Vergleich geradezu notwendig, aber mann kann es auch übertreiben. Wer sich die Rezension von Cascadas "Glorious" durchliest, stellt fest, dass ich da auch schon geschrieben habe, "dass wir uns mit diesem Song im gleichen Musik-Genre wie die Vorjahressiegerin Loreen befinden und das der selbe Stil zwei Mal hintereinander gewinnt, wage ich sehr stark zu bezweifeln". Allerdings habe ich zu diesem Zeitpunkt (die Rezension ging am 4. Februar 2013 online) gar nicht an ein Plagiat denken müssen oder habe auch nur daran gedacht, dass die beiden Lieder gleich seien könnten - lediglich die Bemerkung, dass die beiden Lieder aus dem gleichen Bereich stammen und der Song deshalb weniger Chancen auf den Sieg hat.
Naja, wie auch immer, ich kann die ganzen Vorwürfe echt nicht verstehen und finde es ehrlich gesagt schade, dass wir Deutschen immer unsere Acts so "runtermachen" müssen - denn verglichen mit anderen Ländern ist Cascada echt SUPER und mittlerweile halte ich es für gar nicht so unwahrscheinlich, dass wir wieder eine Top10-Platzierung erreichen könnten.


4. Abschließende Worte:
Insgesamt kann ich nur sagen, dass der ARD hoffentlich wieder so eine Art Vorentscheid plant und eben versucht wird, dass Konzept zu verbessern wo es nur geht. Mit dem Vorbild Schweden im Hinterkopf sollte man sich immer neue Dinge überlegen und gucken, dass man den guten Ruf des Eurovision Song Contest (den er mittlerweile wirklich hat) beibehält, sodass möglichst viele Menschen ihre Freude damit haben.
Auch wenn ich noch nicht ganz vom Modus des Vorentscheids überzeugt bin, so denke ich, dass es ein guter Schritt in die richtige Richtung war - und das zählt schon was.
Ich hoffe außerdem, dass Cascada immer noch Lust hat nach Malmö zu fahren und hoffe inständig, dass Deutschland hinter ihr steht und die ganzen negativen Stimmen langsam zur Ruhe kommen. Man sollte nicht vergessen, dass das Event Spaß machen und ein Bindeglied europäischer Kultur sein soll.
Ich für meinen Teil stehe hinter Cascada und "Glorious", auch wenn das nicht mein Favorit für Malmö war.

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